Do

17

Aug

2017

Der Sonntag auf dem Open Flair 2017

Eindrücke vom Open Flair Festival am Sonntag, 13. August 2017

Rise Against

Der umjubelte Abschluss des diesjährigen Festivals

 Das Publikum vor der HR3-Bühne beim Auftritt von Rise Against
Das Publikum vor der HR3-Bühne beim Auftritt von Rise Against
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Di

15

Aug

2017

Der Samstag beim Open Flair 2017

Billy Talent

 

Ein riesiger Andrang herrschte am Samstag, 12. August 2017 auf dem Open Flair Festival, als am Abend Billy Talent auftraten.

Liedfett

Liedfett sorgten wie schon letztes Jahr beim Publikum auf der Freibühne für Stimmung.

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Di

15

Aug

2017

Broilers und Radio Havanna beim Open Flair 2017

Broilers

Nach dem Auftritt von Alligatoah heizten am Freitag, 11. August 2017 beim Open Flair-Festival die Broilers auf der HR-Bühne trotz Regenwetters gewaltig ein.

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Mo

14

Aug

2017

Alligatoah beim Open Flair 2017

Bilder vom Auftritt von Alligatoah beim Open Flair Festival am 11. August 2017.

Fotos: Timo Schadt

 

Weitere Fotos vom Open Flair 2017 finden sich hier.

Mi

02

Aug

2017

Italienische Nacht in der Stiftsruine

Auf eine Reise in die italienischen Opern luden die Bad Hersfelder Festspiele. Höhepunkte aus großen Opern von Verdi, Puccini, Bellini und Donizetti bildeten einen guten Einstieg in diesen Kosmos, z.B. "Casta Diva" aus Norma (Bellini), Verdis Gefangenenchor aus Nabucco, den der Chor auf den Treppen zwischen den Zuschauern aufführte, Szenen aus Puccinis Tosca oder als Abschluss "Brindisi" aus Verdis La Traviata.

 

Corinna Pohlmann, die auch in Hexenjagd und Martin Luther - Der Anschlag zu sehen ist, führte durch den Abend, in dem sie als Erzählerin 19 Szenen aus 10 Opern zu einer neuen, freilich nicht immer ganz logischen Geschichte zusammenfügte. Sie ordnete die Handlungen und Rollen der Beteiligten frei nach ihrem Belieben, unterbrach, wenn es doch etwas zu melodramatisch wurde, hatte lakonische Kommentare und bissige Erläuterungen parat und sorgte dafür, dass der Abend immer mit einem Augenzwinkern verlief und schließlich doch noch glücklich endete - selten für eine Oper.

 

Im Endeffekt ging es aber natürlich vor allem um die Musik. Zu sehen und hören waren Nadja Stefanoff (Sopran - sie wurde bei der Aufführung am 1. August mit besonders großem Applaus bedacht), Zurab Zurabishvili (Tenor), Kwang-keun Lee (Bariton - er kam erst kurzfristig dazu, nachdem ein anderer Solist ausgefallen war), der Hessische Konzert- und Festspielchor, Mitglieder des Landesjugendchores Hessen und das Orchester Virtuosi Brunenses.


Heute, am 2. August, ist ab 20 Uhr noch einmal Italienische Nacht in der Stiftsruine.

Infos: http://www.bad-hersfelder-festspiele.de/konzerte/italienische-nacht.html

Tickets (ab 29 Euro): 06621 / 640200, ticket-service@bad-hersfelder-festspiele.de

 

Markus Weber

Di

01

Aug

2017

Hexenjagd

Gerüchte, die sich festsetzen und sich ausbreiten, ohne auch nur im geringsten Fakten zu entsprechen: Das Thema von Hexenjagd tritt in der diesjährigen Inszenierung noch etwas stärker hervor als letztes Jahr. Ist es wegen einiger Akzentuierungen, die vorgenommen wurden – oder ist es vielleicht stärker, weil das Thema „Fake News“ dieses Jahr so sehr in der Öffentlichkeit steht?

Regisseur und Intendant Dieter Wedel versteht es jedenfalls, aktuelle Bezüge zu betonen und das Zeitlose hervorzuheben. Die Handlung des Theaterstücks, in der Menschen wegen Hexerei hingerichtet werden, beruht auf realen Ereignisse von 1692. Sie ist sicherlich schon in den USA der 1930er Jahre, wo Wedel die Inszenierung ansiedelt, ein Anachronismus. Allerdings sind die Grundmechanismen auch auf heute übertragbar: Die Welle von Lügen, Verdächtigungen und Anschuldigungen, die sich steigert in Hysterie und Verfolgungswahn oder der Glaube an dunkle Mächte.

 

Die Eingangssequenz wurde gegenüber 2016 leicht geändert, so dass der Faktor der Gerüchte und ihrer Verbreitung stärker hervortritt. Außerdem wird auch die Motivation des reichen Putnam klarer, dem die Anschuldigungen sehr gelegen kommen und der sie anstachelt. Christian Nickel als John Proctor ist in dieser Saison wahrlich omnipräsent und überragt schauspielerisch die Festspiele. Statt André Eisermann spielt Tilo Keiner den Pastor Parris – dank der Maske ähnlich im Erscheinungsbild, doch etwas weniger mit der gewissen zur Rolle passenden Trotteligkeit agierend. Motsi Mabus wird im Juli von ihrer Schwester Otlile vertreten.

 

Auch wenn die Inszenierung ansonsten im Großen und Ganzen die selbe bleibt und nicht mehr so stark den Reiz des Neuen hat: Wer noch nicht die Chance hatte, Hexenjagd bei den Bad Hersfelder Festspielen  zu sehen, sollte es nachholen. Am 11. August 2017 wird sie das letzte mal aufgeführt.      

 

Weitere Infos und Aufführungstermine: http://www.bad-hersfelder-festspiele.de/spielplan/hexenjagd.html                         

Tickets (ab 29 Euro): 06621 / 640200, ticket-service@bad-hersfelder-festspiele.de

 

Text: Markus Weber

Fotos: Timo Schadt und Markus Weber

erschienen im printzip August 2017

 

Mo

24

Jul

2017

Titanic

Ein monumentales Musical über einen monumentalen Untergang in der monumentalen Kulisse der Stiftsruine. Zugegeben, bei dem Musical Titanic konnte eigentlich nicht viel schiefgehen. Dennoch beeindruckt die Inszenierung von Stefan Huber bei den diesjährigen Bad Hersfelder Festspielen nachhaltig.

Das Musical, das vor dem Film mit Leonardo di Caprio entstand, wurde 1997 in fünf Kategorien beim Tony Award, dem „Musical-Oscar“, ausgezeichnet.

Es erzählt von den Umständen, die zum Untergang des „größten beweglichen Objekts aller Zeiten“ und zum Tod von über 1000 Menschen führten - etwa von der Profitgier der Schiffahrtgesellschaft, die weniger als die Hälfte der benötigten Rettungsboote eingebaut hatte, um mehr Tickets verkaufen zu können. Es erzählt aber auch von den in drei Klassen reisenden Passagieren, von ihren Hoffnungen und Träumen auf ein besseres Leben, von der Dekadenz der Oberklasse. Besonders berühren auch die Einzelschicksale: ein Heizer lässt durch einen Funker einen Heiratsantrag quer über den Ozean schicken, ein altes Ehepaar bleibt an Bord und lässt den jüngeren Vortritt auf die Rettungsboote.


Bei den über 40 Darsteller*innen gibt es keine Schwachstelle, sie überzeugen durchweg mit starkem Gesang. Das Orchester spielt sehr genau abgestimmt zum Stück und stets mit einer angemessenen Dynamik. Die Bühne wird mit übergroßen drehbaren und mehretagigen Elementen großzügig bespielt. Diese bilden den Schriftzug TITANIC, später dienen etwa obere Geschosse als Brücke, untere als Heizumgskeller. Ein großer Steg über den Innenraum der Bühne, der in manchen Szenen bis ganz oben hochgezogen wird, überragt alles.


Kein Wunder also, dass das Stück bei der Premiere euphorisch angenommen und mit lange anhaltendem stehenden Applaus honoriert wurde.                                                                       

 

Weitere Infos
Tickets: 06621 / 640200, ticket-service@bad-hersfelder-festspiele.de

 

Text: Markus Weber

Fotos: Timo Schadt, Markus Weber

Mi

19

Jul

2017

Die 39 Stufen

Nur vier Darsteller für über vierzig Rollen: Dies wurde nicht aus Not, sondern bewusst gewählt und schafft den eigentlichen Unterhaltungswert der turbulenten Kriminalkomödie „Die 39 Stufen“ im Rahmen der Bad Hersfelder Festspiele im Schloss Eichhof. Kurzweile ist hier garantiert.

Der Roman von John Buchan wurde 1935 von Alfred Hitchcock verfilmt. Dabei waren viele klassische Elemente seiner späteren Filme schon enthalten: Ein Normalo gerät plötzlich in ein Komplott um Agenten, Staatsgeheimnisse, schöne Frauen und Verfolgungsjagden. Auch ein MacGuffin fehlt nicht - ein Gegenstand oder ein Geheimnis (hier: eben die "39 Stufen"), das aber im Endeffekt gar nicht so zentral ist, sondern vor allem dazu dient, die Handlung voranzutreiben.

Im Verlaufe mehrere Bearbeitungen ist aus der zwar soliden, aber stark episodenhaften und etwas altmodischen Agententhriller-Handlung eine furiose Komödie entstanden, gespickt mit zahlreichen Gags, Hommagen an das Genre und Gesangsnummern, die im Schloss Eichhof von einem bestens aufgelegten Ensemble und mit aberwitzigen bis absurden Einfällen dargeboten wird.


Stefan Kaminsky spielt Richard Hannay, der in eine Spionage-Affäre gerät, solide in Sprache, Mimik und mit vollem körperlichem Einsatz. Sarah Elena Timpe ist in drei Rollen zu sehen: als geheimnisvolle Femme fatale, als unglückliche Ehefrau und als zufällige Begegnung, die sich in den Helden verliebt - alles etwas übertrieben gespielt, aber eben so, wie es das jeweilige Klischee verlangt.

Das Highlight der Inszenierung sind Markus Majowski und Martin Semmelrogge, die jeweils etwa 20 unterschiedliche Rollen spielen - teils in blitzschnellem Wechsel zwischen verschiedenen Rollen und untereinander, teils in aberwitzigen Figuren wie Männern unter Laternen (mit Laternen auf dem Kopf), einem Hahn oder einer blubbernden Stelle im Moor.


Die Kulissen sind eher minimalistisch, werden aber kreativ verwendet: eine Leiter wird auch mal zu einem Bett, einer Brücke oder einer Felsspalte, eine Haustür zum Esstisch. Das Publikum hat nicht nur reichlich zu lachen, sondern darf mit Geräuschdosen für die akustische Illusion einer Schafherde sorgen – und damit bei der einzigen Schwachstelle der Inszenierung, der nicht immer ganz sitzenden Geräuschkulisse, aushelfen.

Positiv zu vermerken ist, dass dieses Jahr wieder der ganze Eichhof mitsamt der oberen Stockwerke einbezogen wird – wozu spielt man schließlich in einer derartigen Kulisse?

 

Infos uns Aufführungstermine

Ticket-Service: 06621 / 640200 oder ticket-service@bad-hersfelder-festspiele.de

 

 

Text: Markus Weber

Fotos: Timo Schadt/ Markus Weber

 

Sa

24

Jun

2017

Martin Luther - Der Anschlag

"Wir leben in ungewöhnlichen Zeiten. Alles ist im Umbruch“, schallt es von der Bühne und meint zugleich die Zeit vor 500 Jahren wie die Gegenwart.
Man gebe einem großen Regisseur einen großen Etat, einen großen Spielort, ein großartiges Ensemble und ein großes Thema über eine große Zeit... Dr. Dieter Wedel, der Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, hat zum Lutherjahr einen bemerkenswerten Beitrag abgeliefert. Er hat auch dann, wenn infolge eines Streits nur einen Tag vor der Premiere ein wichtiger Schauspieler abhanden kam, ja vielleicht gerade deshalb einen Superlativ in die Stiftsruine gebracht. Auf einer sich vielfältig verändernden Bühne mit zwei übergroßen LED-Leinwänden lässt er nicht einen Luther, sondern eine Dreifaltigkeit auftreten: Maximilian Pulst als Luther, der Überhebliche, Janina Stopper als Luther, der Verzweifelte und Christian Nickel (Foto oben links) als Luther der Reformator und Luther der Wutbürger.


Er hat aufwändige Einspieler produziert, die mit der Bühnenhandlung kommunizieren. Sie transportieren historische Orte und Ereignisse in die Stiftsruine.
Dr. Wedel hatte angekündigt, was er letztlich liefert: Einen höchst kritischen Blick auf den Menschen Luther. Natürlich erhebt er dabei nicht den Anspruch auf absolut historische Genauigkeit. Ein selbst noch so begnadeter Regisseur, mit einem mächtigen Etat, kann dies nicht verwirklichen, zumal er, unweigerlich zeitlich begrenzt, ein breites Publikum unterhalten soll. Doch hat Wedel quasi alle Aspekte zumindest angerissen, welche die Figur Luther in ihrem Kontext zur Geschichte der letzten 500 Jahre erklärt. Und, in der Tat, er stellt den gerade heute oft verklärten Luther als Egozentriker dar. Luther war demnach machtgierig, korrupt und propagierte ohne Rücksicht auf seine Mitmenschen mit populistischen Methoden seine diffusen antijüdischen und frauenfeindlichen Ansichten. Gerade über die Einspieler auf den Leinwänden suggeriert der Intendant, welche negativen Wirkungen Luther bis in die Gegenwart entfaltet. Er zeigt dort und auf der Bühne, welche Mechanismen heute wie damals funktionieren: „Sie jubeln, auch wenn Du brennst“, spricht Traumbesetzung Robert Joseph Bartl (Foto oben rechts) als Kardinal Thomas Cajetan zum narzisstischen Luther. Und Claude-Oliver Rudolh, der den Dominikaner Johann Tetzel spielt, bringt sein ewig geltendes berühmtes Zitat zum Ablasshandel: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.“


Wedel blendet dabei nicht die positiven Einflüsse insbesondere auf die zu Luthers Zeit übermächtige römische Kirche aus. Luther war der Reformator und ein wesentlicher Veränderer der Welt. Auch wenn er sich nicht nur eigener Thesen bediente und auch weil er trotz seiner menschlichen Schwächen bis heute zur überhöhten Galionsfigur stilisiert wird. Selbst Luthers Verdauungsprobleme bleiben nicht unerwähnt.


Das, was das Publikum der Bad Hersfelder Festspiele mit Luther geboten bekommt, ist sicherlich kein leichter Tobak. Der Intendant biedert sich nicht dem Mainstream an, macht keine platte Unterhaltung, sondern fordert seine Zuschauer*innen heraus. Er hat das Privileg, dabei aus dem Vollen zu schöpfen, Geld in die Hand zu nehmen, bekannte Namen in kleinen Rollen zu besetzen, niemandem nach der Pfeife tanzen zu müssen und sein ganz persönliches Bild von Luther darstellen zu können. Den Stoff hat Wedel tief recherchiert, intensiv aufbereitet und provokativ umgesetzt.Trotz großem Aufwand bleibt es wenig effekthascherisch. Die teils neuzeitlichen Kostüme und Bühnenbilder, symbolisieren die Zeitlosigkeit und Gegenwärtigkeit des Themas.

 

Dass ihm im Vorfeld ein optisch und vielleicht sogar von den Wesenszügen her passender Darsteller abhanden kam, schmälert nicht im Geringsten das Ergebnis. Es wirkt so, als hätte der Vorfall das Ensemble geradezu angespornt, noch größeres Theater abzuliefern. Die Darsteller sind dabei außerordentlich engagiert und lassen die Zuschauer*innen nicht spüren, dass hinter der Bühne ein Drama abgegangen ist. Stand die Premiere wirklich auf der Kippe? „Manchmal ist Angst zu haben, auch ein guter Schutz“, sagte Hans Diehl als Generalvikar im Stück. Wie treffend.  

 

Text: Timo Schadt

Fotos: Timo Schadt und Markus Weber

Do

01

Jun

2017

Das tapfere Schneiderlein: Erste Probenbilder von den Festspielen 2017

Das tapfere Schneiderlein soll angeblich ein Bad Hersfelder sein. Sicher ist: Ab 13. Juni wird es als erstes Stück bei den diesjährigen Bad Hersfelder Festspielen zu sehen sein, und das in einem neuen Theaterzelt. Am Mittwoch, 31. Mai, bekam die Presse die Gelegenheit für erste Bilder des Ensembles und einen Einblick in die Proben.

 

Seit zwei Wochen laufen die Proben, weitere zwei Wochen werden sie noch dauern. Die Fotos zeigen die Schauspieler*innen in Probenkostümen, diese können eventuell noch etwas verändert werden.

 

 

Angeblich handele es sich um ein Bad Hersfelder Märchen, so Franziska Reichenbacher, die nach "Die goldene Gans" im letzten Jahr erneut ein Grimm-Märchen inszeniert hat. Wissenschaftlich belegen ließe sich dies aber nicht. Zumindest kannten die Grimms Bad Hersfeld und dort gab es damals eine große Weber- und Tuchmacherei-Szene. Aber Märchen hätten immer auch eine allgemeingültige Ebene und seien daher übertagbar, erklärte Reichenbacher.

Das ursprünglich ziemlich „rustikale“, vielleicht auch etwas brutale Märchen hat sie in ihrer Version verändert. Das Grimmsche Schneiderlein war ein echter Angeber und Aufschneider. Das wurde nun umgedreht. In der Hersfelder Inszenierung reagieren die Leute auf das Schneiderlein (Sasha Bornemann, im Vorjahr als Dummling in „Die goldene Gans“ zu sehen) anders, weil sie eine andere Vorstellung von ihm haben als früher. „Sieben auf einen Streich“ ist auch ganz beeindruckend, wenn man denkt, es handle sich um besiegte Soldaten anstatt, wie es tatsächlich ist, Fliegen. Und das Schneiderlein selbst erlebt eine Verwandlung dadurch, dass es anders gesehen wird. Es steigt sogar zum Ratgeber des jungen Königs (Yorik Tortochaux) auf. Man darf gespannt sein.
Aus den Riesen bei Grimm sind ein starker Mann (Roland Schregelmann) und zwei „Riesen“ im Kabinett des Königs geworden, die Finanzministerin Ursula von Laschet (Elisabeth Degen) und der General Knieper (Andrés Mendez). Außerdem werden Sarah Elena Timpe als Prinzessin, Neele Pettig (konnte bei diesem Termin nicht dabei sein) als Ellie, die Freundin des Schneiderleins, und Marcel Bartsch in gleich drei Nebenrollen zu sehen sein.

Aufgeführt wird das Stück im Theaterzelt auf der Wiese vor der Stiftsruine. Dieses ist größer als im vergangenen Jahr und hat sich vor allem innen verändert: Wie ein Zirkuszelt wirkt es, mit einer Tribüne für die Zuschauer. Im Bühnennereich ist neben einer Schneiderwerkstatt ein Bereich als Wald vorgesehen. Holzstreben des Zeltes werden dabei in der Phantasie der kleinen und großen Zuschauer zu Bäumen. Am schönsten sei das Theater, das in der Vorstellung wirke, meinte Reichenbacher. Für das Stück wurde auch eigene Musik komponiert.

„Das tapfere Schneiderlein“ ist für Kinder ab 5 Jahren geeignet. Es wird vor und auch während der Schulferien aufgeführt, vom 13. Juni bis zum 8. Juli. Der Eintritt beträgt 10 Euro, Tickets gibt es unter  06621 / 640200. Weitere Infos auf den Seiten der Bad Hersfelder Festspiele

 

Mehr über das Stück wird auch im nächsten printzip-Magazin zu finden sein. Es erscheint am 29. Juni.

Markus Weber

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Mo

29

Mai

2017

Ein Statement für die Pressefreiheit

FreeDeniz Fulda
Abend für die Pressefreiheit am 20. Mai 2017 im Museumscafé Fulda. Foto: Christian Reinhardt

Pressefreiheit bedeutet Meinungsfreiheit und geht deshalb alle an. Das machte Marianne Blum am „Abend für die Pressefreiheit“ klar. Infolge der Inhaftierung des Journalisten Deniz Yücel in der Türkei gab es in den letzten Wochen in mehreren deutschen Städten Kundgebungen und Solidaritätsveranstaltungen. Auch in Fulda fand am 20. Mai eine Veranstaltung unter dem Titel „Free Press – Free Laugh – Free Deniz“ im Museumscafé statt. Organisiert wurde sie von der Künstlerin und Entertainerin Marianne Blum und dem Fuldaer Schriftsteller Guido Rohm.


Vertreter*innen lokaler Medien, Politiker*in-nen von Linke bis FDP und Fuldaer Kultur-schaffende trugen Texte inhaftierter und verfolgter Journalist*innen und Schriftstel-ler*innen vor. Auch einer der prominentesten Gegner kritischer Presse, US-Präsident Donald Trump kam zu Wort, indem eine selbstentlarvende Zusammenstellung seiner Beiträge beim Kurznachrichtendienst Twitter  vorgetragen wurde .
AfD und Republikaner hatten die Veranstal-ter*innen nicht eingeladen. In Anbetracht solcher Vorfälle, wie als die AfD Anfang Mai zu ihrer Auftaktveranstaltung für den Bundestagswahlkampf in Großenlüder Ver-treter*innen von Fuldaer Zeitung, HR und Osthessen-News nicht hereinließen, da sie zu kritisch bericht hatten, eine durchaus nachvollziehbare Haltung.


Auch gab es Informationen über die aktuelle Lage der Pressefreiheit – und diese verschlechtert sich. „Medienfeindliche Rhetorik führender Politiker, restriktive Gesetze und politische Einflussnahme in Demokratien haben zu einer Verschlechterung der Lage für Journalisten und Medien weltweit beigetragen“, stellt die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ in ihrer Ende April veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit 2017 fest. In 60 Prozent der 180 untersuchten Länder hat sich die Situation verschlechtert. 359 Journalist*innen und Bürgerjournalist*innen sind derzeit in Haft, in einigen Ländern ist eine Berufsausübung lebensgefährlich. Gefährdet ist Presse- und Meinungsfreiheit aber auch durch Einschränkungen, die vorgeblich im Namen der Sicherheit erfolgen, durch immer mehr Monopolisierung in den Medien oder durch Selbstzensur und vorauseilendem Gehorsam.


Welchen Einfluss hat aber angesichts solcher weltweiten Probleme eine Veranstaltung im kleinen Fulda? Es gehe vor allem darum, einzelnen Mut zu machen, erklärte der Schirmherr der Veranstaltung, MdB Michael Brand (CDU). Als Mitglied des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe des Bundestages, dessen Vorsitzender er bis Januar 2017 war, setzt er sich für Parlamentspatenschaften für verfolgte Parlamentarier*innen, Menschen-rechtsaktivist*innen und Journalist*innen ein und engagiert sich für die Freilassung Deniz Yücels. Er hatte an dem Abend auch eine ganz besondere Botschaft dabei, eine, die ihm Deniz Yücel durch seine Anwälte hatte zukommen lassen: "Liebe Fuldaer und Fuldaerinnen, sagt man das so, Fuldaer? Wenn das falsch ist, bitte ich um Nachsicht. Ich danke den Organisatoren dieser Lesung und ich danke Ihnen allen, dass Sie zu dieser Veranstaltung gekommen sind. (…). Ich grüße Sie alle, auch im Namen meiner verhafteten türkischen Kolleginnen und Kollegen. Es tut gut zu wissen, dass ich, dass wir, nicht alleine und von der Welt vergessen sind.“ Eine Veranstaltung wie die in Fulda gebe die Kraft, weiterzumachen, durchzuhalten, so Brand.


Engagierte, kritische Menschen, die für die Meinungsfreiheit eintreten, zu stärken: dies wird angesichts der derzeitigen politischen Entwicklungen leider weiterhin eine schwierige Aufgabe bleiben.

Markus Weber

erschienen im printzip, Ausgabe Juni 2017

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Fr

28

Apr

2017

„Sparen, sparen, sparen zu Lasten der Patienten“

Interview mit Rolf Müller (DGB) über den Pflegenotstand in Krankenhäusern

Überlastetes Pflegepersonal, Ärzt*innen mit wenig Zeit, kaum Eingehen auf die Krankheit und individuelle Bedürfnisse – viele Patient*innen in Krankenhäusern beklagen sich über diese und ähnliche Missstände. Laut dem Statistischen Bundesamt ist trotz steigender Fallzahlen in den letzten 25 Jahren die Zahl der Betten in deutschen Krankenhäusern gesunken, die durchschnittliche Verweildauer von Patient*innen hat sich fast halbiert. Wird in den Kliniken zu viel oder an den falschen Stellen gespart? Welche Folgen oder gar Gefahren kann dies für Patient*innen darstellen? printzip-Redakteur Markus Weber hat mit Rolf Müller vom Deutschen Gewerkschaftsbund gesprochen. Er war Pfleger im Klinikum Fulda sowie Mitglied des Personalrats und des Aufsichtsrats und kann somit Einblick in Abläufe auf der Station als auch in Ursachen und Hintergründe liefern.

printzip: Wie ist die Lage in deutschen Krankenhäusern? Gibt es einen Pflegenotstand? Wenn ja, worauf ist er zurückzuführen?

