Kommentar zum Café Panama in Fulda

U.a. um die Zukunft des Café Panamas in Langebrückenstraße 14 geht es in der am Dienstag erscheinenden September-Ausgabe des Monatsmagazins printzip. Hier schon mal vorab ein Kommentar aus dieser Ausgabe:

 

Wenn sich Investoren ein „Filetstückchen“ sichern, dann haben sie sich ohne Zweifel auch Gedanken darüber gemacht, was sie mit dem Gelände anstellen wollen. Wohnraum zum Mieten soll entstehen. Ob da ein soziokulturelles Leben im direkten Umfeld als Vor- oder Nachteil bewertet wird, bietet Stoff für Spekulationen, ist aber sicherlich längst entschieden. Wenn die Investoren - wie sie verkünden - den in der Fuldaer Langebrückenstraße 14 ansässigen Projekten und Initiativen wohlgesonnen gegenüberstehen, haben sie eventuell deren Vorzüge, in Kombination mit bezahlbarem Wohnraum zum Beispiel für Studierende, einkalkuliert. Dennoch bleibt die Angst bei den betroffenen aktuellen Nutzer*innen, schwer einschätzbare Investoren könnten, auch dann, wenn sie in Fulda verwurzelt sind und nicht als „Heuschrecken“ daher kommen, lediglich ökonomische Interessen im Kopf haben. Höherpreisig vermietbarer Wohnraum könnte mit Konzerten und buntem Hofgetrubel in der unmittelbaren Nähe als unvereinbar empfunden werden. Wie gesagt, Stoff für Spekulationen. Vielleicht - so mutmaßen Einzelne - besteht ja seitens der Investoren auch die Hoffnung, die Stadt Fulda als Unterstützer mit ins Boot zu holen und mit Geld aus öffentlicher Hand die Liegenschaft weiterzuentwickeln. Wenn das Kalkül der Investoren in Richtung Stadt - wie oben beschrieben - besteht, ist die Stadt Fulda in der Pflicht. Dies gilt aber auch dann, wenn letztlich die „unterstützenswerten“ Initiativen wegen bloßer Kapitalinteressen der neuen Eigentümer das Weite suchen müssen.

Die Betroffenen fühlen sich verständlicherweise ausgeliefert und reagieren mit Argwohn. Doch führt dieser nicht zur Betäubung, sondern sogar zu einem gestärkten Selbstverständnis. Die Betroffenen haben sich zu einer Bürger*innen-Initiative „BI Langebrückenstraße 14“ zusammengeschlossen. Zudem hat die BI Langebrückenstraße 14 genau den richtigen Adressaten für ihren offenen Brief gewählt. In der Tat besteht für jede Kommune eine Verpflichtung gegenüber engagierten Bürger*innen, bestehende Freiräume für deren Engagement zu erhalten, zu fördern und weiterzuentwickeln. Dies gilt insbesondere dann, wenn es - wie im vorliegenden Fall - ein derart breites und über Jahrzehnte gewachsenes Initiativenleben zu schützen gilt.

Die Stadt Fulda kann sich der vorgetragenen Argumentation der BI nicht entziehen und sollte sich nicht mit dem breit aufgestellten Bündnis anlegen. Verzweiflung macht stark. Schon jetzt ist eine Lawine an Unterstützung absehbar. Wer sich versucht, dieser in den Weg zu stellen, könnte imagemäßig mächtigen Schaden erleiden. Für die Initiativen ist die Gesamtsituation so gesehen auch eine Chance. Sie können gestärkt aus dem nun angestoßenen Prozess hervorgehen. Zusätzliche Kräfte können frei gesetzt, neue Ideen geboren werden. Letztlich ist bei aller Bedrohlichkeit der Situation das Ganze auch eine einmalige Gelegenheit, das soziokulturelle Leben der Stadt Fulda deutlich sichtbar zu machen, zu stärken und weiterzuentwickeln.

 

Autor: Timo Schadt

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