Der Hunde-Profi Martin Rütter antwortet

Hunde-Profi Martin RütterIn der erfolgreichen VOX-Coaching-Doku „Der Hundeprofi” dreht sich seit 2008 alles um das Thema Hunde-Erziehung. ‘Der Hundeprofi’, das ist Martin Rütter, geboren 1970 in Duisburg. Er studierte Tierpsychologie an einer Privatakademie für Tierheilkunde in der Schweiz. 1995 gründete er sein erstes „Zentrum für Menschen mit Hund“. Inzwischen existiert ein deutschlandweites Wissensnetzwerk mit über 50 Standorten und über 100 Coaches, die nach seiner D.O.G.S.-Philosophie Hunde und Halter schulen. Der Experte antwortet nachfolgend printzip-Mitarbeiter Timo Schadt auf dessen Fragen.

printzip: Sind Hunde das ideale Haustier für jedermann?

Martin Rütter: Generell passen Hunde sehr gut zum Menschen, da sie in einer ähnlichen Struktur wie wir Menschen leben. Es gibt einen engen Familienverbund, bei dem soziale Strukturen eine große Rolle spielen. Zum anderen akzeptiert der Hund den Menschen als vollwertigen Sozialpartner und zieht ihn manchmal sogar Artgenossen vor. Der Hund sucht aktiv die emotionale Nähe zum Menschen.
Ob der Hund der perfekte Partner für jedermann ist, hängt also letztlich vom Menschen ab. Denn jeder, der sich einen Hund anschaffen möchte, muss sich im Vorfeld gründlich über die Bedürfnisse eines Hundes informieren. Und: Für einen Hund muss man Zeit haben. Das ist kein Spielzeug, das man bei Bedarf rauskramt und dann wieder wochenlang verstauben lässt. Wer bereits im Vorfeld weiß, dass er den Hund täglich mehrere Stunden alleine lassen muss, sollte sich keinen Hund anschaffen.  
 
printzip: Wie sieht es mit dem Zusammenleben von Kleinkindern und Hunden aus – geht das?

Martin Rütter: Es gibt letztlich nichts Schöneres für ein Kind, als mit einem Hund aufzuwachsen. Ein Kind lernt dadurch, ein empathisches Bewusstsein für andere Lebewesen zu entwickeln. Nichtsdestotrotz müssen natürlich gewisse Spielregeln herrschen. Es müssen für das Kind und den Hund Rückzugsmöglichkeiten existieren, Tabu-Orte bzw. Situationen, in denen der jeweils andere nichts zu suchen hat. Beispielsweise wenn sich der Hund in sein Körbchen verkriecht um zu ruhen. Und beim Zusammenleben von Kind und Hund ist sehr wichtig, dass der Erzieher konsequent ist. Aus diesem Grund muss stets ein Erwachsener in der Nähe sein, um gegebenenfalls reagieren zu können. Daher kann ein Hund auch niemals allein für ein Kind angeschafft werden. Die Eltern haben immer die volle Verantwortung und sind für die Erziehung des Hundes zuständig. Jedoch können die Kinder in die Erziehung mit eingebunden werden, indem sie kleinere Aufgaben gemeinsam mit den Eltern übernehmen.

printzip: Wie viel Zeit muss ich für meinen Hund aufwenden? In einer Ihrer Sendungen wurde ein Hund den ganzen Tag an der Leine geführt. Wer kann das leisten? Ist Hundehaltung ein Fulltime-Job?

Martin Rütter: Für einen Hund ist es unabdingbar, dass er sinnvoll beschäftigt und ausgelastet wird, und zwar körperlich UND geistig. Wie stark dieses Bedürfnis ausgeprägt ist, hängt wiederum von den individuellen Wesenszügen eines jeden Hundes ab. Aber noch einmal: Ein Hund ist kein batteriebetriebenes Unterhaltungsgerät, das man nach Belieben an- und ausschaltet. Wer so etwas sucht, sollte sich eher bei Toys „R“ Us umschauen.    

printzip: Mischling oder Rassehund? Worauf muss ich beim Hundekauf achten?

Martin Rütter: Viele Menschen glauben ja immer, wenn sie sich einen Rassehund vom Züchter holen, kann nichts mehr schief gehen. Das ist Quatsch, auch bei Züchtern gibt es gute und schlechte. Und davon ab, auch in den Tierheimen leben super Hunde. Die Frage lautet also nicht, ob Mischling aus dem Tierheim oder Rassehund vom Züchter, sondern entscheidend ist, wie ich es ja bereits gesagt habe, dass sich die Leute bereits vor der Anschaffung sehr genau darüber erkundigen, was das Zusammenleben mit einem Hund bedeutet und erfordert. Ein Wochenendseminar würde hier schon reichen, um die ganz groben Anfängerfehler zu vermeiden.

printzip: Welche Merkmale beziehungsweise Verhaltensweisen sollten Züchter aufweisen?

Martin Rütter: Wer sich für einen Züchter entscheidet, sollte auf verschiedene Kriterien achten. Eine große Rolle spielen die Transparenz seiner Arbeitsweise, die Lebensbedingungen der Welpen und die Konzentration auf eine Rasse. Bei Züchtern, die Welpen mehrerer Rassen anbieten, ist Vorsicht geboten, hier handelt es sich meist um Massenproduzenten, die nicht das Wohl der Tiere, sondern den eigenen Profit im Auge haben.

printzip: Kann ich als Laie Welpenerziehung leisten? Oder muss man folgende allgemeine Faustregel annehmen: Erfahrene Hundehalter können einen jungen Hund anschaffen; weniger erfahrene Hundehalter sollten auf einen älteren Hund setzen.