Rolf Müller: Deutsche Krankenhäuser sind generell unterfinanziert. Das hat verschiedene Gründe, ist aber auch politisch teilweise so gewollt. 2003 wurde das sogenannte Diagnosis Related Groups-System (deutsch: diagnosebezogene Fallgruppen, Abkürzung DRG, Anmerkung der Redaktion) eingeführt. Das heißt: Krankenhäuser bekommen nicht mehr anhand der Belegungstage ihre Vergütung für die geleistete Arbeit, sondern einen Festbetrag pro Fall. Dieses System ist darauf ausgerichtet, immer günstiger zu werden. Es wird häufig Druck ausgeübt auf einzelne Klinik-leitungen, wirtschaftlich belastbare Zahlen zu liefern.

printzip: Die Einsparungen sind beabsichtigt?
Rolf Müller: Die Politik geht davon aus, dass es zu viele Krankenhausbetten gibt. Insofern ist der ganze Wettbewerb darauf ausgelegt, dass Krankenhäuser, die sich nicht gut genug organisieren, die Pforten schließen. Die Behandlung war früher ausschließlich daran orientiert, was die jeweiligen Chefärzte vorgegeben haben und in der Regel am Patientenwohl orientiert. Mittlerweile hat sich das leider leicht geändert.

printzip: Welche Folgen kann diese Umstellung für Patienten haben?
Rolf Müller: Es kommt zum Beispiel häufiger zu sogenannten „blutigen Entlassungen“. Patienten werden sehr bald nach einer OP oder nach einer Behandlung wieder entlassen. Früher war es so, dass man den Patienten auch einmal übers Wochenende behalten hat. Das tat dem Patienten gut und das Krankenhaus bekam die Tage bezahlt. Mittlerweile ist es so, dass das Krankenhaus dann ein Minus macht. Es gibt Krankenhäuser, wie das Klinikum Fulda, die sogar eine sogenannte DRG-Ampel betreiben. Die jungen Ärzte sehen dann quasi am virtuellen Grün, Gelb und Rot, dass sie einen Patienten entlassen müssen. Das führt dazu, dass Patienten dann auch entlassen werden oder zumindest in eine Anschlussheilbehandlung verlegt, aber möglicherweise die Behandlung tatsächlich noch nicht abgeschlossen ist. Dagegen sollen keine Patienten mehr während der Behandlung verlegt werden, selbst wenn dies medizinisch sinnvoll wäre, zum Beispiel wenn keine Intensivbetten mehr frei sind, denn das würde den Gewinn schmälern.

printzip: Also ist die Behandlung der Patienten insgesamt schlechter geworden?
Rolf Müller: Aus meiner Sicht und der vieler Kollegen hat sich die Krankenhausbehandlung nach Einführung der DRGs nicht verbessert. Sie geht jetzt beschleunigter, organisierter, aber teilweise auch nicht mehr auf individuelle Bedürfnisse von Patienten eingehend voran. Wenn das Krankenhaus Gewinne machen soll, muss die Behandlung schnell gehen. Es müssen lukurative Fälle und viele Privatpatienten behandelt werden. Vor allem alte und chronisch Kranken sind die Verlierer dieses Systems. Es ist keine Zeit für Gespräche oder lange Erklärungen, weil alles wirtschaftlich durchorganisiert ist.

printzip: Wird am Personal gespart?
Rolf Müller: Weil Krankenhäuser unterfinanziert sind, nehmen sie einen Teil des Geldes, das eigentlich für Pflegepersonal da ist und nutzen es, um Investitionen zu tätigen. Betriebsmittel, laufende Kosten, Gehälter laufen über die DRGs. Gebäude und die Anschaffung von Großgeräten sollen eigentlich über die Länderhaushalte finanziert werden. Das Problem ist, das System funktioniert nicht mehr. Die Länder haben kein Geld. Mittlerweile wurde in Hessen umgestellt auf eine pauschale Finanzierung. Die Krankenhäuser werden nicht mehr nach Bedarf gefördert, sondern bekommen Geld entsprechend eines bestimmten Schlüssels, anhand der Anzahl der Betten oder des Versorgungsgrades. Das Klinikum Fulda hat als Maximalversorger einen hohen Schlüssel, aber die Mittel sind pauschal. Wenn wir wie jetzt Krankenhausbau stemmen müssen, um wieder eine vernünftige Operationsabteilung zu haben, dann wird entsprechend gespart, zum Beispiel am Pflegepersonal. Und das merkt der Patient natürlich.

printzip: Gibt es Vorschriften zur Anzahl der Patienten pro Krankenpfleger?
Rolf Müller: Es ist ein ordnungspolitisches Versäumnis, dass es im Krankenhaus keine gesetzliche Vorschrift wie etwa in Seniorenheimen gibt. Wie viel Pflegepersonal ein Träger einsetzt, ist am Ende der Krankenhausverwaltung überlassen. Das Grundprinzip dort ist sparen, sparen, sparen zu Lasten der Patienten. Es gibt klare Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Mortalität in Krankenhäusern beim Einsatz von zu wenig, zu jungem oder zu schlecht ausgebildetem Pflegepersonal belegen.

printzip: Also ist das alles sogar gefährlich für die Patienten?
Rolf Müller: Durch die hohe Belastungssituation in Krankenhäusern kommen viele Kollegen wirklich an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Wenn sie wie im Klinikum Fulda als einzelne Gesundheits- und Krankenpflegerin Nachtdienst auf einer Station mit 42 Patienten machen, sind sie sofort an ihren Grenzen. Da können sie eigentlich in der Nacht noch nicht mal sicherstellen, dass niemand stirbt. Es gibt eine ständige Gefährdung der Gesundheit der Patienten und der Beschäftigten durch die Unterbesetzung. Diese Unterbesetzung ist gezielt und sie ist gewollt und das ist der eigentliche Skandal.
printzip: Wie sieht diese Unterbesetzung genau aus, etwa in Fulda?

Rolf Müller: Es gibt einen Besetzungsschlüssel. Der wird in vielen Fällen leider auch nicht eingehalten, weil er nicht mit einkalkuliert, dass Beschäftigte auch einmal krank sind. In der Regel bedeutet das für das Klinikum Fulda auf einer durchschnittlichen 38- oder 40-Betten-Station circa 17 Pflegepersonen. Damit muss die Stationsleitung 365 Tage im Jahr drei Schichten abdecken. Die Regel soll sein: drei Pflegepersonen in der Frühschicht, zwei in der Spätschicht und ein oder zwei in der Nachtschicht.
printzip: Und was wäre Ihrer Meinung nach ein angemessenes Verhältnis von Pflegepersonal zu Patienten?

Rolf Müller: Auf einer Normalstation würde ich sagen eins zu sechs. Dann würde man halbwegs vernünftige, wirklich qualifizierte Krankenpflege leisten können. Man könnte jedoch einfach auch die von Experten der Bundesregierung ursprünglich geschaffene Pflegepersonalregelung wieder in Kraft setzen.
printzip: Was sagen Sie zum Auslagern von Tätigkeiten des Krankenhauses an externes Personal?

Rolf Müller: Es gibt da ganz bedrohliche Bestrebungen. Eine ganze Reihe von Tätigkeiten, die früher von Beschäftigten des Klinikums Fulda unter Tarifvertragsbindungen gemacht wurden, wurden beendet. Das Grundprinzip ist, Kosten zu senken. Dabei wird wenig auf die Qualität und auf gute Arbeit geachtet. Wir wollen ja auch, dass die Beschäftigten, die etwa von Reinigungs- und Hilfstätigkeiten leben, vernünftig bezahlt werden. Und das passiert eben nicht.

printzip: Hat das Outsourcing auch Konsequenzen für die Patienten?
Rolf Müller: Wir hatten im Klinikum Fulda zum Beispiel eine eigene Wäscherei, die zu wirtschaftlichen Bedingungen gearbeitet hat. Sie ist mittlerweile geschlossen und das Waschen der Wäsche ist outgesourct an einen externen Wäschereidienst. Die Folge ist, dass jetzt das Bestreben vorherrscht, weniger Wäsche zu haben. Früher wurde jeden Tag mindestens das Stecklaken gewechselt, auf dem der Genitalbereich des Patienten liegt. Seit es keine Stecklaken gibt, müsste eigentlich bei jedem Patienten täglich der Spannbettbezug gewechselt werden. Das passiert aber aus Personalknappheit nicht. Es gibt Patienten, die liegen während eines vier- oder fünftägigen Aufenthalts die ganze Zeit in derselben Wäsche. Dafür kommen beim Privatpatienten jeden Tag Reinigungskräfte und beziehen das Bett frisch und die Privatpatienten haben auch besondere Kissen.

printzip: Also gibt es in der Behandlung von Privat- und Kassenpatienten einen Unterschied?
Rolf Müller: Ich kann klar sagen, dass es zurzeit noch keinen Unterschied in der Pflege gibt. Natürlich ist es so, dass Privatpatienten einen bestimmten Unterbringungsstandard haben. Sie liegen im Einzel- oder Doppelzimmer und nicht im normalen Dreibettzimmer. Es wird zentral entschieden, welches Bett mit welchem Patienten belegt wird. Das hat zur Konsequenz, dass Einzel- und Doppelzimmer für kommende elektive Privatpatienten freigehalten werden - wobei es möglicherweise Kassenpatienten gibt, die eigentlich unbedingt ein Einzelzimmer bräuchten, wegen ihrer Keimbesiedelung oder aufgrund ihres Zustandes. Es kommt auch immer wieder zu sogenannten Außen-
liegern, die nicht auf der jeweiligen Station liegen. Diese sind gefährdeter.

printzip: Was könnte dagegen unternommen werden?
Rolf Müller: Man müsste eine bestimmte Reserve bilden. Aber das System sagt: Ich muss, wenn möglich, 100 Prozent Belegung erreichen - eigentlich immer. Was die Krankenhausleitung sogar gezielt vermeidet, ist eine Bettensperrung. Wenn zum Beispiel ein Patient mit einer ansteckenden Erkrankung in einem Zimmer gelegen hat, muss es erst mal grundgereinigt werden. Das dauert seine Zeit, da kann man nicht sofort wieder neu belegen.


printzip: Und was ist die Folge, wenn solch eine Bettensperrung gezielt vermieden wird?
Rolf Müller: Es muss dann eben schneller gehen. Wir hatten im Klinikum eine Bettenzentrale, die wurde geschlossen. Danach wurden die Betten in kleinen Räumen auf den Stationen von Mitarbeitern der KFD aufbereitet, der tarifvertragslosen Servicetochter des Klinikums Fulda. Das ist natürlich extrem schwierig. Sie müssen die Matratze runternehmen, das Bett richtig an allen Stellen abwischen, sie machen das alleine. Nach zwei Jahren musste es dann wegen Auflagen des Gesundheitsamtes wieder zentralisiert werden. Früher wurden auch die Matratzen regelmäßig dampfsterilisiert. Das passiert jetzt gar nicht mehr. Die Matratzen sind in waschbaren Überzügen versehen. Die werden abgewaschen, das war‘s.

printzip: Das Klinikum Fulda  wurde 2004 von einem städtischen Eigenbetrieb in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft umgewandelt. Was waren die Gründe und die Folgen?
Rolf Müller: Ursprünglich wollte man eine private Aktiengesellschaft als Rechtsform, weil man sagte, da gingen die Entscheidungsprozesse schneller, man müsse keine der kommunalen Entscheidungsgremien mehr abwarten, sondern könne das quasi betriebsintern regeln. Dem würde ich bis zu einem bestimmten Grad sogar zustimmen. Was ich bemängele an diesem System: Es gibt keine Nachhaltigkeit mehr in der Vorstandsarbeit. Und faktisch sind wir jetzt weniger am Patientenwohl orientiert. Es wird immer damit argumentiert, das Patientenwohl müsse über allem stehen. Tut es aber nicht. Was über allem steht, ist das Geld. Es sollen ganz viele Patienten behandelt werden und die Abrechnungen möglichst schnell passieren. Die Vorstände und viele Chefärzte haben mittlerweile Verträge, die auch Zielvorgaben beinhalten, sie werden also auch am Erfolg gemessen. Und der Erfolg eines Unternehmens, auch eines Krankenhauses, bemisst sich scheinbar nur noch an der Rentabilität.

printzip: Wäre eine Rückführung in einen städtischen Eigenbetrieb eine sinnvolle Maßnahme?
Rolf Müller: Ich habe gar kein Problem damit, dass das Klinikum Fulda eine Aktiengesellschaft ist. Es muss aber klar sein: wir sind ein kommunales Klinikum, wir haben eine kommunale Aufgabe und wir haben keine Aktionäre, keinen Shareholder-Value zu befriedigen. Ein Krankenhaus ist nicht dazu da, Profite zu machen. Wenn ein Krankenhaus Profite macht, liegt das auch daran, dass Patienten falsch behandelt werden.

printzip: Dennoch ist auch eine vollständige Privatisierung des Klinikums Fulda möglich.
Rolf Müller: Politisch wird das im Moment glücklicherweise völlig ausgeschlossen. Das Klinikum ist ein kommunaler Betrieb zu 100 Prozent und soll es auch bleiben. Durchaus gab es in den letzten Jahren aber Ansätze, wo uns der Vorstand mit Billigung des damaligen Oberbürgermeisters damit gedroht hat, große Teile der Beschäftigten in
tarifvertragslose Töchter auszugliedern, zum Beispiel die Radiologie, das Labor, die Technik und die Küche. Das halte ich für unsozial und kontraproduktiv, weil es die Beschäftigten dauerhaft unter Ängste setzt.

printzip: Gibt es Unterschiede zwischen privaten Krankenhäusern und solchen im öffentlichen Eigentum?
Rolf Müller: Ich habe als Rettungsassistent eine ganze Reihe von Krankenhäusern über Jahre angefahren - und kann sagen, dass man in vollständig privatisierten Krankenhäusern in der Regel zum Beispiel keine vernünftige Notaufnahme hat. Notfallpatienten kosten Geld und damit befassen sich private Krankenhäuser ungerne. Und sie versuchen häufiger Patienten nicht aufzunehmen, die chronisch krank oder älter sind. Was sie betreiben, ist eine „Rosinenpickerei“, indem sie sich auf Geschäftszweige, aus denen eine hohe Rendite rauszuholen ist, spezialisieren.

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Do

02

Feb

2017

Was für ein Käse

Käse ist sehr vielfältig, und so ist auch sein Ruf. Eine pauschale Bewertung, wie gesund Käse ist, gibt es nicht. Die körperlichen und gesundheitlichen Voraussetzungen spielen bei diesem Lebensmittel eine große Rolle.

Gefahren durch Rohmilch?
Ob von Kuh, Schaf oder Ziege: Ausgangspunkt für die Käseherstellung ist Milch. Je nach Sorte wird Rohmilch oder pasteurisierte Milch verwendet. Beim Pasteurisieren wird sie kurz auf mindestens 75 Grad erhitzt, wodurch die Keimzahl reduziert und die Haltbarkeit erhöht wird. Können Rohmilch und Rohmilchkäse gesundheitliche Gefahren bergen? In der Tat ist es möglich, dass Rohmilch durch die fehlende Pasteurisierung mit Bakterien, den Listerien, befallen sein kann. Eine sorgfältige Beachtung der Hygiene bei Herstellung und Lagerung kann dies aber verhindern. Schwangeren, Kleinkindern, Alten und Menschen mit schwachen Abwehrkräften wird empfohlen, Rohmilchprodukte zu vermeiden, da Listerien, falls doch vorhanden, für sie gefährlich werden könnten.

Weitere Inhaltsstoffe und deren Auswirkungen
Damit die Milch dick und zu Käse wird, werden ihr entweder Milchsäurebakterien oder das Enzymgemisch Lab zugesetzt. Lab kann tierisch sein und aus der Magenschleimhaut von Kälbern stammen. Es gibt aber auch mikrobielle Labaustauschstoffe. Jedoch sind diese bei etwa einem Viertel der weltweit produzierten Käsesorten durch gentechnisch veränderte Bakterien, Hefen oder Schimmelpilze hergestellt. Laut EU-Lebensmittel-Informationsverordnung darf bei Käse die Zutatenliste fehlen, wenn nur die genannten Zutaten plus Salz verwendet wurden. Ist er darüber hinaus mit dem Anti-Pilz-Mittel Natamycin (auch als E 235 oder Konservierungsstoff deklariert) behandelt, sollte die Rinde großzügig abgeschnitten werden. Andere Zusatzstoffe sind für die meisten Menschen unbedenklich. Raucher*innen sollten aber darauf achten, nicht zu hohe Dosen Beta-Carotin (E 160a) und Annatto (E 160b) zu sich zu nehmen, da diese das Lungenkrebsrisiko erhöhen könnten. Da Käse natriumreich ist, sollte er bei Bluthochdruck eher wenig verzerrt werden.

Viel Eiweiß, aber manchmal auch viel Fett
Käse enthält viel Eiweiß und kaum Kohlenhydrate; viele Sorten so gut wie keine. Allerdings kann er auch viel Fett enthalten und sollte dann nicht zu oft gegessen werden. Anhand des Fettgehalts der Trockenmasse („Fett i.Tr.“) gibt es Sortenbezeichnungen: Mager- (weniger als 10 % Fett i. Tr.), Viertelfett- (mindestens 10 %), Halbfett- (20 %), Dreiviertelfett- (30%), Fett- (40 %), Vollfett- (45 %), Rahmfett- (50 %) und Doppelrahmstufe (60 %). Was genau jede Stufe zu bedeuten hat, dürfte wenigen klar sein - daher ist es sinnvoll, im Zweifel nach der Angabe des Fettgehalts zu schauen.
Käseersatz: Mogelpackung oder vegetarische Alternative?
„Analog-Käse“ ist nicht oder nur teilweise aus Milch hergestellt und beinhaltet als Ersatz tierische oder pflanzliche Fette, Aromen und Zusatzstoffe. „Käse“ als Bezeichnung, auch als Namensbestandteil, ist hierbei jedoch verboten. Aus gesundheitlicher Sicht ist zu sagen, dass das in ihm enthaltene pflanzliches Öl oft mehr ungesunde gesättigte Fettsäuren enthält und Kalzium fehlt. Jedoch ist mancher Käseersatz durchaus eine Variante für Veganer*innen und kann einen Eiweißlieferanten darstellen. So gibt es veganen Käse aus Kokosöl und Kartoffelstärke oder - gesünder - aus Nüssen, Soja oder Hefeflocken.

Allergien gegen Laktose und Milcheiweiß
Bei einer Laktoseintoleranz kann Milchzucker aufgrund eines Enzymmangels nicht verdaut werden. Die Anteile der Betroffenen variieren je nach ethnischer Herkunft sehr stark. Während Menschen mit afrikanischen und asiatischen Wurzeln zu über 90 Prozent betroffen sind, belaufen sich die Schätzungen für Menschen nord- und westeuropäischer Abstammung auf 5 bis 15 Prozent. Die Lebensmittelindustrie habe es aber geschafft, laktosefreies Essen zu einem modernen Lifestyleprodukt zu machen, so Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Laktosefreie Lebensmittel seien oft teuer und in vielen Fällen überflüssig. Während laktosefreie Milch eine gute Alternative bei Intoleranz ist, sind viele andere Lebensmittel, wie extra als laktosefrei verkaufte Schnitt- und Hartkäse, Brot oder Putenaufschnitt unnötig, da in ihnen von Natur aus gar kein oder sehr wenig Milchzucker enthalten ist. Frisch- und Weichkäse enthalten dagegen mehr Laktose.
Daneben gibt es auch Allergien gegen Milcheiweiße. Das kann eine Allergie gegen Molkeneiweiß sein, das nur in Kuhmilch enthalten ist. Auch möglich ist eine Allergie gegen Casein, das nicht tierartspezifisch ist. In dem Fall müssen alle Milcharten vermieden werden. Das gesamte Milcheiweiß ist laut Institut für Ernährungsinformation (www.ernaehrung.de) in Trinkmilch, Buttermilch, Sauermilch, Joghurt und Kefir enthalten, wohingegen Quark oder Käse fast nur Casein enthalten.                             

 

Text und Foto: Markus Weber

erschienen im printzip, Ausgabe 2/2017

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Fr

06

Jan

2017

Neues Eisenbahnunternehmen Locomore gestartet: Die etwas andere Bahn

Auf dem Boden eines Abteils spielen Kinder mit einer Holzeisenbahn. In speziellen Themen-Abteils - wie diesem - können Näh- und Häkel-Begeisterte, Brett- oder Kartenspieler*innen oder vernetzungswillige Start-Up-Unternehmer*innen zueinanderfinden. Das neue Eisenbahnunternehmen Locomore bietet Zugfahrten der etwas anderen Art. printzip-Redakteur Markus Weber war bei der Premierenfahrt am 14. Dezember 2016 dabei.

Locomore Fulda
Der Locomore-Zug fährt in Fulda ein

Einmal täglich verkehrt seitdem der Locomore-Zug zwischen Stuttgart und Berlin-Lichtenberg, mit Halt unter anderem in Frankfurt/Süd, Hanau, Fulda und Kassel-Wilhelmshöhe. Tickets sind unter www.locomore.com
zu erwerben. Die Fahrpreise sind variabel, sie richten sich nach der Nachfrage. So sind Karten von Fulda nach Berlin an manchen Tagen schon für 15 Euro erhältlich, an anderen für 45 Euro. Der maximale Preis von Stuttgart nach Berlin beträgt 65 Euro. Die Kosten liegen immer unter dem Bahncard-50-Preis der Deutschen Bahn, erklärt Dirk Ladewig, Gründer von Locomore. Bei der Buchung wird automatisch ein Sitzplatz reserviert. Es können auch Spontanfahrer*innen einsteigen und an Bord bezahlen, Stehplätze gibt es zur Not auch, falls alles besetzt ist.


Die Fahrt ist ein bisschen wie eine Zeitreise: Die Züge sind umgebaute ICs aus den 70er Jahren. Neben den Themen-Abteilen, in denen Reisende Gleichgesinnte treffen können, gibt es auch Einzel-, Ruhe- und Business-Abteile. Alle sind ähnlich ausgestattet: Sechs Plätze mit gepolsterten Sesseln, die sich auch als Liegen ausklappen lassen. Die Business-Abteile bieten noch mehr Platz: Hier werden nur drei Plätze besetzt, außerdem gibt es ab 60 Minuten Fahrt ein Getränke, einen Snack gratis und ohnehin Zeitungen – dafür kostet die Fahrt mehr. Auch Großraumabteile sind vorhanden, hier sind die Sitze mit beigem Leder bezogen. Das WLAN ist kostenlos und funktionierte bei der Probefahrt ohne Probleme. Auch die Deutsche Bahn bietet ab 1. Januar 2017 kostenloses WLAN in allen ICEs. Speisen und Getränke werden am Platz aus einem Rollwagen serviert. „Service und Ticketkontrolle finden parallel statt. Es soll einen klaren Focus auf den Service geben, dass nicht ‚Fahrkarten bitte‘ im Vordergrund steht, sondern ‚Was kann ich Ihnen anbieten?‘“ erläutert Kathrin Seiler, Geschäftsführerin von Locomore gegenüber dem printzip.

Das Verpflegungsangebot ist recht vielfältig, zum großen Teil ökologisch, es gibt auch vegetarische, vegane und glutenfreie Speisen. Der fair gehandelte Gepa-Filterkaffee kostet für 0,2 Liter 1,80 Euro. Es gibt aber kein Bordbistro, was einige Passagiere vermissen mögen.

 

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Fr

16

Dez

2016

Investieren in Nachhaltigkeit

Was kann ich tun, wenn ich nicht möchte, dass mit meinem Geld Kinderarbeit, Waffenproduktion oder Kohle- und Atomkraft finanziert werden? Kann mein Geld auch etwas Gutes tun? Und muss ich dafür auf Rendite verzichten? Es ist durchaus möglich: Mit Geldanlagen lässt sich nicht nur Rendite erzielen, sondern auch Positives bewirken. Und genauso muss umgekehrt mit ethischen Kriterien nicht zwingend auf Rendite verzichtet werden.

Ob Girokonto, Tagesgeld oder Sparbuch: Zu jedem konventionellen Sparprodukt gibt es eine ethisch-ökologisch Variante. Genauso sind ethisch und ökologisch korrekte Fonds und unternehmerische Beteiligungen möglich. Jedoch kann die Marktlage auf den ersten Blick etwas unübersichtlich erscheinen, da bei der Geldanlage Begriffe wie „nachhaltig“ oder „klimafreundlich“ nicht geschützt sind und es keine Mindeststandards gibt.

