AUF DEN HUND KOMMEN?
Andrea Gebhardt betreibt im Haunetal, an der Landkreisgrenze von Fulda und Hersfeld-Rotenburg, eine Hundeschule. Die alleinerziehende Mutter zweier Jungs ist Hundeführerin beim Roten Kreuz und kennt sich mit Vierbeinern aus. Die sportliche 43-Jährige bringt Menschen den Umgang mit Hunden bei und folgt dabei dem Konzept der „positiven Verstärkung“. Statt Strafe und Stachelhalsband setzt sie auf Kekse und Lob.
Wer sich einen Hund anschaffen möchte, braucht Ruhe und Geduld. „Wichtig ist, sich vorher zu informieren und Wissen anzusammeln“, erklärt die im Haunetaler Ortsteil Neukirchen lebende Hundetrainerin. „Wenn der Hund mit dem Schwanz wedelt, freut er sich nicht zwangsläufig und aufgerichtetes Fell ist kein sicheres Zeichen für Aggression.“
Wer einen Hund halten möchte, sollte feste Regeln befolgen, eine klare Kommunikation mit dem Tier führen können und im Stande sein, konsequent zu bleiben. Ein Hundehalter braucht für seinen Vierbeiner ausreichend Zeit, sollte Regelmäßigkeiten einrichten und einhalten können. Nicht Kellerverliese oder Zwinger, sondern saubere Plätze im Zentrum der Familie sind selbstverständlich. Klare Fütterungs- und Spazierzeiten sind einzuhalten. Mit dem Tier muss man spielen und auf besondere Charakter- und Wesenszüge eingehen können.
Die Hundeexpertin Gabriele Weiß-Mattheis aus Bad Hersfeld warnt vor allem junge Familien. Schnell stelle sich die „entweder-oder-Frage“, denn der Zeitaufwand, den eine junge Mutter mit einem Baby oder Kleinkind hat, werde oft unterschätzt. Besonders gefährlich sei, wenn dem fünfjährigen Kind ein „Spielkamerad“ angeschafft werde, weil gleichzeitig in der Familie ein Baby ankommt. „Der Fünfjährige ist nicht in der Lage mit einem Hund alleine vernünftig umzugehen“, stellt die auf schwierige Fälle spezialisierte Hundetrainerin fest. Sie betreibt in Bad Hersfeld eine Therapie- & Hundeschule vor allem für verhaltensauffällige Hunde.
Wer sich einen Hund anschaffen möchte, sollte sich also dem gewaltigen Einschnitt ins eigenen Leben bewusst sein und somit im Vorfeld genau überlegen und informieren, was auf ihn und die ganze Familie zukommen kann. „Ein Hund ist kein Kindersatz und braucht Zeit. Es wird oft unterschätzt, wie viel Zeit man mit der Erziehung und für den täglichen Umgang aufbringen muss“, gibt Gabriele Weiß-Mattheis zu bedenken. Aufzugeben muss bei schwierigen Hundeverhalten aber nicht sein. Aus ihrer 15-jährigen Praxis ist sie sich sicher, dass „schlechte Erfahrungen, vor allem aus der Prägephase, umprogrammierbar sind.“ Dies könne zuweilen allerdings „sehr zeitaufwendig sein“. Doch in der Regel gehe es „um das andere Ende der Leine“, demnach wie Menschen mit dem Hund umgehen. Laut der 55-jährigen gebürtigen Bad Hersfelderin empfiehlt es sich, dass eine Hundeanschaffung auf gar keinen Fall aus einer Laune heraus geschehen sollte. Spontane Entscheidungen ohne Sachkenntnisse können sich langfristig rächen.
Wer Verantwortung für einen Hund übernimmt, muss sich auch auf hohe Futter- und regelmäßig anfallende Tierarztkosten einstellen. Hundesteuer muss gezahlt werden, die Hinterlassenschaften bei Spaziergängen müssen eingesammelt und entsorgt werden.
Der eigene Hund
Ist die Entscheidung dafür gefallen, geht die Suche nach dem „richtigen“ Hund los. Allgemeine Rasseeigenschaften sind nicht zwingend identisch mit denen des individuellen Tieres. Seriöse Züchter oder kompetente Tierpfleger im Tierheim sollten bei der Auswahl behilflich sein und Lebensumstände der zukünftigen Tierhalter berücksichtigen. Ist ein Vierbeiner dann eingezogen, müssen sich die Beteiligten erst einmal aneinander gewöhnen. Hund wie Mensch sind in der neuen Situation aufgeregt. Rollen wollen verteilt, Grenzen gesetzt werden. Dabei ist es nach Andrea Gebhardts Ansicht durchaus zulässig, einen individuellen Weg zu finden. „Solange es für den Menschen in Ordnung ist, dass der Hund auf dem Sofa sitzt, darf er das. Aber wichtig ist, dass der Mensch das bestimmt und nicht der Hund!“ Denn der hundehaltende Mensch muss im „Rudel die Rolle des Alphatieres übernehmen. Die meisten Tiere wollen das auch nicht anders, werden aber nicht selten durch die Unfähigkeit des Menschen zu anderen Verhaltensweisen gedrängt.“ Sowohl der Hundehalter als auch das Tier sind mit solchen Situationen überfordert. „Die meisten Menschen vermenschlichen Tiere. Viele vergessen allzu schnell, dass man es mit einem Hund und nicht mit einem Kind zu tun hat“, erläutert Andra Gebhardt. Gabriele Weiß-Mattheis ist sich zudem sicher: „Vieles, was beim Kind gut ankommt, schadet dem Hund.“ Es gilt „Hündisch zu lernen!“ Um auf die Bedürfnisse von Hunden besser eingehen und Missverständnisse ausräumen zu können, empfiehlt sich der Besuch einer Hundeschule. Dort wird den Tieren gelehrt, sich auf ihre Menschen einzulassen und den Menschen gelehrt, den Hunden ein adäquates Gegenüber zu sein.
Die richtige Hundeschule
Laut Andrea Gebhardt zeigt sich schon am Telefon durch gezieltes Fragen, ob eine Hundeschule für den Hundehalter und sein Tier geeignet ist. Können Hundetrainer am Telefon Kompetenz ausstrahlen, kann er in der Regel in einer anschließenden Trainingssituation auch Schwächen bei Mensch und Tier herausarbeiten. Klare Ausschlusskriterien sind zu große Trainingsgruppen und angekündigte Gewalt gegenüber dem zu schulenden Tier. Wenn davon die Rede ist, dass „so viele mitmachen können, wie wollen“, ist das ein schlechtes Zeichen. Andrea Gebhardt plädiert für maximal sechs Menschen mit Hunden. Idealerweise sollten die Hunde nach Größe, Alter und vielleicht sogar Charakter sortiert sein. Gute Hundeschulen bieten zudem Einzelunterricht an. Außerdem solle ein Trainer für persönliche Gespräche offen sein, auf besondere Trainingswünsche eingehen können und im Zweifel „vormachen, was er von Tier und Hundehaltern wünscht“, erläutert die Hundetrainerin weiter. Auch Fragen sollen während des Unterrichts möglich sein. Hundeschulen, die vor Beginn einer eigenen Schulung bereit sind Zaungäste zuzulassen, haben nichts zu verbergen. „Nur so kann man sich vorher ein eigenes Bild machen“, schließt Andrea Gebhardt. Timo Schadt