Martin Rütter: Diese Faustregel ist Blödsinn. Denn auch ältere Hunde können natürlich extrem unerzogen sein und somit unerfahrene Hundehalter vor immense Probleme stellen. Von daher hängt eine Einschätzung immer von den individuellen Eigenschaften eines Hundes ab. Klar ist, dass sich ein Welpe, der in Sachen Erziehung ja noch unbefleckt ist, einfacher anleiten lässt als ein älterer Hund, bei dem sich Probleme aufgrund fehlerhafter Erziehung bereits verfestigt haben. Eines steht jedoch fest: Ob Welpe oder älterer Hund – ein Laie sollte bei der Erziehung immer professionelle Hilfe zu Rate ziehen.

printzip: Macht es Sinn, mehr als einen Hund zu halten? Und wenn ja, dieselbe Rasse, das gleiche Geschlecht?

Martin Rütter: Prinzipiell ist es sinnvoll, mehrere Hunde zu halten, da es dem Hund ständige Kommunikation mit Artgenossen in einer Rudelsituation garantiert. Auch dieselbe Rasse kann für Hund und Halter Sinn machen, weil dann eine ähnliche Kommunikationsstruktur vorliegt. Aber auch hier gilt: Jeder Hund, ob dieselbe Rasse oder nicht, ist eine eigenständige Persönlichkeit. Deswegen gibt es kein allgemeingültiges Patentrezept, das sich pauschal anwenden lässt.

printzip: Was sagen Sie zur problematischen Lage von Hunden wie in Rumänien? Wie kann man von hier aus helfen?

Martin Rütter: Ich plädiere grundsätzlich für direkte Hilfe vor Ort, um das Übel bei der Wurzel zu packen. Sporadische Einzelaktionen lösen selten das Kernproblem, sie bleiben ohne nachhaltige Langzeitwirkung oder verursachen im schlimmsten Fall sogar neue Probleme. Wenn ich einen Hund aus dem Ausland in die Stadt nehme, kann es nur funktionieren, wenn der Straßenverkehr, Menschen und Trubel um sich herum kennt. Verfrachtet man ein Tier aus der rumänischen Pampa in eine Etagenwohnung in Fulda, ist das Problem programmiert. Ich würde auch keinen Neandertaler nach New York schicken. Deshalb noch einmal: Probleme immer vor Ort lösen.

printzip: Was war Ihr „schwierigster“ Fall?

Martin Rütter: Der uneinsichtige Zweibeiner. Aber im Ernst, die Schwierigkeit liegt ja fast immer beim Menschen. Die Hauptaufgabe besteht häufig erst einmal darin, die jeweiligen Halter zu sensibilisieren, dass tatsächlich ein Problem besteht. Denn viele Menschen stellen im Umgang mit ihrem Hund leider zu oft ihre persönlichen Bedürfnisse in den Vordergrund und bemerken dabei gar nicht, dass das für den Hund problematisch sein könnte. Wenn dann die eigentliche Trainingsarbeit beginnt, hängt es am Ende von der Konsequenz und Disziplin der Halter ab. Ich hatte Fälle, in denen Hundebesitzer gravierende Probleme binnen weniger Wochen gelöst haben. Genauso gibt es aber Leute, die relativ banale Auffälligkeiten auch nach Jahren nicht in den Griff bekommen.
 
printzip: „Der Hunde-Profi“ kommt als ungestellter und authentischer Fernseh-Ratgeber rüber, was bei privaten Sendern mittlerweile Seltenheitswert hat. Wo sind ihre persönlichen Grenzen in Sachen TV angesiedelt?

Martin Rütter: Der Hundeprofi kommt authentisch rüber,  weil  er  authentisch ist. Die gezeigten Fälle sind ja absolut echt, wir transportieren so eine hohe Glaubwürdigkeit. Formate, die diese Authentizität nicht gewährleisten können, kommen für mich nicht infrage. Für Sendungen, in denen Protagonisten vorgeführt oder im Vorfeld gebrieft werden, Stichwort „Scripted Reality“, um eine gewünschte Atmosphäre oder Situation zu erzeugen, bin ich nicht zu haben. Und ich würde auch keine Sachen machen, die nichts mit dem Thema Hund zu tun haben.
 
printzip: Im März sind Sie in Alsfeld und Ende des Jahres Sie mit neuem Programm live in Fulda. Was erwartet die Besucher?

Martin Rütter: Ich werde in meinem neuen Programm „Der tut nix!“ meine Übersetzungsarbeit, die ich mit „Hund-Deutsch, Deutsch-Hund“ begonnen habe, nahtlos fortsetzen. Es geht weiterhin um die kleinen und großen Missverständnisse im Zusammenleben von Mensch und Hund. Und davon habe ich noch reichlich in petto. Es wird natürlich wieder sehr lustig werden, aber gleichzeitig auch gewohnt lehrreich. Die Leute dürfen sich also auf einen informativ-unterhaltsamen Abend freuen.