Berhard Engl vom Forum nachhaltige Geldanlagen
Berhard Engl vom Forum nachhaltige Geldanlagen

Nachhaltigkeit -

ein Begriff, viele Bedeutungen

Was bedeutet Nachhaltigkeit? Nachhaltigkeit besteht aus drei Komponenten: ökologische und soziale Nachhaltigkeit; dazu kommt die ökonomische Nachhaltigkeit. Es muss sicher sein, dass beispielsweise das Unternehmen, in das investiert wird, nicht morgen bereits Pleite geht. Auch eine verantwortliche Unternehmensführung und Transparenz sollten zu diesem Punkt zählen. Nachhaltige Geldanlagen sind als Produkte zu verstehen, die in ihrem Anlageprozess und in ihrer Finanzanalyse ethische, ökologische und soziale Aspekte mit einbeziehen und eine Anlagestrategie mit klaren Grundsätzen formulieren.
Die meisten Menschen haben aber verschiedene persönliche Vorstellungen und Schwerpunktsetzungen zur Nachhaltigkeit - auch, wenn sie in diese investieren wollen. „Man muss sich vorher genau im Klaren sein, was man will“, erklärte Bernhard Engl, Mitglied im Vorstand des Forums nachhaltige Geldanlagen, während einer Veranstaltung im Rahmen der Fuldaer Energiesparwochen im Umweltzentrum Fulda Mitte November. Seine Organisation versteht sich als Netzwerker der nachhaltigen Finanzbranche. Laut Engl sollten Anleger*innen wissen, welche Bereiche sie ausschließen und welche sie besonders fördern wollen. Manch eine interessierte Person möchte vielleicht ihr Geld nicht in Glücksspiel oder Pornographie anlegen, während eine andere stärker in bestimmte Themenfelder wie Erneuerbare Energien oder fairen Handel investieren will.
Wie lässt sich messen, wie weit ethische und ökologische Kriterien bei der Geldanlage berücksichtigt werden? Ein Anbieter von Anlagen kann bestimmte Ausschlusskriterien aufstellen und auch gezielte (themenbasierte) Investitionen vornehmen. Außerdem lässt sich ein „Best-in-Class-Ansatz“ nutzen: Es wird in die Unternehmen investiert, die die höchsten Maßstäbe im Umweltschutz oder Sozialstandards in einer Branche haben. Schließlich kann der Finanzdienstleister durch eigenes Engagement versuchen, Verbesserungen in den Unternehmen, in die er investiert, durchzusetzen.

 

Nachhaltiges Girokonto

Wer können die Anbieter solcher Geldanlagen sein? Die Bankwechsel-Kampagne „Krötenwanderung“ von Attac hat verschiedene Banken unter die Lupe genommen. Kriterien waren dabei, ob sie beispielsweise an Nahrungsmittelspekulation beteiligt sind, in Rüstungs- und Atomindustrie investieren, in Schattenfinanzplätzen aktiv oder demokratisch und transparent sind. Am besten schneiden die vier Banken GLS Bank, EthikBank, Triodos Bank und Umweltbank ab. Außer der Umweltbank bieten sie alle auch Giro-Konten an. Eine Möglichkeit für christlich eingestellte Menschen sind auch Kirchenbanken. Sparkassen und Genossenschaftsbanken befinden sich im Mittelfeld. Sie unterscheiden sich aber lokal - hier lohnt sich also der genaue Blick hinter die Kulissen. Deutsche Bank oder Commerzbank erhalten dagegen eine negative Wertung. Neben ausführlichen Hintergrundinformationen liefert die Internetseite www.attac.de/kampagnen/bankwechsel praktische Tipps zum Bankwechsel.

 

Nachhaltige Fonds

Für wen lohnt es sich, sich über weitere Formen der Geldanlage über Girokonto, Tagesgeld oder Sparbuch hinaus Gedanken zu machen? Erst wenn die Liquidität gesichert, eine Altersvorsorge aufgebaut und alle Schulden abbezahlt sind, ist dies oft sinnvoll, rät Bernhard Engl. Die „klassischen“ Ziele der Geldanlage sind Sicherheit, Liquidität und Rendite. Auch wenn Ethik und Nachhaltigkeit dazu kommen, sollten diese drei Punkte gesichert sein.

 

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Do

08

Dez

2016

FREIraum mit Kleidertausch und Umsonst-Laden in Bad Hersfeld eröffnet

Mehr als hundert Menschen besuchten am 7. Dezember die Eröffnung des FREIraums in Bad Hersfeld. In der dortigen Badestube 20 kann fortan montags zwischen 16.30 und 18 Uhr, dienstags zwischen 10 und 12 Uhr und donnerstags zwischen 15 und 18 Uhr die Einrichtung genutzt werden. An diesen Tagen stehen der "Umsonst-Laden" und die "Klamottenkiste" allen Menschen zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung. Wer Alltagsgegenstände oder Kleidung über hat, kann diese vorbeibringen und Anderes mitnehmen. In der Nähkammer und im Reparaturraum können zusammen mit handwerklich versierten Menschen kleinere Reparaturen vorgenommen werden - wider der Wegwerfmentalität. Im Begnungsraum "Wohnzimmer" treffen sich Menschen, tauschen sich aus, lernen einader kennen, trinken einen Tee oder Kaffee.. Doch der FREIraum ist kein Dienstleistungsangebot, hier gibt es keine Hauptamtlichen. Er lebt vom Mitmachen, vom selber Einbringen vom ehrenamtlichen Engagement. Menschen können hier eigene Ideen mitbringen und gemeinsam mit anderen umsetzen.

                       

Fotos: Markus Weber

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Fr

02

Dez

2016

Das Welcome In Wohnzimmer: Endlich ein Zuhause gefunden

Eröffnung Welcome In Wohnzimmer Fulda
Eröffnung des Welcome In Wohnzimmers in Fulda. Foto: Timo Schadt

Enormer Zulauf –

Wohnzimmer erfüllt schon vor der Eröffnung wichtige Aufgaben

Seit dem 1. November ist es endlich soweit: Das „Wohnzimmer“ hat ein Zuhause gefunden. Im Rahmen einer feierlichen Pressekonferenz verkündete die ehrenamtliche Gruppe von „Welcome In“ Fulda die frohe Nachricht: Nach einem Jahr harter Planungsarbeit wurden erfolgreich Räume in der Robert Kircher Straße 25 in Fulda angemietet. Doch was passiert nun? Dieser Erfahrungsbericht des Projektkoordinators Jochen Schiersch gibt einen Eindruck davon, was die Ehrenamtlichen derzeit erleben, welche Herausforderungen ihnen bevorstehen und was all das mit dem großen Thema „Integration“ zu tun hat.

Noch sind sie fast leer, die knapp 140m² großen Räume unseres künftigen „Wohnzimmers“ in Fulda. Doch seit der Anmietung vor wenigen Wochen hat sich in unserer mittlerweile etwa 50-köpfigen Planungsgruppe schon viel Spannendes getan. Auf zwei intensiven Wochenendworkshops einigten wir uns nach langen Diskussionen in einem demokratischen Prozess auf einen Raumplan. Funktionalität, Gemütlichkeit und Finanzierbarkeit mussten miteinander in Einklang gebracht werden, und das über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg. Schließlich sind etwa die Hälfte unserer Aktivist*innen erst im Laufe der letzten Monate als Asylsuchende nach Fulda gekommen.
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Do

01

Dez

2016

Staatsminister Michael Roth zu Trump und europäischem Populismus

Michael Roth
Michael Roth. Foto: Michael Farkas

printzip Für die meisten aufgeklärten Menschen war der Wahlsieg Trumps ein großer Schock. Die Politik muss natürlich pragmatisch damit umgehen. Nun gibt es viele Stimmen, die als Rezept von „mehr Europa“ sprechen. Ist dies in Zeiten des auch in Europa gestärkten Rechtspopulismus, verbunden mit regelrecht ekelhaften Nationalismen, überhaupt möglich?
Michael Roth Die Europäische Union ist und bleibt unsere Lebensversicherung, gerade in Zeiten der Krise. Wir sind alle verdammt kleine Fische in einem ziemlich großen Teich. Das muss uns klar sein - wenn wir unsere Zukunft, die Globalisierung gestalten wollen, geht das nur gemeinsam im Team der Europäischen Union. Die beste Antwort auf den auch in Europa grassierenden nationalistischen Populismus ist es, die Lebensbedingungen der Europäerinnen und Europäer konkret zu verbessern. Wir müssen liefern.

printzip Trump hat ja nun bereits ein wenig Kreide gefressen. Als zukünftiger mächtigster Mann der Welt muss er scheinbar nicht mehr den Populisten geben. Welche Strategie ist Ihrer Meinung nach angesagt? Soll Europa ihm die Hand ausstrecken, ihm den Rücken zukehren und abwarten, was dann von hinten kommt oder basierend auf den Aussagen des Wahlkämpfers Trump ihm gegenüber angriffslustig sein?
Michael Roth Geschlossenheit und Selbstbewusstsein sind jetzt gefragt. Die transatlantischen Beziehungen beruhen in erster Linie auf gemeinsamen Werten, nicht auf Macht. Die Europäer müssen hier mit einer Stimme sprechen, wenn sie ihre wertebasierten Angebote unterbreiten. Es wird darum gehen, wie Verantwortlichkeiten gemeinsam getragen werden, sei es bei der Flüchtlingsfrage, der Lage im Nahen und Mittleren Osten oder in Afrika. Wir müssen aber auch die Vereinigten Staaten daran erinnern, dass wir sie als konstruktiven Partner zur Lösung internationaler Konflikte dringend brauchen.

printzip Vereinigte Staaten von Europa und der Aufbau einer europäischen Streitkraft werden nun mehr denn je diskutiert. Wird der Wahlausgang in den USA nicht möglicherweise sogar überbewertet und verlangt es seitens der Europäer gar nicht solch heftiger Reaktionen?
Michael Roth Für beides sehe ich derzeit keine realistische Chance auf Umsetzung. Und ich sehe die Fortführung der europäischen Integration auch nicht als Reaktion auf die US-Wahl. Es liegt vielmehr in unserem ureigenen Interesse, das größte europäische Friedensprojekt, die Europäische Union, nicht Nationalisten und Populisten zum Fraß vorzuwerfen, sondern – im Gegenteil – weiter voranzubringen. 

printzip Deutsche Außenpolitik ist – nicht erst seit kurzem – unter dem designierten Bundespräsidenten Steinmeier sehr moderat und selbst im Umgang mit der im undemokratischen Umbruch befindlichen Türkei alles andere als lautstark. Müssen sich die Bundesregierung und insbesondere das Außenministerium in einer sich immer aggressiver entwickelnden von Nationalismen geprägten Welt als Deutschland mehr behaupten?
Michael Roth Privat setzen wir uns gerne mit Freunden an einen Tisch. In der Diplomatie muss ich aber auch und vor allem mit Menschen das Gespräch suchen, deren Auffassung ich dezidiert nicht teile. Ganz besonders für die Außenpolitik gilt: Konflikte löst man mit Umsicht, Haltung und Beharrlichkeit und nicht mit Schnellschüssen und Geschrei. Unsere Stimme hat Gewicht, weil wir uns mit unseren Partnern abstimmen und überall, wo es nötig ist, nach vernünftigen Kompromissen suchen. Und wir binden auch kleinere Partner mit ein und marschieren nicht blindlings drauf los. Damit haben wir oft Erfolg, aber natürlich nicht immer.

printzip Rechtspopulismus ist bekanntlich kein US-amerikanisches Phänomen. Überall sind die Demagogen von rechts auf die Überholspur gewechselt. Der sogenannte „europäische Geist“ ist offenbar nicht im Stande, sich gegenüber dem in ganz Europa wachsenden Nationalismus durchzusetzen. Wie kann das Ruder herumgerissen werden? Wie ist der nicht erst durch den Brexit sichtbar gewordene Zerfall Europas aufzuhalten?
Michael Roth Die EU mag sich gewaltigen Aufgaben gegenübersehen und ich würde mir von einigen Mitgliedstaaten deutlich mehr Solidarität wünschen, aber ich sehe sie nicht im Zerfall begriffen. Die Lage ist jedoch ernst, keine Frage.  Allen muss wieder klar werden, dass wir nur im Teamspiel vorankommen werden. Und Europa muss wieder als Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems begriffen werden. Dazu müssen vor allem die Nationalstaaten ihre Hausaufgaben machen und mehr tun für Bildung und mehr gegen Arbeitslosigkeit. Immer nur nach Brüssel zu schielen und dort die Verantwortung auszumachen wird dabei ganz sicher nicht helfen. 

printzip Gerne wird von Rechtspopulisten mit der Verteidigung christlich abendländischer Werte gegenüber dem alles verdrängenden Islam, also scheinbar religiös argumentiert. Was entgegnen Sie als engagierter Christ und als Politiker?
Michael Roth Sich auf das Christentum zu beziehen und gleichzeitig Menschen in Not auszugrenzen und zurückzuweisen ist einfach absurd! Als Christ übe ich mich in Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Das gilt gegenüber Menschen in Not - ohne Ansehen von Religionszugehörigkeit oder Hautfarbe! Ein Blick ins Neue Testament sollte da helfen… 

printzip Die Bundestagswahl rückt näher. Auch in Deutschland sind anti-europäische Demagogen unüberhörbar und es droht der Einzug von Rechtspopulisten in den nächsten Deutschen Bundestag. Welchen Beitrag kann der in der Bundesregierung für Europa zuständige Staatsminister Michael Roth noch leisten, um dies zu verhindern?

Michael Roth Indem wir auch weiterhin für die aus unserer Sicht richtigen Weichenstellungen in Europa werben. Wir brauchen einen  Dreiklang aus sozial ausbalancierter Haushaltspolitik, aus Strukturreformen und aus öffentlichen und privaten Investitionen in Infrastruktur, Innovation und Bildung. Dies hat sich die Europäische Kommission auf Druck von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten auf die Fahnen geschrieben und das müssen wir konsequent fortsetzen. Wenn wir damit Erfolg haben, wird auch wieder mehr Vertrauen wachsen. Das ist kein einfacher Weg, aber einfache Antworten geben auch nur Populisten. Und es war noch nie eine gute Idee, denen zu trauen.

 

 

Interview: Timo Schadt

erschienen im printzip Ausgabe 12/2016

 

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Mi

30

Nov

2016

Unser Essen ist politisch

Zukunft gestalten: Mit Qualität und Vielfalt“ lautete der Titel des Symposiums der Interessengemeinschaft für gesunde Lebensmittel (IG FÜR!), das am 19. November im Morgensternhaus in Fulda stattfand.

IG FÜR gesunde Lebensmittel Sympsium Fulda
V.l.n.r.: Georg Sedlmaier, Susanne Kümmerle, Karin Artzt-Steinbrink, Tobias Bandel, Karin Frank, Thomas Gutberlet, Katharina Reuter, Stina Spiegelberg, Uwe Meier, Paul Werner Hildebrand­

Gefahren durch TTIP

„Essen ist politisch“, führte Katharina Reuter von UnternehmensGrün aus. Der Verband der grünen und nachhaltigen Wirtschaft beteiligt sich an der Initiative KMU (kleine und mittlere Unternehmen) gegen TTIP. Durch das geplante Freihandelsabkommen würden Gesundheits- und Umweltstandards oder geschützte Herkunftsbezeichnungen in Bedrängnis geraten. Kleine Höfe, regionale Handwerksbetriebe, Hersteller, die soziale Standards beachten, und nachhaltige Unternehmen wären genauso bedroht wie die Erneuerbare Energien und die öffentliche Daseinsfürsorge.

Aufklären statt missionieren

Bio muss nicht gleich teuer bedeuten: Bio-Lebensmittel sind oft sogar günstiger in der Erzeugung als konventionelle. Ein besserer Maßstab für Verbraucher*innen wäre der Preis pro Nährwert statt der Preis pro Gramm.
Es können aber durchaus Widersprüche existieren: ökologisch versus sozial oder vegan versus bio und frei von Zusatzstoffen - man denke an manche Fleischersatzprodukte. Stira Spiegelberg, die den Blog veganpassion.de betreibt, möchte Menschen nicht missionieren. Vielmehr will sie zum Nachdenken über den hohen Konsum tierischer Lebensmittel anregen und durch Hervorhebung des Genussaspekts positive Verknüpfungen zur veganen Ernährung herstellen, die sie mehr als Aufklärungsbewegung denn als Trend sieht.

Essen ist eine Systemfrage

„Unsere Essensentscheidungen sind von planetarer Bedeutung“, sagt Ursula Hudson von Slow Food. Die Bewegung mir über 100.000 Mitgliedern setzt sich in 50 Ländern für eine nachhaltige Esskultur ein. Sie emöchte das Wissen um Lebensmittel und kulinarische Kompetenz als „zentrale Alltagskompetenz“ den Menschen nahebringen. Neben Genuss sind für Slow Food die regionale Herkunft und kulturell-identitätsstiftende Faktoren der Lebensmittel zentral. Zu ihren Printzipien gehört die ressourcenschonende Erzeugung, handwerkliche Weiterbearbeitung, faire Bezahlung und Mitverantwortung für Produzenten. Daher seien Netzwerke zwischen Bauern und Konsumenten unterstützenswert. In Osthessen gibt es bereits so ein Netzwerk: Die Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft „Gelbe Rübe“ in der Langebrückenstraße 14 in Fulda.
„Unsere Welt sieht genauso aus, wie wir essen“, erklärt Ursula Hudson. Monokulturen, Sojaanbau für den hohen Fleischkonsum, Mais- und Rapsfelder, auch für Biogas-Anlagen. Die industrielle Nahrungsmittelerzeugung sei nicht mehr haltbar. „Essen ist für uns eine Systemfrage“.

 

Gute Beispiele: Es geht auch anders

Jedoch gibt es auch „Leuchtturmprojekte“: Tobias Bandel entwickelt bei Soil & More International Nachhaltigkeitsstrategien für die Landwirtschaft. Man müsse den „Goodprint“ maximieren, statt nur den Foodprint, den ökologischen Fußabdruck, zu reduzieren, so sein Ansatz. Uwe Meier hat ein Start-up für einen „Friedenskakao“ aus Kolumbien gegründet. Dieser soll die Biodiversität fördern, einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und Entwicklungschancen eröffnen. Die „Urwaldgärten“, in denen der Kakao für seine Schokolade nun wächst, blühen vor vielfältigen Tier- und Pflanzenarten.
Die Medizinerin Susanne Kümmerle zeigte, dass Abnehmen und Gewichtskontrolle möglich sind, indem man bewussten, gesunden Genuss erlernt. Karin Artzt-Steinbrink stellte die Upländer Bauernmolkerei vor, die die erste als „gentechnikfrei“ gekennzeichnete Milch auf den Markt brachte und 20 Jahre alt wird. Karin Frank, Permakultur-Designerin, präsentierte urbane Gemeischaftsgärten, die zur Ernährungssouveränität beitragen können - sie spricht von „essbaren Gärten“ und „Regalen im Beet“.

 


Text und Foto: Markus Weber

erschienen im printzip, Ausgabe 12/2016

 

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Mo

14

Nov

2016

WIZO-Konzert in Eschwege

Die Band WIZO (Interview im printzip: "Leute politisieren) war am 11. November im E-Werk in Eschwege zu Gast. Einige Fotos von diesem Abend:

Fotos: Markus Weber

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Do

10

Nov

2016

Interview mit der Band WIZO: Leute politisieren

Der WIZO
Foto: André Noll

printzip: Ihr habt im Sommer auf einigen Festivals gespielt. Nun geht ihr auf Tour durch die Clubs. Wo spielt ihr lieber?
Axel Kurth: Wir mögen es eigentlich nicht so gerne, auf Festivals zu spielen, weil dort der Kontakt zu den Leuten und der Energieaustausch nicht so gut funktionieren. Punk gehört für mich immer in eine dunkle Kiste mit einem Deckel drauf, wo es eng ist. Da gehören blaue Flecken und Pogo und Schweiß dazu. Wenn wir auf den Festivals mehr Zeit haben, versuchen wir auch, nicht alles mit Musik vollzustopfen, sondern uns Zeit zu lassen, für unsere Ansagen und auch mit den Leuten zu interagieren. Es ist nach wie vor das Allerschönste, das wir uns vorstellen können: Die Zeit, die wir auf der Bühne sind, mit Menschen vor uns, die Bock auf unsere Musik haben, mit uns die Leidenschaft teilen für den Punk-Rock, den wir seit 30 Jahren abfeiern. Es ist dann auch völlig wurscht, ob es 200 oder 2000 sind. Auf einem Festival kann ich vor 50.000 Leuten stehen und ich kriege kein richtiges Gefühl dafür.

printzip: Merkt ihr auf der Bühne, dass das Publikum in den Clubs extra für euch kommt im Gegensatz zum Festival-Laufpublikum?
Axel Kurth: Es macht einen Riesenunterschied für uns. Für uns ist eine Club-Tour das Geilste, was wir uns vorstellen können. Wir können uns Bestätigung holen und Bestätigung geben. Wir haben so viele Leute auf unseren Konzerten, die leben in irgendwelchen Dörfern. Die haben ihr Weltbild und zweifeln an sich selbst, weil um sie herum nur grausame AfD-Vollpfosten rumhängen. Für die ist es total geil, wenn sie auf unser Konzert kommen und sehen, dass es noch andere Menschen gibt, die genauso ticken wie sie. Und das ist für uns genau das Gleiche. Wir ziehen durch die Republik und finden überall die gleich verrückten Menschen. Unser Ziel ist, das so lange wie möglich zu machen. Wenn die Leute auf ein WIZO-Konzert kommen, freuen wir uns da wirklich extrem drauf und kümmern uns darum, dass das eine coole Geschichte für alle Beteiligten wird.

printzip: Wie macht ihr das?
Axel Kurth: Wir sind komplett selbstorganisiert. Wir buchen unsere Konzerte selber, versuchen auf alle Möglichkeiten, die sich uns bieten, Einfluss zu nehmen, damit es keine anonymen Massenveranstaltungen werden.

printzip: Die Band baut auch die Anlage auf?
Axel Kurth: Klar. Wir sind drei erwachsene Leute, und es gibt nichts Schlimmeres, als gelangweilt Backstage zu sitzen und auf deinen Laptop zu glotzen.

printzip: Wie kommt es eigentlich, dass ihr euch in letzter Zeit ‚Der WIZO‘ nennt?
Axel Kurth: Das war ein Running Gag der letzten Tour. ‚WIZO‘ hat ja per se keinen Artikel, und wenn wir von ‚Die WIZOs‘ redeten, war das immer komisch. Da haben wir irgendwann angefangen, den ‚WIZO‘ so zu betiteln, als wär das was Eigenes.

printzip: Ihr habt in der Tat viele junge Leute durch eure Musik politisiert. Aber ihr habt in einem Interview einmal gesagt, dass am Ende des Tages die einzige Scheißaufgabe einer Band ist, Musik zu machen und sonst erst mal gar nix.
Axel Kurth: Ich will gerne Leute politisieren und die Sachen, an die ich glaube und für dich ich gerne kämpfe, an die Menschen herantragen. Aber am Ende des Tages sind wir keine Politiker und ich bin kein Redenschwinger. Meine Stärke ist es, dreiminütige Punk-Rock-Songs zu machen. Ich habe gelernt, mich in diesem Rahmen zu bewegen. Daher bin ich bei den Texten auch oft gezwungen, gewisse Themen anzuschneiden und herunter zu schrumpfen auf relativ kurze, von mir aus auch populistische Aussagen. Ich habe nicht die Möglichkeit, mit Fußnoten zu arbeiten und einen dreiseitigen Erklärungstext zu liefern. Diese Beschränkung nehme ich aber gerne an, weil sie künstlerisch gesehen immer wieder eine richtige Herausforderung ist. Dafür muss ich in Kauf nehmen, dass manche Leute denken, ich wäre einfacher gestrickt als ich vielleicht bin. Das Beste, was mir passieren kann, ist, wenn wir dazu beigetragen haben, dass sich Leute politisiert haben, womöglich tiefer eingestiegen sind und vielleicht ihr ganzes Leben anders ausgerichtet haben, weil sie kapiert haben, dass jeder es den Menschen gegenüber schuldig ist, sich anständig aufzuführen. Dazu gehört, dass man gegen Rassismus ist und für die Gleichberechtigung aller Menschen kämpft.

printzip: Was hat sich für euch in den Jahren eures Bestehens politisch und gesellschaftlich verändert und wie spiegelt sich das in euren Texten wider?
Axel Kurth: Ich denke, die Situation hat sich verschärft. Der große Unterschied zwischen heute und vor 20 Jahren ist die extrem schnelle soziale Medienlandschaft. Die Möglichkeit, dass sich die größten Vollpfosten irgendwie per Kommentar bemerkbar machen können, dass du zu jeder scheiß Verschwörungstheorie 200 Webseiten findest, die dich darin bekräftigen oder die Möglichkeit, dass sich Leute mit ihrem bescheuerten geistesgestörten Religionsquatsch weltweit organisieren können. Dazu kommt, dass die Nazis auch dazugelernt haben, sich immer perfider verhalten, strukturierter und vernetzter sind. Meine tägliche Erfahrung ist, dass viele Menschen zum Beispiel nicht checken, wo Alltagsrassismus beginnt oder dass sie sehr wohl einen Unterschied machen können im Supermarkt mit ihrem Einkauf. Ich merke aber immer wieder, wie groß die Diskrepanz ist zu dem, was die normalen Menschen überhaupt nicht mehr verstehen können, weil es um sie herum immer unübersichtlicher wird. Viele reagieren mit Furcht und Angst. Das führt zu bescheuerten Wahlergebnissen. Das sind Dinge, die waren früher in der Form nicht möglich, weil es andere Informationsstrukturen gab. Früher musstest du in eine Bücherei, um etwas nachzuschlagen. Allein auf dem Weg dahin hättest du Zeit gehabt, um nachzudenken. Heute haben die Leute die Zeit nicht mehr, sondern haben in der Zwischenzeit schon wieder irgendeinen blöden Kommentar abgelassen.

printzip: Glaubt ihr, auch diese Leute überzeugen zu können?
Axel Kurth: Wir befinden uns in einer Subkultur. Wir machen diese Art von Musik, für die man sich entscheiden muss. Es ist von uns eine ganz bewusste Entscheidung, nicht im Mainstream vorzukommen. Ich könnte keine Texte schreiben, in denen ich nicht zornig bin und ‚Scheiße‘ sage. Deshalb ist mein Einfluss auf irgendwelche wackeligen Jugendlichen, die vielleicht irgendwelchen rechten Rattenfängern auf den Leim gehen würden, beschränkt. Unsere Aufgabe ist es eher, den Menschen Mut zu machen, die schon auf unserer Seite sind und denen ein Ventil zu liefern, ihren täglichen Frust einmal rauszuschreien. Ich denke oft, wenn ich ein schönes Lied mit einer guten Melodie schreiben möchte, an diese Situation: Du sitzt in einer S-Bahn und neben dir sitzt eine Horde Vollpfosten-Fußball-Fans, die rassistische Parolen grölen. Du könntest dein Maul aufmachen, aber dann würdest du von denen gekreuzigt. Also lässt du es bleiben, sitzt nur da und hasst die Typen und hast hoffentlich eine schöne Melodie vom WIZO im Kopf, die du die ganze Zeit vor dich her summst. Da hoffe ich immer drauf, dass das den Leuten ein bisschen Kraft und Ausdauer verleiht.

printzip: Auf eurem neuen Album singt ihr ‚Und wenn du auch gegen Nazis bist, dann gehörst du mit dazu. Darum stimm mit ein, sag es laut und klar: Wir sind alle Antifa‘. Sind für euch alle, die sich gegen Nazis einsetzen ‚Antifa‘?
Axel Kurth: Mich hat es gestört, dass Leute begonnen haben, die Antifa als etwas Schlechtes und pseudo Strukturiertes abzuqualifizieren. Mir war es wichtig, dass sich Menschen nicht abschrecken lassen. Sie sollen wissen, dass es nicht die Antifa gibt, das ist eine absolut nicht homogene Masse. Wir lassen uns dieses Wort, wenn es auch nur der gemeinsame Nenner von uns ist, nicht wegnehmen und nicht madig machen, sondern holen uns die Deutungshoheit zurück. Wir sind alle Antifa. Jeder, der keinen Bock auf die Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund irgendwelcher obskuren Merkmale hat, ist meiner Meinung nach ein Antifaschist. Es ist wichtig, dass man das sagen kann, ohne dass man die Stimme senken muss. Das würde im Umkehrschluss nur zur Stärkung der braunen Pfosten führen.

printzip: Zählt ihr auch Menschen dazu, die nicht eure Positionen teilen?
Axel Kurth: Wenn du keinen  Bock auf Nazis hast, gehörst du auch dazu. Das heißt auch im Umkehrschluss, du musst nicht auf der Straße im schwarzen Block stehen. Wenn das dein Weg ist, dann will ich dir das nicht absprechen.

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Fr

04

Nov

2016

Die Zukunft der Langebrückenstraße 14 in Fulda

Die Bürger*innen-Initiative Langebrückenstraße 14 (BI L14, printzip berichtete in der September-Ausgabe) hat ein Konzept zur Zukunft des Areals in Fulda erarbeitet. Dabei haben die Beteiligten versucht, sowohl das Interesse der über 20 Vereine und Projekte, die das Gelände zurzeit nutzen, zu wahren als auch Ideen für die neuen Investoren, die das Areal im August gekauft haben, zu entwickeln.

Bürgerinitiative Langebrückenstraße 14 Fulda
Die Bürger*innen-Initiative Langebrückenstraße 14 stellte am 13. Oktober ihr Konzept für die Zukunft des Areals in Fulda der Öffentlichkeit vor. V.l.n.r.: Elvira Schulenberg, Verena Schulenberg, Thorsten Mager, Caroline Strobel, Günter Pfeffer

 

Das Konzept sieht vor, sozialen Wohnungsbau und die vielfältigen Projekte aus den Bereichen Kultur, Food und Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bekommen und Interessen miteinander zu verknüpfen, um „ein ökologisch nachhaltiges, barrierefreies, interkulturelles und sozial integratives Quartier zu gestalten, das Wohn-, Geschäfts- und Lebensraum für alle Bevölkerungs- und Einkommensschichten bietet“, wie es in dem Handout zum Konzept heißt.

Räume für die Projekte und Mischnutzung


Für die BI L14 und die verschiedenen Projekte vor Ort ist es das Kernanliegen, das Areal künftig weiter gemeinsam nutzen zu können. „Ich finde eine Gemeinschaft vor, die Freizeit, Kultur, Sozialarbeit, Lebenshilfe praktiziert. Alles läuft ohne Vorschriften, unaufgeregt, vieles wird improvisiert. Resignation: nein! Prinzip: Nachbarschaftshilfe, Ideenreichtum! Fast alles wird auf Basis von Eigeninitiative und Gemeinnützigkeit geleistet“, schildert Günter Pfeffer. Er betreibt seit drei Jahren auf dem Gelände eine Werkstatt und einen kleinen Laden für Möbel und Alltagsdinge, um sich seine Rente aufzubessern.
Diese von gegenseitiger Hilfe geprägte Situation möchte die BI L14 wenn nur irgend möglich erhalten. Das Kino 35, das Café Panama sowie die Räume des Repair Cafés „Erneuer:Bar“, der Nähbar, des Kleidertauschladens, der Siebsdruckwerkstatt und der Gelben Rübe sollen daher in ihrer bisherigen Nutzung erhalten bleiben, ebenso im anderen Teil des Gebäudekomplexes die Räume von Youropa mit dem Underground.
Auf dem 7.500 qm großen Gelände könnte es aber künftig eine Mischnutzung geben mit Werkstätten und Ateliers, kulturellen und sozialen Projekten, neu gebauten Wirtschaftsflächen (Praxen, Büros, Dienstleistungen) und neu zu schaffendem Wohnraum für untere bis mittlere Einkommensschichten sowie einem Hostel und einem Cafe. In dieser vielfältigen Nutzung würden Austausch unter den Nutzer*innen und Mitgestaltungsmöglichkeiten für Bürger*innen erhalten bleiben, vielleicht gar noch stärker erfolgen.

 

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Do

29

Sep

2016

Steffen Henssler im Interview: „Hund würde ich nicht probieren“

Steffen Henssler gilt als das Enfant terrible unter den deutschen Fernsehköchen, ist nicht selten vorlaut und nie um einen Spruch verlegen. Stets ist er bereit, sich mit anderen zu messen. Doch dabei zeigt er, dass er nicht nur umfassende Kochtechniken beherrscht, sondern vor allem ein Talent für Improvisation und Spontänität besitzt. Und sei es in der Küche oder im Fernsehen - in beiden ist das ohne Zweifel nützlich.
Steffen Henssler ist ein Show-Mensch. Und mit seiner neuen Show „Henssler tischt auf“ geht er nun wieder auf Tour und kommt am Sonntag, 30. Oktober, um 19 Uhr in die Esperantohalle nach Fulda.
printzip-Mitarbeiter Markus Weber sprach vorab mit Steffen Henssler über gesunde Ernährung, was in seiner  Live-Show passiert und fragte nach, ob er für die Leser*innen ein paar Tipps zum Kochen hat.

printzip: Immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch, vegan, laktosefrei, glutenfrei. Sind das für dich eher Moden und Trends oder kann so eine Ernährung auch sinnvolle Aspekte haben?
Steffen Henssler: Es ist auf jeden Fall sinnvoll, wenn Leute sich mit ihrer Ernährung auseinandersetzen, Sachen hinterfragen und für sich feststellen, dass es einfach gesünder ist, sich auch mal vegetarisch zu ernähren. Das kann man nur gutheißen. Ich glaube nicht, dass vegetarische Ernährung ein Trend ist. Das hat sich fest etabliert. Ob es aber wirklich am Ende des Tages gesund ist, sich nur vegan zu ernähren, darüber gibt es verschiedene Meinungen. Und zu laktosefreier oder glutenfreier Ernährung: Es gibt sowieso viele Leute, die Allergene haben.

printzip: Wie oft ernährst du dich selbst in der Woche vegetarisch?
Steffen Henssler: Das kann ich nicht genau an Tagen festmachen. Aber es kommt oft genug vor, dass ich mich den ganzen Tag über nur vegetarisch ernähre. Aber nicht, weil ich mir das dann vorgenommen habe, sondern, weil ich da dann Bock drauf habe.

printzip: Was hältst du von Fleischersatz-Produkten, zum Beispiel aus Soja oder Seitan? Gibt es da welche, die du in der Küche nutzt, auch als Fleischesser?
Steffen Henssler: Weniger. Tofu finde ich gut. Aber diese komischen Ersatzprodukte, die teilweise auch mit irgendwelchen Stoffen angereichert sind, finde ich eher schwierig. Auch, wenn man versucht, vegetarische Produkte immer so aussehen zu lassen wie Fleisch und sie genauso nennt. Das ist mir ein Rätsel, was das soll. Wenn ich Bock auf vegetarisch habe, dann esse ich Gemüse oder Hülsenfrüchte und nicht irgendwelchen Ersatzkram.

„Gesundes Essen fängt an, wenn man etwas selber macht“

printzip: Gibt es Regeln für gesundes Essen?
Steffen Henssler: Ich finde, gesundes Essen fängt dann an, wenn man einfach etwas selber macht. Wenn du dir selber eine Spaghetti Bolognese machst – auch wenn man sich jetzt darüber streiten kann, ob das so gesund ist - oder auch Spaghetti Carbonara mit Sahne und Ei oder ein Wiener Schnitzel. Sobald du etwas selber machst – du kaufst das Fleisch, das Ei, panierst es selber, machst dir selber Bratkartoffeln dazu - hat das für mich schon etwas mit gesundem Essen zu tun. Es muss jetzt nicht immer alles fettfrei oder alles kohlenhydratarm sein. Alleine schon, dass ich selber einkaufen gehe und es mir selber zubereite, ist schon mal der erste Schritt.

printzip: Du meinst, dass man das Essen wertzuschätzen lernt und die einzelnen Bestandteile kennenlernt?
Steffen Henssler: Ja, richtig. Es ist wichtig, sich einmal damit auseinanderzusetzen. Ernährung ist bei uns ja mittlerweile so ein Nebenbeieffekt geworden. Wir nehmen uns auch keine Zeit dafür. Das ist die derzeitige Mentalität.

printzip: Du legst Wert auf frische Lebensmittel. Gibt es dennoch weiterverarbeitete Produkte, die sinnvoll zu nutzen sind oder sogar Fertiggerichte?
Steffen Henssler: Es gibt natürlich gewisse Produkte, wie zum Beispiel Krebsfleisch, ein Fertigprodukt für die Sushi-Zubereitung, die einfach passen. Oder gewisse Saucen. Es gibt mittlerweile auch Sachen, die noch nicht ganz fertig gekocht sind, die man selber fertig kochen muss. Aber reine Fertigprodukte, für die ich meine Hand ins Feuer halten würde, gibt es nicht.

printzip: Es gibt aber auch Fernsehköche, die Fertigprodukte herausbringen. Können wir demnächst auch mit dir rechnen?
Steffen Henssler: Was es bei mir schon länger gibt, ist eine Teriyaki-Sauce. Die biete ich schon sehr lange im Restaurant an und ist immer sehr beliebt. Ich habe einen Anbieter gefunden, der sie nach meinem Rezept kocht. Das ist natürlich eine Art Fertigprodukt, keine Frage. Aber da kommt Wasser rein, Zucker, Sojasauce und solche Geschichten. Ein reines Fertigprodukt finde ich natürlich ein bisschen schwierig. Wenn einer frische Tomatensauce macht, die es im Kühlregal gibt, das finde ich noch in Ordnung. Wie andere Köche für Sahne-Ersatzprodukte und solchen Schnickschnack Werbung zu machen, das wäre nichts für mich. Aber das muss jeder für sich selbst rausfinden.


„Die Küche wie eine Spielwiese sehen“

printzip: Die Küche der asiatischen Einwanderer an den Küsten der USA hatte einen starken Einfluss auf dich. Was sind deren besondere Eigenschaften?
Steffen Henssler: Du hast einfach eine andere, sehr interessante Herangehensweise. Die haben diese ganzen Traditionen, welche in der asiatischen Küche, speziell in der japanischen, sehr groß sind, einfach aufgebrochen. Sie machen die Sachen, die sie lecker finden. Es gibt kein „Schmeckt nicht“, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Geschmack ist ja kein 100 Meter-Lauf, wo der eine gewinnt, der andere nicht, das ist etwas sehr Subjektives.

printzip: Hast du Tipps, wie man das auch in die eigene Alltagsküche einbauen kann?
Steffen Henssler: Ich finde, das kann jeder ein bisschen für sich selbst herausfinden. Wenn ich zum Beispiel einmal etwas mit Schärfe machen will, hack ich mir ins Rührei mal eine Chili rein statt Schnittlauch, um einach ein bisschen was anderes zu haben. Also die Kleinigkeiten, die den Geschmack komplett verändern können. Oder wenn ich mir Spaghetti mache und haue da ordentlich Limonensaft rein, Limonenschale und noch einen kleinen Schuss Geflügelfond und ein bisschen dünn aufgeschnittenen Spargel. Einfach ein bisschen die Küche wie eine Spielwiese sehen. Etwas ausprobieren statt zu sagen: „Das macht man aber nicht“.

„Man muss nicht alles probieren.“

printzip: Apropos ausprobieren. Du hast viele außergewöhnliche Lebensmittel probiert. Gibt es etwas, wo du sagst, das könnte sich vielleicht einmal etablieren, auch wenn es im Moment recht exotisch erscheint?
Steffen Henssler: Ich glaube, es gibt mittlerweile viele gute Lebensmittel. Im europäischen Raum zum Beispiel Insekten zu essen, weil sie ein guter Eiweißlieferant sind, das kann ich mir nicht vorstellen. Es gibt sicherlich viele gute Gemüsesorten, die man noch entdecken kann aus dem asiatischen Raum. Aber ich glaube nicht, dass das eine Super-Gemüse oder der Super-Fleischersatz kommt.

printzip: Gibt es Sachen, die du nicht essen würdest? Würdest du Hund probieren?
Steffen Henssler: Da sehe ich keine Gründe für. Für mich ist das uninteressant zu wissen, wie ein Hund schmeckt. Das ist ja länderspezifisch ein bisschen unterschiedlich, aber ich wüsste nicht, warum ich jetzt einen Hund essen sollte. Also ich bin ja einer, der sehr offen ist und viel probiert. Man muss aber auch nicht immer alles probieren. Ich hab auch nicht die Vorstellung, dass er besonders lecker ist, denn er isst ja jetzt auch kein hochwertiges Futter, so ein Hund.

„Der Konsument ist selber schuld.“

printzip: Ist dir artgerechte Tierhaltung wichtig?
Steffen Henssler: Ich glaube, man sollte sich auf jeden Fall darüber informieren, wo etwas herkommt. Es ist klar, wenn du in den Supermarkt gehst und 100 Gramm Gesichtswurst für 99 Cent kaufst, dass das Tier nicht auf der Wiese gelebt hat und glücklich war. Das muss eigentlich jedem bewusst sein. Ich glaube, da sind die Leute manchmal ein bisschen verblendet und wollen die Wahrheit nicht wissen. Es ist immer die Frage, was man bereit ist, zu zahlen. Aber wenn wir diese Mentalität haben, Hauptsache Fleisch auf den Teller und der Rest ist uns egal, dann wird man damit leben müssen, dass man die Qualität bekommt, die wir gerade teilweise haben. Da ist der Konsument selber schuld. Da ist es immer schwer zu sagen: Die böse Fleischindustrie.

printzip: Wie stehst du zu Bio-Siegeln?
Steffen Henssler: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Ich schaue eher auf Regionalität, das ist mir wichtiger, als dass da irgendwie „Bio“ draufsteht.

„Ich würde mir ein Butterbrot in die Show mitnehmen“

printzip: Du gehst ab Ende Oktober mit deinem neuen Programm „Henssler tischt auf“ auf Tour. Was erwartet die Zuschauer?
Steffen Henssler: Das sind zweieinhalb Stunden, ich nenn‘ es mal „Entertainment“. Ich zeige meine Lieblingsgerichte, zum Beispiel Sushi-Rolle, eine ganze Lachs-Seite in einer Zeitung gegart, es wird eine perfekte Weihnachtsente zubereitet. Es gibt aber auch verschiedene Geschichten, die mir auf meinen Reisen und in meinem Fernsehleben passiert sind. Von „Grill den Henssler“ zeige ich verschiedene Ausschnitte, meine Lieblingsmomente, aber auch Sachen, die im Fernsehen weggeschnitten wurden, und erzähle, was hinter den Kulissen passiert. Zum Abschluss werde ich noch ein bisschen singen. Also ein buntes Programm.

printzip: Wirst du auch bei der Tour gegen Zuschauer antreten?
Steffen Henssler: Nein, die kochen mit mir. Die lustigsten Momente sind immer, wenn Leute auf der Bühne sind, die mit mir zusammen etwas zubereiten.

printzip: Empfiehlst du den Besuchern, hungrig oder satt in deine Show zu gehen?
Steffen Henssler: Ich würde mir etwas mitnehmen. Erfahrungsgemäß kriegen ein paar etwas, weil wir auch Sachen verteilen, aber das sind nur ein paar. Wenn man das ganze Essen sieht, da wird schon der eine oder andere nachher noch schnell in ein Fastfood Restaurant fahren (lacht).

printzip: Was würdet du selbst mitbringen?
Steffen Henssler: Ich würde eine Dose mit Butterbrot mitnehmen. Und Gemüsesticks, geschnittene Paprika und Karotte. Irgendetwas Sättigendes. Rohes Gemüse sättigt ja immer ein bisschen schneller. Das würde ich mir auf jeden Fall mitnehmen, und zwar eine Menge!

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Di

30

Aug

2016

Wasser lassen?

Wasser ist überlebenswichtig. Doch wie sauber ist unser Wasser? Gibt es gesundheitliche Gefahren? Welches Wasser sollten wir am besten trinken? Ist Mineralwasser besser als Leitungswasser?

147 Liter Mineralwasser trinkt jede*r Deutsche im Jahr. Dieses hat einen fast beispiellosen Boom hinter sich: 1970 waren es gerade mal 12,5 Liter. Auch der Konsum von stillem Mineralwasser nimmt zu: 21 Liter sind es inzwischen.
Mineralwasser muss, anders, als es der Name vermuten lässt, nicht unbedingt besonders mineralstoffreich sein. Ein Mindestgehalt für Mineralien wurde 1980 von der Europäischen Gemeinschaft gekippt. Es muss allerdings aus unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Quellen gefördert werden, die amtlich überwacht werden. Die Brunnenbetriebe dürfen aus dem Mineralwasser nur Eisen und Schwefel herausfiltern oder Kohlensäure entziehen und zusetzen. Im Gegensatz dazu wird Tafelwasser aus Leitungs- oder Mineralwasser und weiteren Zutaten wie Kochsalz oder Natursole hergestellt.
Leitungswasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Es gibt für dieses Grenzwerte, die bei Mineralwasser nicht bindend sind, beispielsweise für Pestizide, Keime und Nitrat. Außerdem ist es mit etwa 0,2 Cent (inklusive Abwasser­kosten 0,5 Cent) deutlich billiger als jedes Mineralwasser.


Die Stiftung Warentest hat in der August-Ausgabe ihres Magazins „test“ Trinkwasser aus 28 Städten und Gemeinden und 30 stille Mineralwässer getestet. Das Ergebnis: Mineralwasser ist überbewertet und nicht besser als Leitungswasser. Von den 30 getesteten Mineralwässern enthalten fast 50 Prozent wenig Mineralstoffe, nur acht enthalten mehr Mineralstoffe als das mineralstoffreichste Leitungswasser im Test. Im Schnitt enthält das getestete Leitungswasser 380 Milligramm Mineralstoffe pro Liter, das Mineralwasser 790 Milligramm. Ernährungsphysiologisch fällt dies jedoch kaum ins Gewicht, die richtige Ernährung kann da viel mehr ausmachen.
„Es gibt aber Fälle, in denen der Griff zum Mineralwasser sinnvoll ist“, erklärt Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung. „So kann kalziumreiches Mineralwasser laktoseintolerante Menschen und Milchmuffel mit Kalzium versorgen. Von viel Sulfat können Menschen mit Verstopfung profitieren. Wer in einer Gegend mit intensiver Landwirtschaft wohnt und Babynahrung zubereitet, sollte sich bei seinem Wasserversorger über die Nitratgehalte des Trinkwassers informieren und im Zweifel ein für die Zubereitung von Säuglingsnahrung ausgelobtes Mineralwasser verwenden.“


Die Nitratbelastung in Deutschland in der Tat bedenklich. Da zu viel gedüngt wird, sind die Pflanzen nicht in der Lage, Stoffe aus dem Dünger wie Nitrat aufzunehmen. Sie versickern im Boden und gelangen in Gewässer oder ins Grundwasser. Die Hälfte der Grundwasserbrunnen ist bereits nitratverseucht. Zu viel Nitrat kann Fische töten, sich in giftiges Nitrit und in krebserregende Nitrosamine umwandeln. Die EU hat wegen unzureichender Umsetzung ihrer Nitrat-Richtlinie bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Neben zu viel Nitrat seien auch Medikamenten-Rückstände aus der Gülle ein Problem, da Antibiotika wichtige Bodenorganismen abtöten und im Trinkwasser nichts zu suchen haben, informiert die Aktion Agrar. Sie setzt sich für eine strengere Düngeverordnung ein.
Ein weiteres Problem: In manchen Gegenden kann der Urangehalt im Trinkwasser für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich sein. Neben der radioaktiven Wirkung kann es durch seine chemische Giftigkeit die Nieren schädigen. Eine Begrenzung von 2 Mikrogramm pro Liter gilt nur für Mineralwasser, das explizit für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet ist. Für Leitungswasser gilt ein Grenzwert von 10 Mikrogramm. Laut Foodwatch ist dies jedoch zu hoch für Säuglinge und Kleinkinder.

 

Schließlich stellt sich noch die Frage, in welches Gefäß das Wasser der Wahl abgefüllt werden sollte. Ob PET-Flaschen eine gesundheitliche Gefahr darstellen oder unbedenklich sind, ist umstritten. Forscher der Uni Frankfurt wollen hormonell wirksame Substanzen in Wasser in PET-Flaschen gefunden haben. Das Bundesinstitut für Risikobewertung geht nicht davon aus, dass hormonähnliche Substanzen aus PET-Flaschen übergehen. Dennoch schmeckt Wasser als PET-Flaschen manchmal anders als solches aus Glasflaschen. Das liegt an der Substanz Acetaldehyd, die einen leicht süßlichen Geschmack verursacht, jedoch in den vorhandenen Konzentrationen gesundheitlich unbedenklich ist. Wer auf Nummer Sicher gehen will, nimmt eine Glasflasche - auch aus ökologischer Sicht haben diese einen kleinen Vorteil gegenüber Mehrwegflaschen aus Plastik.                                         

 

Markus Weber

erschienen in der printzip-Ausgabe August 2016

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Fr

26

Aug

2016

Kommentar zum Café Panama in Fulda

U.a. um die Zukunft des Café Panamas in Langebrückenstraße 14 geht es in der am Dienstag erscheinenden September-Ausgabe des Monatsmagazins printzip. Hier schon mal vorab ein Kommentar aus dieser Ausgabe:

 

Wenn sich Investoren ein „Filetstückchen“ sichern, dann haben sie sich ohne Zweifel auch Gedanken darüber gemacht, was sie mit dem Gelände anstellen wollen. Wohnraum zum Mieten soll entstehen. Ob da ein soziokulturelles Leben im direkten Umfeld als Vor- oder Nachteil bewertet wird, bietet Stoff für Spekulationen, ist aber sicherlich längst entschieden. Wenn die Investoren - wie sie verkünden - den in der Fuldaer Langebrückenstraße 14 ansässigen Projekten und Initiativen wohlgesonnen gegenüberstehen, haben sie eventuell deren Vorzüge, in Kombination mit bezahlbarem Wohnraum zum Beispiel für Studierende, einkalkuliert. Dennoch bleibt die Angst bei den betroffenen aktuellen Nutzer*innen, schwer einschätzbare Investoren könnten, auch dann, wenn sie in Fulda verwurzelt sind und nicht als „Heuschrecken“ daher kommen, lediglich ökonomische Interessen im Kopf haben. Höherpreisig vermietbarer Wohnraum könnte mit Konzerten und buntem Hofgetrubel in der unmittelbaren Nähe als unvereinbar empfunden werden. Wie gesagt, Stoff für Spekulationen. Vielleicht - so mutmaßen Einzelne - besteht ja seitens der Investoren auch die Hoffnung, die Stadt Fulda als Unterstützer mit ins Boot zu holen und mit Geld aus öffentlicher Hand die Liegenschaft weiterzuentwickeln. Wenn das Kalkül der Investoren in Richtung Stadt - wie oben beschrieben - besteht, ist die Stadt Fulda in der Pflicht. Dies gilt aber auch dann, wenn letztlich die „unterstützenswerten“ Initiativen wegen bloßer Kapitalinteressen der neuen Eigentümer das Weite suchen müssen.

Die Betroffenen fühlen sich verständlicherweise ausgeliefert und reagieren mit Argwohn. Doch führt dieser nicht zur Betäubung, sondern sogar zu einem gestärkten Selbstverständnis. Die Betroffenen haben sich zu einer Bürger*innen-Initiative „BI Langebrückenstraße 14“ zusammengeschlossen. Zudem hat die BI Langebrückenstraße 14 genau den richtigen Adressaten für ihren offenen Brief gewählt. In der Tat besteht für jede Kommune eine Verpflichtung gegenüber engagierten Bürger*innen, bestehende Freiräume für deren Engagement zu erhalten, zu fördern und weiterzuentwickeln. Dies gilt insbesondere dann, wenn es - wie im vorliegenden Fall - ein derart breites und über Jahrzehnte gewachsenes Initiativenleben zu schützen gilt.

Die Stadt Fulda kann sich der vorgetragenen Argumentation der BI nicht entziehen und sollte sich nicht mit dem breit aufgestellten Bündnis anlegen. Verzweiflung macht stark. Schon jetzt ist eine Lawine an Unterstützung absehbar. Wer sich versucht, dieser in den Weg zu stellen, könnte imagemäßig mächtigen Schaden erleiden. Für die Initiativen ist die Gesamtsituation so gesehen auch eine Chance. Sie können gestärkt aus dem nun angestoßenen Prozess hervorgehen. Zusätzliche Kräfte können frei gesetzt, neue Ideen geboren werden. Letztlich ist bei aller Bedrohlichkeit der Situation das Ganze auch eine einmalige Gelegenheit, das soziokulturelle Leben der Stadt Fulda deutlich sichtbar zu machen, zu stärken und weiterzuentwickeln.

 

Autor: Timo Schadt

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Do

25

Aug

2016

Offener Brief der Bürgerinitiative Langebrückenstraße 14

OFFENER BRIEF
An den Magistrat der Stadt Fulda
Herrn Oberbürgermeister Dr. Wingenfeld
Herrn Bürgermeister Wehner

Zum Verkauf des Geländes Langebrückenstraße 14, Fulda

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Wingenfeld,
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Wehner,

wir appellieren an Sie persönlich und den Magistrat der Stadt Fulda, unser nachfolgendes Anliegen wirkungsvoll zu unterstützen.

Auch in unserem gesellschaftlichen als auch kommunalpolitischen Verständnis steht die Lebensqualität der Menschen im Vordergrund.
Bürgerliches Engagement mit der Absicht, diese Lebensqualität zu erhöhen, zu ermöglichen, ist ohne Zweifel Ziel aller politischen Akteure in Fulda.
Neben Absichtserklärungen und wohlwollend gemeinten Sympathiebekundungen sind konkrete Zusagen und Handlungen erforderlich.

Ein solcher Zeitpunkt ist nun gekommen. Wir möchten Sie bitten, uns einen zeitnahen Terminvorschlag zu unterbreiten, um gemeinsam mit Ihnen Lösungswege für die akute Bedrohungssituation durch die Kündigung des Standortes Langebrückenstraße 14 zu erarbeiten.

Betroffen sind 20 Initiativen, Projekte und Vereine, die zurzeit auf dem Gelände ansässig sind. Damit ist ein großes, gewachsenes Initiativen- und Subkulturleben in Fulda gefährdet, das sich über den Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten mit Unterstützung des AWO-Jugendwerkes etabliert hat.
Mit der Kündigung des bisherigen Mietverhältnisses zum Februar 2017 entsteht ein Druckfaktor, welcher nicht nur uns – die in der Langebrückenstraße 14
ansässigen Initiativen - sondern ein breites, bürgerliches Engagement in der Stadt Fulda betrifft.

Wir haben uns als Bürger*innen-Initiative L14 (BI L14) entschlossen, zu handeln. Die aktuellen Ereignisse lassen erwarten, dass eine Entwicklung des Geländes
hin zum Wohnraum die sozio-kulturelle Nutzung nicht nur beschränkt, sondern schließlich unmöglich werden lässt.
Durch den Verkauf des Geländes ist das gesamte L14 durch andere, noch nicht absehbare Nutzungsabsichten in Frage gestellt.

Das Café Panama des Jugendwerks der Arbeiterwohlfahrt bietet eine bislang so noch nie in Fulda dagewesene Bündelung verschiedener soziokultureller Angebote in einem zusammenhängenden Gebäudekomplex. Hier gelingt es bisher, kulturelle Unterhaltung und soziales Engagement, ökologisch, nachhaltige Projekte, freie Kunst und Kunsthandwerk miteinander zu verbinden.

Viele Gruppen, Initiativen, Vereine, aber auch Einzelpersonen, die sich gegenseitig in ihren Zielen unterstützen, machen das Areal in der L14 zu dem,
was es ist – einen liebenswerten Ort, an dem es sich lohnt, sich zu engagieren und den viele Menschen gerne besuchen. Knapp 18.000 Nutzer, über 250 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie ehrenamtliche Organisatorinnen und Organisatoren verwirklichen jährlich etwa 500 Termine / Angebote, unter anderem kulturelle Veranstaltungen, regelmäßige Öffnungszeiten der Angebote, Workshops und Sitzungen unterschiedlichster Art, in der Langebrückenstraße 14. Inzwischen nimmt auch die Integration von Geflüchteten an diesem Ort zunehmenden Raum ein. Rückschritte kann sich da niemand erlauben.

Durch kreative Impulse wurde unbürokratisch Freiraum für individuelle Mitgestaltung geschaffen, der zunehmend von Menschen angenommen wird und in konkreten Projekten Umsetzung findet. Es gibt dabei keine starren Strukturen, sondern sich stetig wandelnde Prozesse.

Vor allem konnten und können sich viele junge Menschen ausprobieren und verwirklichen. Dabei werden alle in gruppendynamische Prozesse eingebunden.
Ehrenamtlich tätige Menschen gestalten den Raum mit und sind Teil der Entscheidungen. Sie tragen somit auch Verantwortung. Bei den durchgängig
nicht profitorientierten Angeboten steht die Einbindung Interessierter im Vordergrund, das heißt, es handelt sich nicht um klassische, zu konsumierende Kultur. Dies motiviert Menschen, ermutigt zu Eigeninitiative, schafft Synergien und stärkt ehrenamtliches Engagement in ganz Fulda.

Das sonstige Angebot in der Stadt erreicht aufgrund ihrer Ausrichtung oder Kosten nicht alle Bürger. Die Angebote im Café Panama füllen einen nennenswerten Teil dieser Lücken und erweitern das Angebot spürbar. Dabei stehen wir nicht in Konkurrenz zu öffentlichen und kirchlichen Trägern, anderweitigen Sozialeinrichtungen und auch nicht zu kommerziellen Anbietern. Um die Stadt für junge Menschen attraktiv zu halten, ist ein „szenetypisches“ Angebot unumgänglich. Nur so verbleiben zum Beispiel Studierende länger in Fulda, werden hier vielleicht sogar sesshaft und bringen sich dauerhaft ins städtische Leben ein. Anderen jungen Fuldaern wird ein höherer Anreiz geboten, in der Stadt zu bleiben und sie nicht frühzeitig zu verlassen.

Unser kulturelles Engagement erwirtschaftet keinen materiellen Gewinn. Unser Kapital, das die vielen anderen Gruppen und Initiativen hier miteinander verbindet,
ist unser Idealismus, unsere Kreativität und unsere sich ergänzende Vielfalt. Unser Engagement schafft Lebensgefühl und dieses schafft eine Willkommens-
und Begegnungskultur. Subkultur schafft kulturelle Werte, sie ist ein wesentliches Kennzeichen bedeutender Städte.

Wir möchten Sie persönlich und die Stadt Fulda als Institution nachdrücklich auffordern, den Fortbestand der im Café Panama ansässigen Initiativen auch in Zukunft an diesem Standort in Fulda zu sichern. Für die Fortsetzung unseres vielfältigen Engagements muss den hier ansässigen und weiteren Gruppen und Projekten Raum zur Verfügung stehen. Dieser sollte möglichst gebündelt an diesem Standort verbleiben, um die langjährig gewachsene, aktive Vernetzung und Synergien fortzusetzen, die ein Ort wie die Langebrückenstraße 14 aktuell ermöglicht.

Anbei erhalten Sie die ersten rund 600 Unterstützungsunterschriften für einen Fortbestand der Langebrückenstraße 14.

Mit freundlichen Grüßen
Bürger*innen-Initiative L14
i.A.
Stefanie Krecek, Verena Schulenberg

Initiativen, Gruppen, Nutzer, Vereine und Projekte, die aktuell auf dem Gelände der Langebrückenstraße 14 Platz finden:


Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft „Gelbe Rübe"
Foodsharing, Bezirk Fulda e.V
Förderverein Kultur und Umweltbildung e.V.
Greenpeace Fulda
„HoerMahl“ Kost und Konzert
Impro-Theater und Liverollenspielgruppe
Jugendehrenamtsbüro
Förderverein für Kultur, Ökologie & Kommunikation, KÖK e.V.
Kino 35, Kultur- und Kinoinitiative Fulda
Kleidertauschladen
Nähwerkstatt „Nähbar“
Reparatur Café Erneuer:Bar
Siebdruckwerkstatt
KüFA -Solidarische Küche für alle
Trommelgruppe „Djembe“
YouRoPa e.V./ Vereinsheim „Underground“ und „Handmade Weihnachtsmarkt“
Zirkus- und Artistik Gruppe
Panama Konzertgruppe
Ateliergemeinschaft
Welcome in

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Mo

15

Aug

2016

Open Flair 2016

Über 20.000 Besucher*innen kamen dieses Jahr wieder zum Open Flair-Festival in Eschwege. War es an den ersten noch teilweise regnerisch, war am Samstag und Sonntag perfektes Festival-Wetter. Laut Polizeiangaben ist das Festival auch ohne Zwischenfälle verlaufen.

Und so war auf dem Open Flair wieder einiges zu erleben: Die Fantastischen Vier zeigten, dass sie noch nicht ins Hip-Hop-Altersheim gehören. The Hives unterbrachen einen Song, da es einem Fan schlecht ging und wiesen die Securitys an, ihr Wasser zu geben. Jennifer Rostock zeigte Verantwortungsbewusstsein, da sie keinen Alkohol an Minderjährige ausgibt.

Karten für das nächste Jahr gibt es bereits jetzt unter www.open-flair.de

Limp Bizkit

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Mi

03

Aug

2016

Laurel & Hardy

Das Bühnenstück "Laurel & Hardy" ist in erster Linie etwas für Fans des Komiker-Duos. Andere Zuschauer werden vor allem von der schauspielerischen Leistung beeindruckt sein.

 

Man muss den Humor von "Dick und Doof", wie sie in Deutschland auch genannt wurden, wohl mögen, um das Stück wirklich zu genießen. Denn neben den Stellen, die deren ganz eigenen Humor widerspiegeln, sind die ernsthafteren Teile der Aufführung eigentlich nicht besonders dramatisch. Es wirkt oft, dass der Autor des Stücks Tom McGrath oft zu zwanghaft gängigen Erzählklischees folgen wollte. So wird etwa ein Vater-Sohn-Konflikt konstruiert. Der besteht aber lediglich daraus, dass Stan Laurels Vater, der selbst beim Theater ist, lieber will, dass dieser Theaterunternehmer statt Schauspieler wird - und sich dann aber schließlich doch freut. Oder ein weiteres Beispiel: Die Klage von Stan Laurel und Oliver Hardy gegen Ende ihrer großen Erfolge, dass das Filmbusiness zu kommerziell geworden, wirkt konstruiert und ihr wird nichts entgegengesetzt. Alles in allem ist es eine recht unspektakuläre Geschichte über den Lebensweg zweier Schauspieler.

 

Allerdings werden die biografischen Elemente unterbrochen von immer wieder eingeschobenene Gesangseinlagen, Szenen aus Filmen, Slapstick-Einlagen – all das ist auch für Nicht-Fans der beiden recht unterhaltsam.

 

Am beeindruckendsten ist aber, dass (neben Siegfried Gerlich am Klaviers und als Geräuschemacher) lediglich zwei Darsteller auf der Bühne stehen, die in unterschiedliche Rollen schlüpfen. Roland Renner (Stan Laurel) und Ulrich Bähnk (Oliver Hardy) beherrschen dabei nicht nur die komischen Nummern, sondern auch die ernsten Töne. Und ihre Darstellung von Laurel und Hardy ist schon sehr nah an den Originalen.

 

Dass sie auch improvisieren können, zeigten sie bei der Premiere: Kurz vor der Pause gab es einen schnell einsetzenden strömender Regen. Während die Zuschauer die bereit gelegten Regenponchos anzogen, stimmte das Bühnentrio „Singin‘ in the Rain“ an, tanzten dazu und boten auch hier eine perfekte Imitation von Laurel & Hardy.

 

 

 

Text und Fotos: Markus Weber

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Do

28

Jul

2016

Identitäre Bewegung zwischen AfD & TagX

Dem printzip wurden von einem Aussteiger aus der Identitären Bewegung Fulda (IB) denkwürdige Papiere vorgelegt, welche die Redaktion dazu veranlassten, sich intensiver mit dieser Gruppierung zu befassen. Diese internen Papiere von 2015 werden im Folgenden im Wortlaut zitiert. Die Quelle kann – um die betreffende Person zu schützen – nicht benannt werden, ist der Redaktion aber bekannt.

Es gibt ein vierseitiges Papier „Aufgabenverteilung für Funktions-
träger“. In diesem ist als „Leiter der Regionalgruppe Hessen“ von einem Marcel die Rede. Der sei auch für die Betreuung der Facebookseite zuständig. Unter seiner Aufgabenbeschreibung ist aufgelistet: „Aktionen/Veranstaltungen für Anwerben neuer Mitglieder, trägt maßgeblich zur Verbesserung des Image der IB bei, macht Fotos/Videos von Aktionen/Veranstaltungen der IB oder delegiert diese Aufgabe. Aktuell seien „Vanessa, Maxi und Marvin“ als „Ortsgruppenleiter“ unter anderem für „Koordination und Überwachung der Ortsgruppe“ zuständig.

„Ausbildung im Umgang mit Waffen“

 

Neben zahlreichen anderen Aufgaben und Personen, die diese ausüben, wird auch ein „Verantwortlicher für Absicherungsthemen“ als aktuell unbesetzt gelistet. Ein bis drei würden für diese Aufgaben gesucht, mit dem Hinweis: „Kampfsportinteresse, Umgang mit Waffen, TagX-Maßnahmen.“
Die Aufgabenbeschreibung lautet: „Organsiert Teilnahme von Mitgliedern an Ausbildung im Kampfsport, organisiert Teilnahme von Mitgliedern an Ausbildung im Umgang mit Waffen. Plant Vorgehensweise/Maßnahmen gegen Sabotage/Spionage von außen. Plant Vorgehensweise/Maßnahmen für Ernstfälle“.
Was darunter zu verstehen sein könnte, beschreibt ein zweites dem printzip vorliegendes Papier. Unter der Überschrift „Vorbereitung TagX“ ist zu lesen: „Die weltliche Lage verschärft sich zusehenst und ein militärischer Konflikt oder andere fatale Ereignisse können zumindest in meinen Augen nicht ganz ausgeschlossen werden.“ Der Verfasser ist der Auffassung: „Hier sollten sich Freiwillige zusammensetzen und über dieses Thema philosophieren und einen ‚Plan‘ schmieden.“

„Verbindungsperson zur AfD“

 

Am Ende dieses Dokuments geht es um „Aufga-benverteilung“. Der Verfasser meint: „Damit die Führung nicht so stark belastet wird und eher eine leitende als ausführende Position einnimmt, sollten ggf. verschiedene Aufgaben an vertrauenswürdige Hände abgegeben werden. Man könnte hier „Beauftragte“ finden, die sich speziell mit gewissen Themen/Anliegen beschäftigen. Beispiele: Vorträge koordinieren/Vortragende finden, Kontakt zur AfD, Demos, Aktionen planen, Kontakt zu anderen IB-Gruppen, Veranstaltungen (Kegeln, Wandern, Grillen…)“
Auch im anderen Papier über die Aufgabenverteilung findet sich „Verbindungsperson zu AfD“, allerdings als zur Zeit vakant. Als solche werden „Marcel und Vanessa“ vorgeschlagen. „Aufgabenbeschreibung: nimmt häufig/ständig an Veranstaltungen der AfD teil, informiert Ortsgruppe über aktuelle Geschehnisse in der AfD und bringt mit weiteren Mitgliedern der IB die Anschten der IB in der AfD ein“.

„Aktionen zum Aufwecken der Bevölkerung“


An wen richten sich diese Papiere und mit welchem Zweck? Eingangs schreibt der Verfasser: „Ich wollte mal ein paar Vorschläge machen. Das Ganze kann natürlich auch an andere Führungskräfte weitergeleitet werden.“ Dann befasst er sich ausführlich mit dem regelmäßigen „Stammtisch der IB-Fulda“, der sich im Zyklus von 14 Tagen trifft bzw. getroffen haben soll: „Die IB-Fulda ist deutlich größer als die Teilnehmerzahl, die an den Stammtischen teilnehmen. Einige Teilnehmer können arbeitsbedingt so gut wie nie am Donnerstag teilnehmen. Hier entsteht die Gefahr, dass der Bezug zur IB schwindet und Mitglieder verloren gehen können.“ Als Lösung schweben ihm häufigere Zusammenkünfte und solche an Freitagen und Samstagen vor. Außerdem sei „schon mal angesprochen, zwei verschiedene Stammtische stattfinden zu lassen. Der Hintergrund war der, dass es verschiedene Beweggründe gibt, in der IB aktiv zu sein. Es gibt Personen, die unter Gleichgesinnten sein wollen und sich über dies und das unterhalten/austauschen wollen. Andere wiederum wollen etwas aktiv bewegen und Aktionen zum Aufwecken der Bevölkerung starten.“
Das Modell des Verfassers sieht daher einen „Stammtisch 1“ vor, der „Aktionen planen/bekanntgeben“ soll und dem „kennen lernen, allgemeinen Gesprächen,(…) und dem Finden weiterer Gemeinsamkeiten und Potenziale/Fähigkeiten dienen soll. Ein „Stammtisch 2“ solle „tiefgründige Unterhaltungen, Horizont erweitern, Argumente finden, Leitbild aufbauen/ erweitern und Texte über Themen verfassen“.

„Unterwanderung AfD Fulda“


Nach Auslassungen über einen vom Verfasser vorgeschlagenen Moderator und dessen Funktion „Festlegen von Themen, Abschweifungen unterbinden (…)“ und „Gespräche lenken“ kommt es unter der Überschrift „Unterwanderung AfD Fulda“ zu folgender Einschätzung: „Ich finde das wir unbedingt dran bleiben sollten, einen Fuß oder mehr in die AfD zu bekommen, um aktiv im politischen System von Fulda mitzuwirken. Ich für mich habe Interesse, in die AfD Fulda einzutreten, um unser Gedankengut dort einbringen zu können. So wie ich es verstanden habe, ist die AfD Fulda eher klein (…).“
Mit Vorträgen und Meinungsaustausch könne laut dem Verfasser eine Vielzahl an Themengebieten behandelt werden. Es ginge darum sich weiterzubilden, „über das was auf dieser Welt ‚Lustiges‘ geschieht und daraus sich ein möglichst realistisches Bild“ zu erarbeiten. „Es gibt bestimmt im Mitgliederkreis der IB Personen, die ggf. zu folgenden Themen einen kleinen Vortrag/Präsentation halten würden und man im Anschluss ausgiebig philosophieren kann. Grundvoraussetzung hier ist der richtige Umgang mit alternativen Denkweisen und dem „Respekt“ gegenüber den Vortragenden.“

„Nazikeule“


Es folgt eine Auflistung der Themengebiete darunter: „Teile und Herrsche, Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Kalter Krieg, Verschwörungstheorien: Wie viel Wahrheit steckt drin? Chemtrails, Haarp, 9/11, Fukushima, der Krieg gegen den Terror, die EU, der Euro, (...) Schulsystem und Alternativen, wie argumentiere ich richtig, Asyl, Doppelmoral, Zynismus, GenderMainstreaming (...)“ In einem weiteren Papier sind die Themen kategorisiert und prioritisiert (siehe Faksimile auf Seite 7).
Das Mitglied der Identitären Bewegung Fulda findet, „in der heutigen Zeit werden viele Wortkreationen geschaffen, um die Bevölkerung in eine Richtung zu leiten, die Wahrheit zu verzerren, Dinge falsch darzustellen und eine Diskussion in der Öffentlichkeit ohne Begründung zu seinen Gunsten zu beenden – Nazikeule“. Als „aktuelle Beispiele“ werden von ihm genannt: „Verschwörungstheorie, Lügenpresse, Putinversteher, rechts/links, Nazi, Antisemit und Islamist."

 

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Di

26

Jul

2016

Repair Café in Fulda

Ein Reparatur-Café wird am 22. September 2016 in der Langebrückenstraße 14 in Fulda eröffnen. Dort können nicht nur viele Gegenstände in gemütlicher Athmosphäre repariert, sondern auch Reperaturtechniken erlernt werden.

Wenn der Mixer nicht mixt, das Hemd keine Knöpfe und der Stuhl nur noch drei Beine hat – das Dilemma mit streikenden oder defekten Alltagsgegenständen kennt jede*r. Mit dem Projekt „Erneuer:Bar“ des Jugendwerks der AWO in Fulda entsteht eine Alternative zum Wegwerfen: ein Reparatur-Café. Es wird ab 22. September in der Langebrückenstraße 14 eröffnen.


In der Erneuer:Bar werden nicht-kommerzielle Reparaturveranstaltungen stattfinden. Dabei können alle Interessierten kostenlos und unter ehrenamtlicher Anleitung erfahrener „Repairer“ ihre defekten Geräte reparieren, auf Entdeckungsreise durch das Innenleben ihrer Alltagsgegenstände gehen und sich in gemütlicher Caféatmosphäre austauschen. Mitgebracht werden kann alles, das erneuerbar ist und von den Ehrenamtlichen repariert werden kann, beispielsweise Haushaltsgeräte, handliche Möbel, Elektronik, Spielzeug und Textilien.


Das Erneuer:Bar Café wird von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ehrenamtlich betrieben. Hier gibt es Kaffee und Kuchen und kühle Getränke. Außerdem finden sich im Café Tische und mobile Werkstattwagen für die kleinen Reparaturangelegenheiten.

Die Erneuer:Bar Werkstatt bietet Platz für die größeren und aufwändigeren Reparaturangelegenheiten. Dafür stehen Werkbänke und allerlei nützliches Werkzeug bereit.

Außerdem wird es die offene Erneuer:Bar Bücherei mit Reparatur-Lektüre geben.

„Hier sollen sich die Generationen in Fulda begegnen“, sagt Projetkoordinatorin Katharina Weiner. „Aber es geht auch um die Art und Weise, wie wir mit den Dingen umgehen, die uns im Alltag umgeben. Die Produktgenerationen werden kurzlebiger, immer wieder ist die Rede von sogenannter ‚geplanter Obsoleszenz‘, also dem bewusst herbeigeführten Verschleiß von Produkten.“ Der jährlich deutschlandweit produzierte Elektroschrott wiege circa eine Million Tonnen und somit so viel wie 333.333 Elefanten, erklärt Weiner. „Das alles regt doch zum Nachdenken und Handeln an. In der Erneuer:Bar möchten wir solchen Phänomenen gezielt entgegenwirken. Sicher ist, Nachhaltigkeit funktioniert nur im Austausch miteinander. Deshalb freuen wir uns, in der Erneuer:Bar einen Raum schaffen zu können, in dem Menschen generationsübergreifend und mit ihren individuellen Fähigkeiten voneinander lernen und sich gemeinsam für eine saubere Welt einsetzen können.“


Gesucht werden helfende Hände, die wöchentlich ehrenamtlich ihre Reparatur-Fähigkeiten weitergeben oder den Cafébetrieb mit selbstgemachtem Kuchen bereichern möchten.
Außerdem freut sich das Repair Café über folgende Sachspenden für die Café- und Werkstatteinrichtung: Werkzeug, Kuchenvitrine, Musikanlage, Sichtkühlschrank, Reparatur-Lektüre.                                                              

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Di

26

Jul

2016

Durch Konsum die Welt retten?

Die Welt verbessern durch Einkaufen? Geht das? Oder ist das Anfeuern zum nachhaltigen Konsum ein billiger Trick der Herrschenden, uns ein gutes Gefühl vorzugaukeln, während wir unser Geld denen geben, die die Produktionsmittel besitzen?


Jörg Bergstedt, Buchautor und Aktivist, hat diese Fragen am 11. Juli 2016 bei einem Vortrag in Fulda zu beantworten versucht. Das folgende Video ist ein Audomitschnitt, unterlegt mit passenden Bildern und Filmsequenzen.

Infoseite: www.konsumkritik-kritik.de.vu. Das Büchlein "Konsumkritik-Kritik" aus dem SeitenHieb-Verlag (www.seitenhieb.info) ist über den Buchhandel und über www.aktionsversand.de.vu zu beziehen.

Der Film stammt aus dem Filmstudio der Projektwerkstatt in Saasen (www.projektwerkstatt.de/saasen). Weitere Filme von dort bei YouTube oder unter www.projektwerkstatt.de/filme.

Creative Commons, d.h. anschauen, zeigen, kopieren und zitieren für nicht-kommerzielle Zwecke frei. Die Filmmusik stammt von Sascha Ende (www.ende.tv).

 

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Mo

18

Jul

2016

Sommernachtsträumereien

Die Spielwiese zwischen der Stiftsruine und dem Katharinenturm ist wie gemacht, um erneut die Sommernachtsträumereien nach Shakespeare aufzuführen. Wiese, Büsche, Bäume stellen eine natürliche Basis für die Kulisse dar, auch Mauern, Wege und Zuschauertribüne nutzen die Schauspieler*innen bei der Aufführung. Hinzu kommen Statist*innen, die Zweige und Gebüsche tragen und so zu einem lebendigen Wald werden. Die Illusion einer Sommernacht im Elfenreich entsteht so auch bei Aufführungen im Sonnenschein ohne große Probleme.

Fürst Theseus und Hippolyta stehen kurz vor der Hochzeit. Eine Laienschauspielertruppe um Niklas Zettel und Peter Block soll zu diesem Anlass ein Stück aufführen. Lysander liebt Hermia, doch diese soll Demetrius heiraten, in den Helena verliebt ist. Puck lässt sie alle in einen Traum verfallen, in dem Elfenkönig Oberon für Liebeswirren sorgt. So verliebt sich Elfenkönigin Titania in den in einen Esel verwandelten Zettel und durch eine Verwechslung Pucks verliebt sichg Lysander in Helena.

Für die Inszenierung durch Joern Hinkel wurden dem Sommernachtstraum von Shakespeare eigene Textpassagen hinzugefügt. Theseus/ Oberon und Hippolyta/ Titania werden, nicht zum ersten mal in der Aufführungsgeschichte, von den selben Darstellern gespielt. In der Pressemappe heißt es dazu: „In ihren Träumen jagen Hippolyta und Theseus durch einen Wald aus Wünschen, Ängsten und dunklen Begierden. Ihre Gefühle, die sie sich tags nicht einzugestehen trauen, brechen nachts umso ungestümer hervor – es sind Träume voll sexueller Phantasien, Eifersucht und Rachsucht, aber auch voller Poesie und Komik. Die Erlebnisse des Tages(...) spiegeln sich verzerrt und grotesk in ihren Träumen wieder.“

Das Konzept geht auf, wenn auch einige andere Neuerungen zu rein klassischen Aufführungen etwas bemüht erscheinen.

 

Als Puck brilliert die Schauspielerin Charlotte Puder, die in ihrer Rolle alles gibt, wild, überdreht, launisch und lustig. Außerdem ragen André Eisermann als Zettel und Christian Schmidt mit seinem facettenreichen Spiel als Oberon/ Theseus heraus. Für die zahlreichen Statisten-Rollen und für einige Mitglieder der (laienhaften) Schauspieltruppe wurden tatsächliche Laien-Schauspieler eingesetzt. Nach der Aufführung des Stücks 2015 hatte sich in Bad Hersfeld der Verein „Sommernachtsträumer“ gegründet, was zweifelsohne eine Bereicherung für das Hersfelder Kulturleben ist. Vielleicht ist an diesen Stellen das sehr laienhafte Spiel aber doch ein wenig zu viel der Authentizität.

 

Die Musik ist passend und  stimmungsvoll eingesetzt. Gelungen sind bei der Aufführung Ausstattung und Kostüme. Die Verwandlung der Bediensteten des Fürsten in Elfen uns Waldgesiter des Traumreichs erfolgt durch Kostümwechsel von schwarz-weißen in rote Kostüme. Zweige und große Büsche schmücken die Wiese aus. Alles in allem eine solide Aufführung in einer großartigen Kulisse.

 

Text und Fotos: Markus Weber

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Mo

11

Jul

2016

My Fair Lady

Das Musical My Fair Lady überzeugt bei den Bad Hersfelder Festspielen mit treffsicherer Kulisse, prächtigen Kostümen und prominenter Besetzung. Auch nach starken Regenstürmen und in der Nacht kommt bei der Premierenvorstellung die Stimmung eines grünen Sommertages auf.

 

Das bekannte Musical von Frederick Loewe (Musik) und Alan J. Lerner (Texte) basiert auf dem Schauspiel Pygmalion von George Bernard Shaw und ist zum ersten mal bei den Festspielen zu sehen. Der Linguist und Dialekt-Experte Professor Higgins (Cusch Jung) wettet mit dem ebenfalls sprachinteressierten Oberst Pickering (Gunther Emmerlich), dass er aus dem schlichten berlinernden (in der Originalfassung Cockney-Englisch sprechenden) Blumenmädchen Eliza Doolittle (Sandy Mölling) innerhalb von sechs Monaten eine echte Lady machen kann. Während sie bei den beiden wohnt und Sprache und Umgangsformen der oberen Klassen erlernt, kommt ihr Vater, der Müllsammler Alfred P. Doolittle (Ilja Richter), unerwartet zu Reichtum. Higgins glaubt, dass sich die Kluft zwischen den Klassen über die Sprache überwinden lasse. Eliza dagegen kommt zu der Einsicht, dass der Unterschied zwischen einem Blumenmädchen und einer Lady nicht ist, wie man sich verhält, sondern wie man behandelt wird.

 

Hinter dem launischen Musical mit vielen bekannten Liedern steckt auch die Frage nach Schichtzugehörigkeit, sozialem Aufstieg und der Verachtung der Reichen gegenüber unteren sozialen Klassen – eine Frage, die bei der zunehmenden Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen und einer Politik, die diese sozialen Gegensätze weiter befördert, so aktuell ist wie bei der Entstehung des Stücks vor über einhundert Jahren. Die Umsetzung des Stoffes jedoch ist sehr unterhaltsam und bei der Bad Hersfelder Inszenierung mit einem spielfreudigen Ensemble und einem klasse Orchester aufgeführt.

 

Cusch Jung führte Regie und spielt gleichzeitig die Rolle des Professor Higgins, in der er darstellerisch durchweg glaubhaft ist. Sein Gesang wirkt manchmal jedoch etwas schwach. Gesanglich kann neben Ex-No-Angels-Star Sandy Mölling, die auch schauspielerisch eine gute Figur macht, vor allem Marlon Wehmeiner (als der in Eliza verliebte Freddy Eynsford-Hill) überzeugen. Der jovial auftretende Gunther Emmerlich und der schlitzohrige Ilja Richter sowie einige in das Stück neu eingebaute Witze sorgen für den notwendigen Humor. Die Tanzeinlagen sind besonders bei der großen Hochzeits-Nummer nahezu akrobatisch.

 

Eine Hauzptrolle spiel bei der Inszenierung auch das Bühnenbild: Für die Aufführung des Musicals "My fair Lady" wurde die Bühne der Stiftsruine mit Rasen ausgelegt, die Szenen spielen oft im Park, auf der Straße oder auch auf dem Golfplatz. Szenen im Studierzimmer spielen in einem Zelt in der Mitte der Bühne. Auch ein Oldtimer kommt zum Einsatz. So wird die Freiluftkulisse der Stiftsruine sinnvoll eingesetzt. Die Kostüme spiegeln treffsicher die sozialen Unterschiede zwischen den Schichten wieder, sind aber allesamt kreativ gestaltet.

 

So kann My Fair Lady auch die überzeugen, die nicht die größten Musical-Fans sind und bildet eine vergnüglichen Gegenpart zur hervorragenden, aber sehr ernsten Hexenjagd-Inszenierung.

 

 

Text: Markus Weber

Fotos: Timo Schadt

 

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Mi

06

Jul

2016

Game of Gans

Franziska Reichenbacher ist nicht nur bekannt als "Lotto-Fee" in der ARD, sondern hat auch unter anderem Theaterwissenschaft studiert und stand letztes Jahr bei den Bad Hersfelder Festspielen auf der Bühne. Nun führt sie zum ersten Mal Regie bei dem Märchen "Die goldene Gans" von den Brüdern Grimm.

Seit ihre Mutter gestorben ist, kann die Prinzessin nicht mehr lachen. Ihr Vater, der König, verspricht dem, der sie zum Lachen bringt, ihre Hand und das halbe Königreich. Dummling, der mit seinen beiden Brüdern als Holzfäller arbeitet, ist zwar von schlichtem Gemüt, jedoch auch hilfsbereit. So hilft er einem geheimnisvollen alten Männleinim Wald und . Er findet daraufhin eine goldene Gans, die ihm Glück bringen soll. Doch die Gans zieht Menschen wie magisch an und jeder, der sie berührt, bleibt an ihr kleben. So bildet sich eine immer länger werdende Menschenkette. Nur Dummling sieht nicht nur das Gold, kümmert sich um die Gans und kommt schließlich zum Lachwettbewerb auf dem Schloss.

Bei der Inszenierung gibt es einige Modernisierungen wie Radio und Smartphones, auch Gesangseinlagen. Ergänzt wurde die Märchenhandlung aber vor allem um eine Parallelhandlung um politische Intrigen und Ränkespiele, in der der Kanzler die Macht im Königreich übernehmen will. Somit stehen motivisch Gier nach Gold und Gier nach Macht der Hilfsbereitschaft und dem Idealismus Dummlings gegenüber. Die Erweiterung des Plots trägt zwar in der Tat zur Unterhaltsamkeit des Stückes gerade für Erwachsene bei, doch ist nicht klar, ob Kinder diesen neu geschriebenen Passagen wirklich in allen Teilen folgen können.

"Märchen lassen immer auch Raum für weitere Interpretationen. Sie sind Inspiration und Grundlage, um die Geschichte aus einer anderen Perspektive zu erzählen; aus dem Blickwinkel einer bestimmten Figur, aus dem Blickwinkel von heute. Und die Figuren - im Märchen oft nur archetypisch dargestellt – können als komplexere Charaktere auf der Theaterbühne genauer betrachtet werden. So geht es mit der Uraufführung für die Bad Hersfelder Festspiele 2016 nicht darum, das Märchen Die goldene Gans eins zu eins auf die Bühne zu bringen, sondern darum, die tiefere Bedeutung des Märchens herauszuarbeiten, neue Aspekte in der Geschichte zu entdecken und diese im Grunde sehr komische Geschichte bei aller Ernsthaftigkeit auch spannend zu erzählen", erklärt Franziska Reichenbacher.

Als Darsteller stehen neben Milena Tscharntke, Tilo Keiner oder Christina Rohde, die in Film und Theater bereits Erfahrung haben, mit Benjamin Wilke, Yorick Tortochaux und Sasha René Bornemann drei junge Schauspielabsolventen aus Kassel auf der Bühne. Das Stück wird im Theaterzelt auf der Wiese vor der Stiftsruine gezeigt, wodurch Zuschauer*innen sehr nah an den Schauspielern sind, wo der Platz allerdings auch sehr begrenzt ist.

Text: Markus Weber

Fotos: Timo Schadt und Markus Weber

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Do

30

Jun

2016

Zwei-Klassen-Medizin

Unterschied Privat- und Kassenpatienten: Ärzte in Fulda Rekordhalter

 

Kassenpatient*innen müssen im Schnitt 27 Tage länger auf einen Arzttermin warten als Privatversicherte. In Fulda ist der Unterschied besonders drastisch, wie eine Untersuchung belegt: 41 Tage warten sie dort im Durchschnitt länger. Für Ärzte gibt es einen starken Anreiz, privat Versicherte zu bevorzugen, da sie bei Privatpatient*innen häufig schlicht mehr Geld bekommen. Die Dringlichkeit einer medizinischen Behandlung und Gesundheit stehen so gegebenenfalls im Gegensatz zum Gewinndenken.

Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten Kordula Schulz-Asche (Grüne) haben bei 370 Fachärzten in Hessen um einen Termin gebeten - einmal als Kassen- und einmal als Privatpatient*innen. Das Ergebnis: Gesetzlich Versicherte bekommen einen Termin im Schnitt nach 38 Tagen, Privatversicherte warten 11 Tage. Nur bei 20 bis 30 Prozent der Praxen gab es keine unterschiedliche Behandlung. 2013 betrug die Differenz 20 Tage. In Fulda warten Kassenpatient*innen 56 Tage, 41 Tage länger als Privatpatient*innen. Die Fuldaer sind damit hessenweit Rekordhalter. Spitzenreiter war ein Hautarzt in Fulda: Einem Kassenpatienten wurde erst nach 224 Tagen ein Termin gegeben, dem Privatversicherten nach 7 Tagen.

 

Als Kassenpatient gar kein Termin


„Dringende Behandlungen und Notfälle leiden in Deutschland nicht unter Wartezeiten“, so Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer Hessen. „Einen generellen Anspruch auf einen sofortigen Arzttermin gibt es nicht, Notfälle ausgenommen.“
Doch wie sieht es in Fällen aus, die nicht eindeutig als Notfall deklariert werden? printzip machte den Test: Bei einem Hautarzt in Fulda bekam ein Kassenpatient einen Termin nach 9 Wochen. Beim zweiten Hautarzt konnte nur ein Termin nach fünf Monaten angeboten werden, was nach Aussage der Sprechstundenhilfe „für Sie wahrscheinlich zu spät wäre“. Als Privatpatient dagegen wurde dort ein Termin gleich am nächsten Werktag angeboten. Die dritte Hautarztpraxis hatte eine extra Telefonnummer für Kassenpatienten, auf der zu erfahren ist, dass diese zurzeit nicht angenommen werden.

 

Tipps für Patient*innen


Was können Kassenpatient*innen tun, damit sie nicht erst sehr spät oder unter Umständen keinen Facharzttermin erhalten? Daniela Hubloher, Medizinerin in der Patientenberatung bei der Verbraucherzentrale Hessen, rät dazu, erst eine*n Allgemeinmediziner*in aufzusuchen und sich eine Überweisung geben zu lassen. Hat die Überweisung einen Dringlichkeitsvermerk, sollte das, so Daniela Hubloher gegenüber dem printzip, bei der Terminvereinbarung mit dem Facharzt auf jeden Fall betont werden. Ist auch in einem dringenden Fall erst sehr spät oder kein Termin beim Facharzt zu bekommen, empfiehlt es sich, darum zu bitten, direkt mit dem Arzt verbunden zu werden. Es sei laut der Patientenberaterin der Verbraucherzentrale ohnehin fraglich, ob das Sprechstundenpersonal qualifiziert ist abzuschätzen, wie schnell eine Behandlung geboten ist. Auch könne man den Allgemeinmediziner bitten, seinerseits einen Termin beim Facharzt zu vereinbaren. Das erhöhe die Aussicht auf einen (schnelleren) Termin, so Daniela Hubloher. Außerdiem bietet etwa die Hälfte der Krankenkassen Service-Telefone zur Vereinbarung von Terminen an, auch ohne Überweisung und Dringlichkeit.
Für Überweisungen mit Dringlichkeitsvermerk gibt es seit Januar die neue Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen bei (für Augen- und Frauenärzten ist dort keine Überweisung notwendig). Diese teilt innerhalb einer Woche einen Termin bei einem Facharzt innerhalb einer „zumutbaren Entfernung“ zu. Der Termin liegt in den nächsten vier Wochen. Der Nachteil bei den verschiedenen Terminvereinbarungsstellen ist, dass dadurch die freie Arztwahl nicht mehr gegeben ist. Petra Heß von der Unabhängigen Patientenberatung empfiehlt dennoch, diese Stelle zu nutzen. Die Terminservicestelle der KV Hessen ist montags bis donnerstag von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 14 Uhr erreichbar unter 069-4005000-0.

 

Zwei-Klassen-Medizin


Die Terminvereinbarungsstelle für dringende Fälle ist nicht freiwillig, sondern auf Druck des Gesetzgebers enstanden, wie die Kassenärztliche Vereinigung Hessen einräumt. Sie hat eigentlich den gesetzlichen Auftrag, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Laut Sozialverband VdK Hessen-Thüringen wurde das Angebot nicht richtig beworben.
Ein anderes Bespiel für die Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland ist die weltweit einmalige Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung. Dies führt dazu, dass Spitzenverdienende mit steigendem Einkommen prozentual immer weniger für die Krankenversicherung zu zahlen haben, da es einen festen Maximalbetrag gibt.

 

Es gibt Alternativen

 

Eine tatsächliche Änderung in der Gesundheitspolitik müsste der Bundestag beschließen: Eine einheitliche, solidarische Bürgerversicherung für alle, wie sie Grüne, Linke und SPD fordern. Kordula Schulz-Asche führt aus: „Mit der Bürgerversicherung schaffen wir klasse Medizin für alle. Einer der ersten Schritte auf dem Weg zur Bürgerversicherung ist eine gemeinsame Honorarordnung für Ärztinnen und Ärzte, damit es für gleiche Leistungen endlich das gleiche Geld gibt. Ärztinnen und Ärzte haben dann keinen Anreiz mehr, bestimmte Patientinnen und Patienten zu bevorzugen. Entscheidend für die Wartezeiten auf einen Termin bei Fachärzten wird dann allein die medizinische Dringlichkeit sein.“            

 

Markus Weber

erschienen im printzip 7/2016

 

Die Studie als Download (pdf):

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Di

28

Jun

2016

Krabat

Der künstlerische Leiter der Festspiele Joern Hinkel hat den Jugendbuchklassiker von Otfried Preußler bearbeitet und inszeniert.

 

Die Handlung spielt Anfang des 18. Jahrhunderts: Der Waise Krabat (Anton Rubtsov) findet eine Anstellung in einer Mühle. Bald findet er heraus, dass die Gesellen dort nicht nur hart arbeiten müssen, sondern auch dunkle Magie erlernen. Ihr Meister (Robert Joseph Bartl) aber hat einen Pakt mit dem "Gevatter" geschlossen: Jedes Jahr  muss einer der Müller-Gesellen sterben, damit der Meister weiter leben kann, so auch Krabats Freud Tonda (Rasmus Borkowski). Als sich Krabat in ein Mädchen (Kristin Heil) aus dem Dorf verliebt, was den Gesellen nicht erlaubt ist, wendet er sich gegen den Meister.

 

 

Im Vorfeld hatte Joern Hinkel erklärt, dass ihn  Methoden des Meisters an die Gehirnwäsche religiöser oder politischer Fanatiker von heute erinnere“. Ihn beeindrucke „wie genau Otfried Preußler das allmähliche Abgleiten in die Abhängigkeit zu einem Anführer schildert, der dem jungen Krabat all das verspricht, was jungen Leuten ohne Orientierung heute so attraktiv scheint: Du bist besser als die anderen! Du bist auserwählt! Du wirst Macht über die anderen Menschen haben! Und wenn du bereit bist, den Kontakt zum Rest der Welt abzubrechen, wenn du mir ohne Kompromisse folgst, wirst du irgendwann einmal meine Nachfolge antreten.“

 

 

Wie Dieter Wedel bei seiner Hexenjagd verzichtet aber auch Hinkel bei der Inszenierung dann doch auf allzu plakative Anspielungen auf zeitgeschichtliche Parallelen, die vielleicht auch allzu oft in Stücke hineininterpretiert werden. Seine Inszenierung bleibt in Worten, im Spiel und in den Kostümen klassisch, was der Aufführung gut tut.

Die Schauspieler sind zwar nicht die großen Stars, bieten jedoch eine sehr solide Darbietung. Der Darsteller des Meisters agiert allerdings etwas zu wenig unheimlich. Unheimlicher wirkt schon eher die Erzählerin (Viola von der Burg), die eine relativ große Rolle in der Aufführung einnimmt.

Die Musik ist passend und die Lichteffekte sind gut eingesetzt. Bei der Premiere gab es allerdings ein paar Tonprobleme. Das Bühnenbild mit einer Mühle und einer großen Drehplattform sowie einige  Effekte können überzeugen. Rundum gelungen choreografiert sind auch die Massenszenen, an denen insgesamt über 100 jungen Statisten aus der Region mitwirken.

 

Text: Markus Weber

Fotos: Timo Schadt/ Markus Weber

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Mo

27

Jun

2016

Hexenjagd

Verfolgung und Wahn, Lügen und Gerüchte, Rückgratlosigkeit und Opportunismus - darum geht es bei Arthur Millers „Hexenjagd“. Eine Neuinszenierung durch Intendant Dieter Wedel bildete den Auftakt der diesjährigen Bad Hersfelder Festspiele.

Salem, Massachusetts: Abigail Williams (Corinna Pohlmann intensiv, aber knapp an der Grenze zum Overacting) und ihre Freundinnen werden vom örtlichen Pastor Parris (André Eisermann) dabei erwischt, wie sie im Wald tanzen. Um einer Strafe zu entgehen, beschuldigen die Mädchen andere Einwohner*innen, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Innerhalb kurzer Zeit bildet sich aus Aberglauben, Vorurteilen und Gerüchten eine wahre Verfolgungshysterie. Frauen und Männer werden angeschuldigt, um abzulenken, aus Eifersucht oder aus Habgier. Reverend Hale (Richy Müller) erkennt allmählich den Wahnsinn: „In der Tiefe Ihrer finsteren Seelen wissen Sie doch alle, dass das hier Betrug ist.“ Doch gäben die Richter (André Hennicke und Hans Diehl) dies zu, würde ein Aufstand drohen. Schließlich werden auch John Proctor (Christian Nickel), der eine Affäre mit Abigail hatte, und seine Frau (Elizabeth Lanz) festgenommen. Kann er die Sache aufklären, wird er zu seinen Prinzipien stehen, oder wie viele andere Beschuldigte (unter anderem Janina Stopper) einknicken?


Dieter Wedel ist es gelungen, für das Stück bis in die Nebenrollen bekannte Film- und Theaterschauspieler zu versammeln, etwa Horst Janson als zänkischer Alter. Kaum wiederzuerkennen ist Jasmin Tabatabai als Bettlerin, die in Video-Einspielern erscheint. Dies ist die große Innovation dieser Inszenierung: Auf einem großen Bildschirm kommentieren beteiligte Personen das Geschehen, auch ganze Szenen sind dort zu sehen. Teilweise interagieren die Personen auf der Leinwand auch mit denen auf der Bühne, was perfektes Timing erfordert. Bei der Premiere ist dies gelungen.


Die Optik der Handlung wurde vom Jahr 1692 in die 1930er verlegt. Dies soll wohl die Zeitlosigkeit der Handlung schreiben, die Arthur Miller bereits als Analogie zu McCarthy-Ära konzipierte. Das geht jedoch nicht ganz auf, wenn etwa ein Radio zu hören und ein Motorrad zu sehen sind, aber gleichzeitig von Hexen gesprochen wird. Auch ein paar Westernklänge stören die ansonsten sehr passende Musik. „Ich wollte das Stück nicht wie Arthur Miller im Mittelalter ansiedeln, das ist zu weit weg und zu romantisierend“, erklärt Wedel. Auch wenn das Mittelalter da schon 200 Jahre her war, versteht man doch den Ansatz von Wedel: Die Mechanismen der Massenhysterie sind zeitlos. Unheimliche, finstere Mächte am Werk zu sehen, die man für Übel verantwortlich machen kann, ist auch heute noch ein verbreitetes Phänomen. Die Parallelen zur Gegenwart sind jedoch deutlich weniger explizit, als dies im Vorfeld angekündigt war. Sie erschließen sich eher durch Reflexion der Ereignisse. So überzeugt die Neuauflage als handwerklich hervorragend gemachte, aber eher zeitlose als moderne Inszenierung.

Hexenjagd ist bis 31. Juli bei den Bad Hersfelder Festspielen zu sehen.
Tickets ab 29 Euro.            

 

Text: Markus Weber

Fotos: Timo Schadt/ Markus Weber                                                                

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Fr

03

Jun

2016

Bürgerbeteiligung an hessischem Klimaschutzplan

Das Energieforum Region Fulda und der Arbeitskreis Energiesparen Fulda rufen alle interessierten Bürgerinnen und Bürger auf, den Klimaschutzplan der hessischen Landesregierung konstruktiv zu unterstützen. Bis zum 17. Juni 2016 ist dies im Internet unter www.klimaschutzplan-hessen.de möglich.

 

In den vergangenen Monaten hat ein Gremium von wissenschaftlichen Einrichtungen Maßnahmenvorschläge für den "Integrierten Klimaschutzplan Hessen 2025" fachlich ausgearbeitet. Dessen Ziel ist es, Hessen bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu machen und die Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um mindestens 90 Prozent zu reduzieren. Dabei sind Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel vorgesehen. Die Themenfelder umfassen Mobilität, Energie und Wirtschaft, Landnutzung sowie Leben und Wohnen.

 

Nun können alle Bürgerinnen und Bürger die Maßnahmenvorschläge lesen und ihre Anregungen einbringen. Die Maßnahmen können befürwortet oder kritisch kommentiert werden. Lediglich eine Anmeldung auf der Webseite ist notwendig. Nach dem Ende des Beteiligungsverfahrens werden die Forschungseinrichtungen die Rückmeldungen der interessierten Öffentlichkeit berücksichtigen und die Maßnahmenvorschläge überarbeiten. Im Anschluss behandelt die Landesverwaltung die Maßnahmenvorschläge sowie alle Kommentare. Der Klimaschutzplan soll voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte von der Landesregierung verabschiedet werden.

"Wir können alle nur profitieren, wenn möglichst viele Bürgerinnen und Bürger ihre Erfahrungen und Praxiskenntnisse mit einbringen. So kann gewährleistet werden, dass die Maßnahmen auch wirklich praxistauglich und umsetzbar sind", so Timo Schadt, Sprecher des Energieforums Region Fulda. Schadt, der als Regionalpartner der Hessischen Energiespar-Aktion auch dem Arbeitskreis Energiesparen Fulda angehört hofft, dass möglichst viele Menschen aus der Region dieses Angebot der Landesregierung nutzen.

Bürgerinnen und Bürger können sich auch ohne Registrierung auf der Online-Plattform mit Anregungen und Ideen an den Arbeitskreis Energiesparen Fulda per E-Mail wenden: kontakt@umweltzentrum-fulda.de.

 

 

Das Energieforum Region Fulda entwickelt Ideen und Empfehlungen für eine sichere, bezahlbare, regenerative und ökologische Energieversorgung. Es wurde Anfang 2013 auf Beschluss des Kreistags ins Leben gerufen. Es ist Plattform für den Austausch unterschiedlicher Akteure und unterstützt den Dialog zwischen Bürgern und Politikern. Neben Energieerzeugern, Energieversorgern und Netzbetreibern engagieren sich Akteure aus Politik und Verwaltung, Unternehmen, Energiegenossenschaften und Handwerker sowie Verbände, Vereine und interessierte Privatpersonen im Forum.

 

Dem Arbeitskreis Energiesparen Fulda gehören 23 Mitglieder aus Wirtschaft und Handwerk, Verwaltung, Umwelt- und Verbraucherschutz, Wissenschaft und Bildung, Sachverständigen, Kirche und Politik an. Seit 1994 organisiert das Umweltzentrum Fulda alljährlich im Herbst mit dem Arbeitskreis die Fuldaer Energiesparwochen.

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Mi

01

Jun

2016

Fairer Handel statt TTIP

Interview mit Stefan Körzell vom DGB-Bundesvorstand

 

Stefan Körzell ist im Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zuständig für die Handelsabkommen TTIP und CETA. Anfang Mai war der gebürtige Wildecker zum Interview in der printzip-Redaktion. Für Körzell, der einst das printzip mitgegründet hat, sozusagen ein Heimspiel. Daher hatte die heutige printzip-Mannschaft sich auch ein kleines Experiment überlegt. Der Gewerkschaftsfunktionär hatte die Möglichkeit, von einem Büfett (siehe oben) Belag für Tortillas oder Fladenbrot individuell zusammenzustellen. Die Herkunft der Lebensmittel war beschildert, so dass Stefan Körzell sich ein gutes Bild darüber machen konnte, was er da zu Essen bekam.
Doch wo war der Haken? Es musste ja etwas mit der Kritik an den geplanten Handelsabkommen zu tun haben. Und richtig, während der Belag nachvollziehbar unbedenklich war, hatte das printzip-Team die Falle bei den Tortillas gelegt. Diese waren nämlich aus US-amerikanischen Gen-Mais hergestellt. Doch Körzell hatte nach dem alternativ gereichten unbedenklichen Fladenbrot gegriffen und ging somit dem printzip-Team nicht auf den Leim. Bei Zustandekommen des TTIP-Handelsabkommens müsste möglicherweise zukünftig die gentechnologisch veränderte Herkunft der Tortilla-Zutat nicht mehr gekennzeichnet werden. Wer dann in eine vergleichbare Situation wie Stefan Körzell käme, wäre dem ähnlich ausgeliefert.

printzip: Greenpeace hat bisher geheim gehaltene Papiere aus den TTIP-Verhandlungen zwischen den USA und der EU veröffentlicht. Was ist Ihre Meinung dazu?
Körzell: Wir sind froh, dass das geleaked worden ist. Verfahren wie diese, die hunderte Millionen Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks betreffen und die auf jeden Einzelnen wirken, müssen von vornherein transparent sein und nicht geheim. Dank der Leaks sehen wir nun zum ersten Mal tatsächlich die Position der USA und die zum Teil sehr weit auseinandergehenden Positionen zwischen den Verhandlungspartnern.

printzip: Neben TTIP gibt es auch das Freihandelsabkommen mit Kanada, CETA. Der Bundestag hat ihm noch nicht zugestimmt, trotzdem könnte es schon in Kraft treten. Was hat es damit auf sich?
Körzell: Handelspolitik ist Angelegenheit der Europäischen Kommission, aber Abkommen, die auch Nicht-Handelsfragen betreffen, müssen in den nationalen Parlamenten verabschiedet werden. Wir sind der Meinung, dass es sich sowohl bei CETA als auch bei TTIP um solche Abkommen handelt. Und das heißt für uns auch, dass die EU-Kommission die Abkommen nicht schon vor der Ratifizierung durch die Parlamente in Kraft setzen sollte. Wir hoffen, dass die EU-Kommission das ebenso sieht. Entscheidend ist für uns aber: Was passiert noch auf dem Weg dahin, gibt es noch nachhaltige Änderungen?

printzip: Welche Änderungen wären das? Was sind die Hauptkritikpunkte an TTIP und CETA?
Körzell: Wir sind nicht gegen Handelsabkommen, wir sind für fairen internationalen Handel, der auch den Menschen was bringt, von dem alle etwas haben und in dem auch die Arbeitnehmerrechte geschützt sind. Für uns sind drei Punkte sehr wichtig: die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, die umgesetzt werden müssen, die Investitionsgerichte, die so für uns nicht in Ordnung sind, und die öffentlichen Dienstleistungen, die ausgenommen werden sollten. Bei TTIP kommt noch die regulatorische Kooperation hinzu.

printzip: Die Kernarbeitsnormen - also fundamentale Standards zu Arbeitnehmerrechten?
Körzell: Ja, genau. Das ist für uns eine wichtige Voraussetzung in beiden Abkommen, da die ILO-Kernarbeitsnormen ein Grundstandard bei den Arbeitnehmerrechten sind, und ganz wichtig bei der Frage, wie wir uns am Ende, wenn die Texte alle ausverhandelt sind, dazu verhalten und positionieren werden.

printzip: Wie ist der Stand bei den Arbeitnehmerrechten in den Abkommen?
Körzell: Die Kanadier scheinen bereit zu sein, die letzten beiden ILO-Kernarbeitsnormen, die sie nicht anerkannt haben, zu ratifizieren: Vereinigungsfreiheit und die Altersbegrenzung bei Kinderarbeit. Bei den USA ist das noch mal anders, die haben nur zwei von den insgesamt acht Normen anerkannt: die gegen Sklaven- und die gegen Kinderarbeit. Das Problem ist auch, dass es in den USA auf einzelstaatliche Regelungen ankommt, also alle Bundesstaaten dieses Verfahren selbst machen müssten. Ob das kommt, ist schwierig einzuschätzen.


printzip: Wie ist das Verhältnis des DGB zu amerikanischen Gewerkschaften?
Körzell: Wir sind ständig im Gespräch, auch mit den kanadischen Gewerkschaften. In der gewerkschaftlichen Familie mit den Amerikanern und den Kanadiern ist es Konsens, dass wir eine Anerkennung und Umsetzung der ILO-Kernarbeitsnormen fordern.

printzip: Wie könnten Arbeitnehmerrechte in Freihandelsabkommen noch gesichert werden?
Körzell: Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte müssen genauso sanktionierbar sein, wie Verstöße gegen Handelsrecht – das gehört in den Verträgen festgeschrieben. Wenn festgestellt wird, dass es in einem Unternehmen eklatante Verstöße gibt, muss das auch zu spürbaren Sanktionen führen.

printzip: Das hört sich ein wenig nach den umstrittenen Schiedsgerichten an.

Körzell: Nein. In den USA und in der EU gibt es demokratisch legitimierte Rechtssysteme. Dieser Rechtsstaatlichkeit vertrauen die Bürger. Warum sollen es die Unternehmen nicht? Wir brauchen keine extra Schiedsgerichte. Wir brauchen kein zweigleisiges Recht.

printzip: Neben den Schiedsgerichten wird bei TTIP auch das Verfahren der ‚regulatorischen Kooperation‘ kritisiert. Was bedeutet dies?
Körzell: Regulatorische Kooperation bedeutet, dass man alles, was man regulieren will, vorher dem Handelspartner mitteilt und dann darüber gesprochen wird, ob das überhaupt nötig ist. Die USA gehen da sehr weit. Sie sagen, wer regulieren will, muss wissenschaftlich und mit technischer Analyse belegen, dass diese Regulierung notwendig ist und es muss eine Kosten-Nutzen-Abschätzung gemacht werden. Laut dem Wirtschaftsvölkerrechtler Markus Krajewski würde dies die europäische Gesetzgebung in Umwelt- und Verbraucherschutzfragen erheblich erschweren. 

printzip: Also wären die strengeren europäischen Standards gefährdet?
Körzell: Es ist ja nicht immer so, dass wir hier die weitestgehende Regelung haben. Ein Medikament neu zuzulassen, ist in den USA schwieriger. Auch Finanzdienstleistungen sind dort schärfer geregelt. Aber was die USA jetzt wollen, ist: Wir bringen ein Produkt erst mal auf den Markt. Wenn es sich dann beispielsweise auf die Gesundheit negativ auswirkt, dann muss das belegt werden und erst dann kann man es wieder vom Markt nehmen. In Europa wird die Untersuchung und Folgenabschätzung vorher gemacht. Wir wollen dieses Prinzip beibehalten, es hat sich bewährt.

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Mi

25

Mai

2016

Keine Angst vorm lieben Wolf

Der Wolf kehrt zurück nach Deutschland - und mit ihm alte Ängste und Vorurteile. Werden Wölfe zur Gefahr für Nutztiere? Werden sie die Wildbestände dezimieren? Werden sie vielleicht gar für den Menschen gefährlich? Mit solchen Fragen beschäftigten sich die 23. Wildbiologischen Woche, die vom Umweltzentrum Fulda in Zusammenarbeit mit dem Forstamt Hofbieber veranstaltet wurden. Hier zeigten Experten ein durchaus anderes Bild als das des großen bösen Wolfes.

Wölfe in Mitteleuropa
M. Bathen/ NABU

Weltweit gibt es circa 170.00 Wölfe, davon in Europa etwa 14.000. Seit dem Jahr 2000 zieht es sie auch wieder nach Deutschland. Den Anfang machten polnische Wölfe in der Lausitz. In Deutschland leben heute 36 Rudel und sieben Wolfspaare. Auch in Hessen wurden schon einige durchziehende Wölfe gesichtet oder tot aufgefunden. Fünf Jahre lebte ein Wolf im Reinhardswald bei Kassel. Anfang März nahm eine Fotofalle im nordhessischen Söhrewald einen Wolf auf. Am 6. Mai wurde ein Tier bei Marburg überfahren. Der vor 150 Jahren vom Menschen in Deutschland ausgerottete Wolf kehrt langsam aber sicher zurück.
2012 gab es im Forstamt Hofbieber und im Forstamt Bad Hersfeld erste Wolfssichtungen. Im letzten Jahr hielt sich ein Wolf monatelang im Bereich des Forstamtes Hofbieber auf.

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Mo

23

Mai

2016

Welcome In Wohnzimmer

Welcome In Wohnzimmer Fulda

Gemeinsam mit Geflüchteten einen Ort schaffen, den es in den Unterkünften oft nicht gibt. Einen Ort, in dem sie sich mit mehreren Leuten treffen können, einen Kaffee  oder Tee trinken. Einen Begegnungsraum schaffen, in dem sie Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung aufnehmen können. Ein Raum, der nicht nur Geflüchteten, sondern wirklich allen Interessierten offensteht. Barrieren überwinden. Das war die Vision der Wohnzimmer-Gruppe der Fuldaer Geflüchteten-Inititative Welcome In. Monatelang waren sie aktiv, sprachen mit Vertretern der Politik, von Vereinen und der Wirtschaft, suchten Unterstützer*innen und sahen sich Räume an. Nun sind sie fündig geworden. printzip war bei der Entscheidung mit dabei:

In den ehemaligen Räumen des Feinkostladens W. Oswald, Vor dem Peterstor 9 in Fulda, soll nach Vorstellung der Initiative das Wohnzimmer entstehen. 70 Quadratmeter stehen als Raum vorne zur Verfügung, außerdem noch Zimmer, von denen eines beispielsweise als Küche genutzt werden könnte. „Die Räume sind perfekt für uns“, so Jochen Schiersch, der die Arbeit des Projekts koordiniert. Und wirklich, sie befinden sich in zentraler Lage und an einem Ort mit einem guten Ruf bei Fuldas Bürger*innen. Auch das große Schaufenster macht deutlich: Man möchte nicht abgeschottet unter sich sein, sondern in die Stadt hinein, um eine wirkliche Integration der Geflüchteten in die Gesellschaft voranzubringen.
Zu Beginn soll Kaffee und Kuchen oder belegte Brote gegen Spenden ausgegeben werden. Dabei sind sie auf auf das Solidaritätsprinzip angewiesen: Wer mehr hat, spendet etwas, damit weniger Wohlhabende etwas kostenlos essen und trinken können und sich das Konzept trägt. Auch Gruppen, die in der Arbeit mit Geflüchteten und gegen Rechtsextremismus aktiv sind, wollen sich künftig in den Räumlichkeiten treffen. Später könnten eventuell weitere Räume für Sprachkurse und Seminare oder ein Lagerraum für Sachspenden dazukommen.

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Umgang mit der AfD:

Wachsamkeit statt Ignoranz!

 

 

Das Bündnis „bunt statt braun“ Hersfeld-Rotenburg sieht in der AfD eine demokratiefeindliche Gruppierung und verlangt spätestens nach den erschreckenden Wahlergebnissen, sich ihr mit allen demokratischen Mitteln entgegenzustellen. Der Sprecher des Bündnisse Timo Schadt formuliert in einer Pressemitteilung: "Wer die rechten Tendenzen innerhalb der AfD ignoriert, verschließt die Augen vor der Realität. Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg offenbart sich, wie sich die AfD hinter ihrer bürgerlichen Fassade aufgestellt ist."

 

 

Fischen am rechten Rand und gezielter Tabubruch

 

Die AfD, so das Bündnis, spiele die Klaviatur des Populismus, habe mit Ressentiments die politische Bühne erobert und es verstanden, das Thema Geflüchtete für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Sie fische auf diese Weise ganz bewusst am trüben rechten Rand.

 

So schüre sie Ängste und Vorbehalte gegenüber Geflüchteten, verbündeten sich mit der islam- und fremdenfeindlichen PEGIDA und erkläre somit Angst zum politischen Inhalt und Angstmacherei zur legitimen Kommunikationsform. "Gegen alles Fremde hetzen, gezielt mit Pauschalisierungen und Legenden arbeiten und einfache Antworten auf komplexe Sachverhalte geben, all das prägt die offiziellen Aussagen der Parteioberen", so Frank-Nico Jaeger, Pfarrer der Evangelischen Stadt- und Johanneskirchengemeinde Bad Hersfeld und Mitglied des Bündnisses.

 

Die AfD suche stets den öffentlichen Tabubruch und fordere schon mal den Schießbefehl an der Grenze, lasse rassistische Äußerungen von Funktionären zu und diffamiere anschießend die Presse, wenn diese kritisch darüber berichtet. Den Landesverband Saarland musste der Bundesvorstand der AfD mittlerweile auflösen, weil die Parteispitze dort zu enge Kontakte zur NPD unterhielt. In Hessen und Thüringen hat die NPD, eine Partei, die aufgrund ihrer verfassungsfeindlichen Ausrichtung mit einem Verbot zu rechnen muss, der AfD eine breite Kooperation angeboten.

 

 

Radikalisierung auch in Hersfeld-Rotenburg

 

„Man kann in der AfD einen Radikalisierungsschub beobachten,“ so Timo Schadt weiter. Der zeige sich nicht nur in den rassistischen und menschenverachtenden Aussagen des AfD-Vorsitzenden in Thüringen, Björn Höcke, wenn er gegen die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes wettere und vom „1.000-jährigen Reich“ schwadroniere.

 

Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg hat Bernd Ebhardt aus Alheim, Kandidat der AfD für den Kreistag im Internet widerliche Bilder veröffentlicht und über Angela Merkel geschrieben, man müsse "dieses Weib hängen". Ein anderer Kreistagskandidat der AfD, Axel von Baumbach, hat sich von dubiosen Zirkeln, die die Bundesrepublik Deutschland schlechthin als nicht-rechtmäßigen Staat diffamieren, zum „Reichsinnenminister“ ausrufen lassen. Frank-Nico Jaeger meint: „Wer solche Kandidaten aufstellt, der geht den Weg der Ignoranz und ist blind für diese neue Gefahr von rechts“.

 

 

 

"bunt statt braun" HEF-ROT ist ein Bündnis von Menschen und Organisationen im Landkreis Bad Hersfeld-Rotenburg für Toleranz und Vielfalt, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Dem parteiübergreifenden Bündnis gehören auch Vereine, Projekte, Gewerkschaften, Kirchen und Privatpersonen an. Weitere Informationen: http://www.buntstattbraun-hef-rof.de

 

 

Das printzip nun noch mehr online

Der Wolf kommt

Früher war der Wolf in ganz Europa verbreitet, wurde dann jedoch durch menschliche Verfolgung ausgerottet oder auf wenige, isolierte Vorkommen zurückgedrängt. Gründe waren die zunehmende Nutztierhaltung des Menschen und seine Rolle als Beutekonkurrent.


In den letzten Jahrzehnten erfolgte jedoch ein Umdenken und der Wolf wurde in einigen europäischen Ländern unter Schutz gestellt. Seit 1992 stehen Wölfe EU-weit als prioritäre FFH*-Art unter Schutz. Der Wolf ist in Hessen willkommen. In vielen Umfragen und Untersuchungen über mehrere Jahre hinweg hat sich der bundesweite Trend gefestigt: Rund drei Viertel der Bevölkerung finden es gut, dass es wieder Wölfe in Deutschland gibt.


Die Chance, einen Wolf zu Gesicht zu bekommen, ist äußerst gering. Viele angeblich einem Wolf zugeschriebene Ereignisse und Sichtungen stellen sich als Fehlmeldungen heraus. Es ist deshalb wichtig, das künftige Zusammenleben von Wölfen und Menschen auch in Hessen vorzubereiten.


Mit den Wildbiologischen Wochen zum Thema Wolf möchten das Umweltzentrum Fulda und das Forstamt Hofbieber sachliche Informationen in die Region tragen und damit eine Grundlage zur weiteren Verbreitung des Wolfes bei uns schaffen. Unterstützt wird die Veranstaltungswoche vom Naturschutzbund Kreisverband Fulda, von der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Kreis Fulda.      

    

Veranstaltungen im Rahmen der 23. Fuldaer Wildbiologischen Wochen

 

Ausstellung „Willkommen Wolf“

Montag, 11. April 2016,
bis Freitag, 6. Mai 2016
NABU-Bundesverband
Geöffnet Montag bis Freitag
Zeiten: 13.00 bis 16.00 Uhr
Gruppen außerhalb dieser Zeiten
nach Anmeldung.
Ort: Umweltzentrum Fulda

Angebot für Schulklassen:

Zum Thema Wolf wird ein Workshop für Schulklassen angeboten (2 – 3 Zeitstunden). Nachfragen und Anmeldungen bitte an das Umweltzentrum Fulda.
Buchungen bitte bis zum 28.3.2016

Veranstaltungen:

Informationsabende:
Wie verhalten sich Wölfe? 
Was heißt das für ein Leben
in Nachbarschaft mit dem Wolf?
Montag, 18. April 2016, 19.00 Uhr
Ort: 36145 Hofbieber, Biebertalschule
Mittwoch, 20. April 2016, 19.00 Uhr
Ort: 36129 Gersfeld, Schulviertel
Donnerstag, 21. April 2016, 19.00 Uhr,
Ort: 36115 Hilders, Ulstertalschule
Stielerstrasse 1-5
Referenten: Bernd Mordziol-Stelzer (Forstamt Hofbieber), Holger Jost (Umweltzentrum Fulda e.V.), Julia Djabalameli (Spiegelshof, Ehrenberg)

Mittwoch, 27. April, 15.00 – 17.30 Uhr
Artenschutz im Unterricht
am Beispiel Wolf
Lehrer*innenfortbildung (unter Hinzuziehung von Artenschutzmaterial des WWF)
Anmeldung: Im Umweltzentrum Fulda bis zum 22.4.2016
Leitung: Holger Jost
(Umweltzentrum Fulda e.V.)

Freitag, 29. April 2016, 19.00 Uhr
Vortrag mit Film zum Thema:
„15 Jahre Erfahrungen im Zusammenleben mit den Wölfen in Sachsen“
Sebastian Körner, (Lupovision natur film produktion, Spreewitz) begleitet im Wildbiologischen Büro LUPUS zusammen mit Ilka Reinhardt und Gesa Kluth die natürliche Rückkehr der Wölfe, im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft sowie mit Unterstützung der Bundesforstverwaltung und des Internationalen Tierschutzfonds IFAW, fachlich und wissenschaftlich. Biologe und Tierfilmer Sebastian Körner führt schwerpunktmäßig das Monitoring in Sachsen-Anhalt und im Süden Brandenburgs durch. Seine Filmaufnahmen dienen der Dokumentation. Außerdem dreht er eine Filmdokumentation über die Wölfe in der Lausitz im Auftrag des NDR. Sebastian Körner zeigt Filmaufnahmen und steht für Fragen und Diskussionen zur Verfügung.
Ort: VHS-Kanzlerpalais Fulda
Der Eintritt ist kostenfrei.

Dienstag, 3. Mai 2016, 19.00 Uhr
Wölfe in Hessen und die Arbeit der NABU-Landesarbeitsgruppe Wolf
Vortrag und Diskussion
Referenten: Maren Nowak / Michael Röth (NABU-LAG Wolf)
Ort: Umweltzentrum Fulda

 

Anmeldung & weitere Infos:
Umweltzentrum und Gartenkultur Fulda e.V.
Johannisstraße 44, 36041 Fulda,
Telefon:  0661 - 970 97 90, 
Email:  kontakt@umweltzentrum-fulda.de,   Homepage: http://www.umweltzentrum-fulda.de

                                   

Foto: M. Bathen/ Willkommen Wolf! Das Wolfsprojekt des NABU

Will die CDU mit der AfD?


Die AfD wird von einigen als möglicher Koalitionspartner der CDU gehandelt. Vereinzelt gibt es christdemokratische Stimmen, die sich für den Dialog mit den Rechtpopulisten aussprechen.

 

Die osthessische CDU will allerdings von derartigen Fragestellungen Abstand nehmen. Dr. Walter Arnold, Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Fulda, äußerte einige Tage nach der hessischen Kommunalwahl gegenüber dem Monatsmagazin printzip: „Für solche Gespräche stehen wir nicht zur Verfügung.“ Timo Lübeck, der Kreisvorsitzende der CDU Hersfeld-Rotenburg schloss sich ihm an: „Die AfD in Hersfeld-Rotenburg ist ohne kommunalpolitisches Programm angetreten und hat ausschließlich auf bundespolitischen Protest gesetzt. Vor diesem Hintergrund sehe ich keine Grundlage für eine inhaltliche Zusammenarbeit im Kreistag.“ Er begegnet der AfD mit deutlicher Distanz und formuliert: „Uns geht es darum, mit Landrat Dr. Michael Koch den Landkreis weiter erfolgreich voranzubringen. Was die AfD vor Ort bewegen will, wissen wir bislang nicht.“

 

Einer, der über die Liste der AfD in den Kreitstag Hersfeld-Rotenburg gewählt wurde ist Axel von Baumbach. Wie die Frankurter Rundschau am 4. März berichtete war der Kirchheimer 2012 zum „Innenminister des Deutschen Reichs“ einer kommissarischen Reichsregierung ernannt worden. Die Anhänger der sogenannten „Reichsbürgerbewegung“ erkennen die Bundesrepublik nicht an, sondern gehen davon aus, dass das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 noch exisiere. Von Baumbach und Bernd Ebhardt, ein anderes über die AfD-Liste gewähltes Kreistagsmitglied, der über Angela Merkel veröffentlichte, man müsse „dieses Weib hängen“ haben inzwischen - wenn auch unter Protest - auf ihre Kreistagsmandate verzichtet.

 

Timo Lübeck und Dr. Walter Arnold hatten also vollkommen zu recht schon vor der Wahl Bündnisse mit der AfD kategorisch ausgeschlossen. Dr. Arnold erklärte gegenüber dem printzip: „Wir haben unser Wahlziel nicht erreicht. Das ist bitter. Wenn Sie so wollen eine Niederlage.“ Er will in den nächsten Wochen im Kreis der Partei und Fraktion über Konstellationen sprechen, ist sich aber sicher: „Wer sich mit Leuten zusammentut, die sich für Schießbefehle aussprechen, kommt für uns nicht als Partner in Frage.“ Und sein Vorsatz für die parlamentarische Arbeit ist: „Wir wollen dem Spuk in dieser Legislaturperiode ein Ende setzen."

 

Text & Foto: Timo Schadt / Auszug aus "Phantomschmerzen - Die AfD nach den Wahlen", printzip 4-2016

Taten-Bank für Osthessen

Aktuelle Infos aus selbstorganisierten Initiativen für Geflüchtete, gegen Rechts, für Kultur und Umwelt in Osthessen bietet ein monatlich erscheinender Projekte-Newsletter. Er gibt interessierten Menschen Einblick in das Netzwerk aus zahlreichen Projekten in der Region und lädt zum Mitmachen ein.

 

Dahinter steht der gemeinnützige Förderverein Kultur & Umweltbildung e.V. Er ist unter anderem Trägerverein der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft Gelbe Rübe, von MenschenMitMenschen und den Zeppelingärten sowie der Herausgeber des Monatsmagazins printzip.


Der Newsletter ist zu abonnieren unter: http://www.taten-bank.de         

Seminarreihe für Ehrenamtliche

Professionelle Methoden lernen, um Handlungskompetenzen zu verbessern - diese Möglichkeit bietet der Stadtjugendring Bad Hersfeld in seiner Seminarreihe „Neuer Wind für Vereinsarbeit“ ehrenamtlich Engagierten. Wie lässt sich Öffentlichkeitsarbeit moderner und zielgerichteter gestalten? Wie können wir eine offene und gewinnbringende Kommunikation strukturieren? Welche kommunalen Institutionen gibt es und wo können sie weiterhelfen? Wie sieht die Vereinsarbeit von morgen aus?

 

Diese Fragen werden in der Seminarreihe beantwortet. Bei den einzelnen Veranstaltungen soll es aber nicht nur um Theorievermittlung gehen, es soll auch der Austausch über regionale Problemstellungen und praxisbezogene Übungen nicht zu kurz kommen. Es geht um die Realisierung von Projekten, die für eine erfolgreiche Vereinsarbeit hilfreich sind.

 

Den Anfang macht am 23. April printzip-Verleger Timo Schadt mit einem Seminar zur Medien- und Öffentlichkeitsarbeit für Ehrenamtliche. Am 11. Juni stellt Tabea Heipel kommunale Verwaltung und Strukturen vor. Am 3. September geht es um Kommunikationstraining und Kommunikationsmanagement, Referentin ist Astrd Böttger. Am 12. November zeigt Martin Lüer Möglichkeiten einer integrierenden und realisierenden Vereinsarbeit auf.


Die Seminare finden jeweils um 10 Uhr im Buchcafé Bad Hersfeld statt. Informationen und Anmeldung unter http://www.sjr-bad-hersfeld.de und unter 06622.506002                                                              

AfD Friedensdemo?

Am 6. März wird in den hessischen Kommunen gewählt. Der Wahlkampf hat begonnen. Einige haben sich vorgenommen, dabei das Thema „Geflüchtete“ auszusparen, oder zumindest nicht heiß zu kochen. Andere gießen mehr oder minder bewusst Öl ins Feuer, denn die Volkesstimmung ist gerade ordentlich aufgeheizt. Manch ein regionaler Bürgermeistermeister schien sich dazu berufen zu fühlen, via Facebook eigene Einschätzungen abzugeben (mehr dazu im Februar-printzip).

Nicht nur in diesem „sozialen“ Netzwerk sind Wortmeldungen zu finden, ebenso an der Gebäudefassade der SPD-Geschäftsstelle in Bad Hersfeld. Die Schmiererei befand sich in der Festspielstadt an der Wand, parallel zum Hessengipfel der Genossen in Friedewald.

Die AfD nahm die SPD-Veranstaltung zum Anlass für ihren Wahlkampf-Auftakt. Sie lockte nicht die angekündigten 200 aber neben einigen wenigen neugierigen Bewohnern auch ein paar dutzend Auswärtige zu Kundgebung und Demonstrationszug.

 

Doch warum lud die AfD ausgerechnet zu einer Friedens-Demo ein? Vielleicht der wenig gelunge Versuch eines Wortspielchens hinsichtlich dem Austragungsort Friedewald?

 

Die Rechtspopulisten kamen mit inhaltslosen Phrasen daher, indem sie in ihrer Ankündigung sowie auf vorbereiteten Schildern ausriefen „Friedenspolitik statt Kriegseinsätze“, „Schluss mit dem Kaltem Krieg“ und „keine Wirtschaftssanktionen gegen Russland“.

 

Die programmfreie Hetz-Partei blieb auch in der Rede ihres Kreisvorsitzenden Gerhard Schenk (rechts oben im Foto, rechts) wie gewohnt Antworten schuldig. Schenk der - wie er nicht hätte betonen müssen - seine erste Rede hielt, musste just als er startete einen Handyanruf abwehren und verzettelte sich im wortwörtlichsten Sinne. Etwas professioneller, aber keineswegs gehaltvoller fiel die Rede des Ex-CDU-Rechtsaußen Martin Hohmann (oben im Halbschatten) in Friedewald aus. Der einstige Bundestagsabgeordnete kandidiert nun auf Platz 1 für die AfD bei der Fuldaer Kreistagswahl. Hohmann wurde wegen einer antisemitischen Rede zum Tag der deutschen Einheit 2003 aus der CDU ausgeschlossen. Zuvor fiel er 1999 auf, als er einen Antrag im Bundestag stellte, der die Errichtung des Holocaustdenkmals verhindert sollte.

Wenn die AfD sich nun als friedensstiftend präsentiert und glaubt hierdurch Wähler abfischen zu können, ist dies daher mehr als zweifelhaft. Der AfD-Kreisvorsitzende Schenk langweilte mit Anekdötchen über seine Aufenthalte an Kriegsgedenkstätten und konnte mit auf Tränendrüsen abzielenden patriotischen Verknüpfungen die Anwesenden nur zu höflichem Applaus animieren.

 

Auf der Homepage der AfD Hersfeld-Rotenburg wird noch immer kein Kommunalwahlprogramm präsentiert. Stattdessen gibt es den Verweis auf die Bundespartei. Und hier ist lediglich und seit geraumer Zeit zu lesen: „Ein ausführliches Parteiprogramm wird im Lauf des Jahres unter Einbeziehung aller Mitglieder erarbeitet.“ Die AfD hat es seit ihrer Gründung 2013 nämlich nicht hinbekommen, ein eigenes Programm zu erarbeiten, geschweige denn demokratisch zu beschließen. Stattdessen zerlegt sie sich seither selbst und disqualifiziert sich durch NPD-nahe Aussagen ihrer Spitzenfunktionäre immer mehr.

 

Mit Sprüchen wie „Asyl-Chaos stoppen - Grenzen sichern“ und „Flüchtlinge vor Ort versorgen“, die Bestandteil des Demo-Aufrufs waren, will die AfD offensichtlich nun auch in Osthessen auf dem Rücken von Geflüchteten Stimmen fangen.

In 24 Stunden hat das Bündnis „bunt statt braun“ zu einer Gegenkundgebung in Friedewald mobilisiert. Rund 60 Personen versammelten sich trotz Schneefall unter dem Motto „Gemeinsam gegen Demagogen vom rechten Rand Flüchtlingen helfen - Rassismus stoppen!“ zu einer Mahnwache. Bunt statt braun ist ein im vergangenen Jahr gegründetes Bündnis aus Organisationen, Parteien, Kirchen und Gewerkschaften sowie Einzelpersonen.                  

Weitere Informationen: www.buntstattbraun-hef-rof.de

 

Für Montag, den 18.1. lädt der DGB zusammen mit dem Förderverein Kultur und Umweltbildung für 19 Uhr ins Kulturzentrum Kreuz nach Fulda ein. Thema der Veranstaltung ist: "Wohin geht die AfD? - Von der Professorenpartei zur NPD-Light". Der Rechtsextremismus-Experte und Autor Volkmar Wölk wird zunächst einen Einführungsvortrag halten. Anschließend wird vom Podium aus der Umgang mit AfD und anderen Rechtsgruppierungen diskutiert. Für den CDU-Kreisverband Fulda wird Dr. Walter Arnold (MdL) teilnehmen, für die Linke die sächsische Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz und für Bündnis 90/Die Grünen deren Fuldaer Kreisverbandssprecher Ralf Zwengel. Vertreten ist zudem die SPD-Bundetagsabgeordnete Birgit Kömpel.

 

Text & Fotos: Timo Schadt   Foto des SPD-Gebäudes: Thomas Giese

Praxis der Abfallvermeidung bei 

LEBENSMITTELN

Das Thema ist in aller Munde – das „corpus delicti“, also das, worüber gesprochen wird, allerdings nicht. Und das ist das Problem. Lebensmittel werden weggeschmissen – und immer mehr Medien berichten darüber. Jetzt hat das zuständige Bundesministerium sogar einen Preis für Projekte gegen die Lebensmittelverschwendung ausgerufen. Tafeln und Freiwillige klappern die Supermärkte, Bäckereien und manch Herstellerbetrieb ab, um die Reste zu sammeln und weiterzugeben. Was aber tun die Supermärkte? printzip hat bei den Unternehmen nachgefragt. Jörg Bergstedt hat die Antworten nachfolgend ausgewertet.

 

 

 

Aldi Süd bemüht sich „die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln stets so gering wie möglich zu halten“. Bei tegut zieht sich das Thema wie „ein roter Faden in unserer Kundenkommunikation“. Für Edeka ist es „ein wichtiges Anliegen“. Bei der zum Konzern gehörenden Netto-Kette sei der Anteil entsorgter Lebensmittel „marginal“. Die Rewe-Group „engagiert sich seit Jahrzehnten erfolgreich dafür, dass so wenig Lebensmittel wie möglich vernichtet werden müssen“. Auch Lidl ist „grundsätzlich bestrebt, das Entsorgen von Lebensmitteln zu vermeiden“, und „die Warenmenge, die entsorgt werden muss“, sei „sehr gering“. Hört sich gut an. Alle bekennen sich zu ökologischen Zielen und betonen den eigenen wirtschaftlichen Vorteil, den das Vermeiden von Müll bedeutet. Doch auf die konkreten Fragen von printzip wollte keiner der angeschriebenen Ladenketten antworten. Alle schickten einen allgemeinen Text zum Thema Lebensmittelverschwendung und verwiesen neben ihrer vermeintlich optimierten Logistik auf eine Kooperation mit den Tafeln. Das wird von Seiten der so belieferten Verteilinitiativen auch bestätigt. Doch die Debatte um die Lebensmittelverschwendung hat erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Tafeln gab es auch davor schon. Warum gibt es weiterhin größere Mengen weggeworfener Lebensmittel? Und was ist mit den Lebensmitteln, die - laut Schreiben von Rewe - „aufgrund ihrer Kühlpflichtigkeit“ nicht an die Tafeln gehen können?
Nur in zwei Antworten fanden sich Hinweise auf zusätzliche Aktivitäten.
Tegut gibt einige überschüssige Möhren an eine Safterei ab. Bananen werden „ab einem bestimmten Reifegrad an das St. Antoniusheim in Fulda, einer anerkannten Werkstatt für Menschen mit Behinderung. und der dazugehörigen Antonius-Gärtnerei geliefert, getrocknet und dann wieder bei Tegut… verkauft.“ Edeka hat Ende 2013 „verschiedene Artikel, die von der Norm abweichen, testweise in der Obst- und Gemüseabteilung einiger Märkte angeboten“. Immerhin – aber nur wenige Produkte von vielen. Warum sollte auch mehr passieren? Wenn Supermärkte glauben, sie könnten „größtenteils ausschließen, dass abgelaufene Ware übrig bleibt“ (Aussage Lidl), braucht es keine zusätzliche Müllvermeidungsstrategie.
Ich hege Zweifel.
Wir haben den großen Ladenketten sieben Fragen gestellt. Fünf davon haben alle nicht beantwortet, zu einer weiteren lieferten zwei Angaben, aber nur teilweise. Lediglich die Zusammenarbeit mit der Tafel erwähnten alle. Soll ich da glauben, dass alles in Ordnung ist und die fast täglichen Berichte über weggeworfene Lebensmittel und Menschen, die ganz oder teilweise vom Müll der Supermärkte leben, nicht stimmen?
Ich frage Dirk, der in Braunschweig lebt und heute in Hessen unterwegs war. Nach einer nächtlichen Containertour, von Rewe als „Risiko“ bezeichnet, hat er einen vollen Fahrradhänger zu seiner Unterkunft geschleppt. Edeka, Tegut, Rewe, Aldi und Lidl lagen auf der Tour. Nach zwei Stationen kehrte er um, weil mehr nicht in die große Wanne auf dem Hänger passte. Nun bin ich so schlau wie vorher.
Die öffentliche Debatte zeigt mit dem Finger auf alle, denn weggeworfen wird auf allen Stationen vom Saatgut bis in den Magen. Die einzigen Zeug*innen sind die nächtlichen Mülltaucher*innen.
Bei einem osthessischen Edeka-Markt konnte printzip selbst in die Mülltonne schauen. Die Momentaufnahme (siehe Fotos auf dieser Doppelseite) fiel recht positiv aus. Die Müllmengen waren überschaubar. Jens Fürstenberg kennt viele seiner Kund*innen. Ist das ein Geheimnis einer müllarmen und überhaupt umweltgerechteren Einkaufswelt? Große Supermärkte und Discounter arbeiten für einen weitgehend anonymen Markt. Ihre Logistik-Computer können berechnen, was in der vergangenen Woche gekauft wurde. Aber ob das auch für die nächste Woche gilt, ist schon fraglich, weil die Kund*innen sich ändern, Werbung und Moden wechseln. Zudem halten Märkte, Bäckereien und andere bis zum Ladenschluss meist das volle Spektrum an Waren vorrätig. Das Anspruchsdenken einer reichen Nation, die Lebensmittel aus aller Welt importiert und damit Hunger und Elend auslöst, zeigt hier Wirkung. Ob der anonyme, profitgetriebene Markt überhaupt in der Lage ist, umwelt- und menschenfreundliche Lösungen zu finden, darf bezweifelt werden. Bedürfnisorientierte Produktion wäre die Alternative. Kleine und dezentrale Verteilung kann das eher – z.B. über kleine Läden, Abokisten oder Marktstände. Deutlich im Vorteil aber dürften Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften wie die Gelbe Rübe in Fulda oder solidarische Landwirtschaften sein. Wer dort einkauft oder mitwirkt, braucht auch die Angaben der Werbeabteilungen nicht mehr lesen. Mensch sieht es selbst.
Die Supermärkte müssen sich fragen, ob ihre Textbausteine in die Landschaft passen. Ist ein zentraler Konzern mit Bedürfnisorientierung und regionaler Nachfrage vereinbar? Wie sähe das aus? Unsere siebte Frage, ob die Märkte mit uns über Lösungen diskutieren würden, gehört zu den unbeantworteten Fragen.

 

Fragen an die Lebensmittelketten:

 

 

Frage 1:

 

Gibt es in Ihrem Unternehmen Richtlinien oder andere Vorgaben für das Wegwerfen von Lebensmitteln?

 

 

 

Frage 2:

 

Welche Arten von Lebensmittel werden aus welchen Gründen und, falls bekannt, in welchen Mengen weggeworfen (z.B. MHD abgelaufen, abgeschlossene Werbekampagnen, Inventur ...)?

 

 

 

Frage 3:

 

Gibt es eine Abfalltrennung und was geschieht mit dem Inhalt der Müllbehälter, in die Sie Lebensmittel entsorgen?

 

 

 

Frage 4:

 

Geben Sie Lebensmittel, die Sie nicht mehr verkaufen können oder wollen, an andere weiter? Wenn ja: An wen (Organisationen wie Tafel/Lebensmittelretter, Mitarbeiter/innen ...) werden welche Lebensmittel weitergegeben?

 

 

 

Frage 5:

 

Wissen Sie, ob bzw. wie oft Menschen aus den Müllbehältern Ihres Unternehmens Lebensmittel heraus sammeln? Wie stehen Sie zu diesem sogenannten "Containern"? Gibt es dazu Anweisungen, wie mit solchen Menschen umzugehen ist und wie sieht die Praxis aus?

 

 

 

Frage 6:

 

Was kostet Sie das Wegwerfen von Lebensmitteln? Sinken oder steigen die Kosten, wenn Menschen Weggeworfenes aus den Müllbehältern entnehmen?

 

 

 

Frage 7:

 

Wären Sie bereit, an (zusätzlichen) Überlegungen mitzuwirken, die Menge weggeworfener Lebensmittel zu reduzieren - durch Veränderung organisatorischer Abläufe oder z.B. durch die (verbesserte) Weitergabe an Menschen, die diese Lebensmittel noch nutzen?

 

 

 

 

 

Die Antworten der Supermärkte:

 

 

TEGUT

 

Ich sende Ihnen einen zusammenhängenden Text, der Ihre Fragen beantwortet, damit die Zusammenhänge nicht auseinander gerissen werden. Denn tegut… ist es ein Anliegen, dass Lebensmittel Ihrer eigentlichen Bestimmung: Mittel zum Leben zugeführt werden und Lebensmittelverschwendung entgegengewirkt wird.

 

 

 

Wir haben bereits früh angefangen zu diesem Thema offen und verständlich mit unseren Kunden in den Dialog zu gehen. Das Thema „taste the waste“ ist nicht erst seit 2011 und dem Film „taste the waste“ ein roter Faden in unserer Kundenkommunikation.

 

Wir sind bestrebt, durch optimierte Planung der Bestellmengen möglichst frische Ware zum Verkauf anzubieten und Probleme mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) zu vermeiden. Um eine dem Kundenbedarf gerechte Menge an Waren im Markt präsentieren zu können, nutzen wir weitgehend das Hilfsmittel der automatischen Disposition. Die Bestellmengen richten sich dabei unter anderem nach Prognosewerten, Abverkaufsmengen und sogar dem Einfluss des Wetters. Auf diesem Weg soll ein Überbestand an Waren und somit abgelaufene MHDs vermieden werden.

 

Wo trotzdem die Gefahr besteht, dass das MHD abläuft, versuchen wir durch rechtzeitigen Sonderverkauf (Rabattaufkleber von 30%-50%) die Ware noch vor Ablauf des MHDs in den jeweiligen Sortimentsbereichen abzuverkaufen. Oder soweit dies nicht möglich ist, diese vor Ablauf an die Tafeln und Bahnhofsmissionen gemäß den gesetzlichen Vorgaben abzugeben. Über den Zeitpunkt entscheiden die Mitarbeitenden situativ vor Ort, abhängig von der Menge und der Zeit bis zum Ablauf des MHDs. Lebensmittel, die entsorgt werden müssen, werden bevorzugt über Biogasanlagen entsorgt, so dass die Abfälle anstelle von extra angebauten Energiepflanzen zur Energieerzeugung genutzt werden.

 

Lebensmittel werden in der Regel am Vortag oder am Tag des Ablaufs des MHDs aus dem Verkauf genommen, abhängig von der Länge der Haltbarkeit des Lebensmittels oder wenn es bestimmte gesetzliche Vorgaben gibt wie z.B. bei Eiern.

 

Prinzipiell werden bei tegut… keine Lebensmittel aus optischen Gründen entsorgt. Die Prüfung der Verzehrfähigkeit steht im Vordergrund. Wird die Qualität eines Produktes auf dem Lieferweg stark beeinträchtigt, versuchen wir eine Möglichkeit der sinnvollen Weiterverwendung zu finden. Ein Beispiel dafür ist unsere enge Zusammenarbeit mit dem Hersteller und Samenlieferanten der festen Rodelika-Möhren. Wir haben einen Safthersteller gefunden, der die Exemplare, die sich im Handel nicht verkaufen lassen, zu Saft verarbeitet. Ebenso lässt sich das Beispiel der getrockneten Bananenstücke nennen. Hier werden diese ab einem bestimmten Reifegrad an das St. Antoniusheim in Fulda, einer anerkannten Werkstatt für Menschen mit Behinderung, und der dazugehörigen Antonius-Gärtnerei geliefert, getrocknet und dann wieder bei tegut… verkauft.

 

http://www.tegut.com/nachhaltigkeit/artikel/tegut-fairbindet-bio-bananenstuecke.html

 

 

 

Überdies versuchen wir unseren Kunden den Umgang mit Resten zu vermitteln, unter anderem mit dem Thema "Kreative Resteküche" und auch wöchentlich mit unseren Rezeptideen für erfahrene Köche (die gute Ess-Idee) gleichermaßen wie für Kocheinsteiger (3-Zutaten-Rezept). Ab KW 30 in 2014 wurde das Thema Resteverwertung wieder verstärkt im Rezeptbereich aufgenommen.

 

Ein abgelaufenes MHD bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Lebensmittel im Abfall landen muss. Da viele Produkte auch danach noch von guter Qualität sind, empfehlen wir in Anlehnung an die Aussagen des Verbraucherschutzes Hessen bei jedem einzelnen Produkt genau hinzuschauen und es dann möglichst zeitig zu verwenden. Diese Informationen stehen unseren Kunden jederzeit in der Broschüre „weniger wegwerfen“ und online zur Verfügung.

 

http://www.tegut.com/fileadmin/tegut_upload/Dokumente/Ratgeber_Kataloge_Infoblaetter/broschuere_weniger_wegwerfen_141112.pdf

 

 

 

Das Thema weniger Lebensmittel wegzuwerfen, ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, an dieser Stelle kann man keine einzelne Gruppe verantwortlich machen. Viel wichtiger ist es, dass alle Beteiligten sich bewusst werden, dass sie einen Beitrag dazu leisten können. Aus diesem Grund werden wir weiterhin versuchen unsere Kunden urteilsfähig zu machen und für das Thema zu sensibilisieren. Zu bedenken ist auch, dass Lebensmittelabfälle nicht im Sinne eines Lebensmitteleinzelhändlers sind, denn dies bedeutet Kosten. Aus diesem Grund sehen Sie auch die vielfältigen Bestrebungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, bis hin zum Wissen der Kunden, um Lebensmittelverschwendung einzudämmen – innerhalb der gesetzlichen Vorgaben.

 

Dazu liefert die Studie des EHI Retail Institute Informationen über die einzelnen Mengen an Lebensmittelverschwendung, die in den Bereichen der privaten Haushalte und Branchenvertreter anfallen. tegut… hat sich bewusst dieser Studie angeschlossen, um mit Blick auf die Branche Transparenz zu unterstützen. Die Unterlagen können Sie beim EHI anfragen.

 

 

 

Anliegend sende ich Ihnen den Link der September-Ausgabe 2011 unserer Kundenzeitschrift "marktplatz", dem Sie ab Seite 4 Antworten auf Ihre Fragen bezüglich unserer Ausrichtung in Bezug auf die Vermeidung von Lebensmittel-Müll und den Umgang mit nicht vermeidbaren Abfällen entnehmen können.

 

http://www.tegut.com/fileadmin/tegut_upload/Kampagnen_und_Aktionen/2012/Marktplatz_Bilder/tegut_marktplatz_september_2011.pdf

 

 

 

Stella Kircher

 

Leitung Unternehmenskommunikation

 

Fon: 0661-104 641, Fax: 0661-104 990 641

 

kircher_s@tegut.com

 

tegut... gute Lebensmittel, Gerloser Weg 72, 36039 Fulda

 

 

 

 

 

EDEKA

 

Der verantwortungsvolle Umgang mit Lebensmitteln ist für alle Stufen des genossenschaftlich strukturierten EDEKA-Verbunds ein wichtiges Anliegen. Unsere rund 4.000 selbstständigen Kaufleute, die sieben EDEKA-Großhandelsbetriebe und die EDEKA-Zentrale engagieren sich auf vielfältige Weise, um überschüssige Lebensmittel im Handel auf ein Minimum zu reduzieren und die Verbraucher für einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln zu sensibilisieren.

 

Mit unterschiedlichen Maßnahmen wird überall im EDEKA-Verbund dazu beigetragen, die Menge der Lebensmittelabfälle so gering wie möglich zu halten. Überschüssige Lebensmittel wegzuwerfen ist nicht nur unter ökologischen Gesichtspunkten kritisch, sondern stellt auch ein wirtschaftliches Verlustgeschäft dar. Vor diesem Hintergrund optimieren Warenwirtschaftssysteme den Warenfluss und helfen dabei, ein Überangebot zu vermeiden. Moderne Lagerstandorte, eine effiziente Logistikflotte und innovative Märkte gewährleisten, dass möglichst wenige Lebensmittel durch Transport und Lagerung verloren gehen. Im Markt helfen die selbstständigen EDEKA-Kaufleute mit ihrer Erfahrung in Punkto Lebensmitteln, die Nachfrage genau abzuschätzen, und durch fachgerechten Umgang mit den Produkten, Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Waren, die den optischen Erwartungen der Verbraucher weniger entsprechen, qualitativ aber einwandfrei sind, werden in vielen Märkten für eine Vielzahl von frisch zubereiteten Convenience-Produkten verwendet.

 

Studien zufolge entsteht die größte Menge an Lebensmittelabfällen bei den Verbrauchern. Hier gibt es bei EDEKA verschiedene Maßnahmen, um diesem Problem zu begegnen: Möglichkeit der verbraucherindividuellen Portionierung an den Bedientheken, Angebot unterschiedlicher Verpackungsgrößen, Verkaufsaktionen mit Preisnachlass kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum-Ablauf. Zudem zählen die EDEKA-Kaufleute und Großhandelsgesellschaften zu den wichtigsten Förderern der bundesweit fast 900 lokalen Tafel-Initiativen und weiterer sozialer Einrichtungen, denen sie regelmäßig Lebensmittel spenden. Für unser Engagement wurden wir im vergangenen Jahr vom Bundesverband der Tafeln e.V. mit dem "Tafel-Teller" ausgezeichnet.

 

Um die Wertschätzung von Lebensmitteln zu fördern, engagiert sich EDEKA darüber hinaus auf verschiedene Weise: Als erster Lebensmittelhändler in Deutschland hat EDEKA Ende 2013 auch verschiedene Artikel, die von der Norm abweichen, testweise in der Obst- und Gemüseabteilung einiger Märkte angeboten. EDEKA-Medien wie die Kundenzeitschrift "Mit Liebe" sowie die Ernährungsberatung in den Märkten geben Verbrauchern Tipps zur Lagerung von Lebensmitteln, erläutern das MHD oder geben Anregungen für die Resteküche.

 

 

 

i.A. Kerstin Hastedt

 

EDEKA ZENTRALE AG & Co. KG

 

Geschäftsbereich Unternehmenskommunikation/Public Affairs

 

Mitarbeiter- und Medienkommunikation

 

Pressereferentin

 

New-York-Ring 6

 

22297 Hamburg

 

Tel.:   +49 40 6377 - 2182

 

Fax:    +49 40 6377 - 4777

 

mailto:kerstin.hastedt@edeka.de

 

http://www.edeka.de

 

 

 

 

 

LIDL

 

Lidl ist grundsätzlich bestrebt, das Entsorgen von Lebensmitteln zu vermeiden. Die Haltbarkeitsdaten der Lebensmittel werden in unseren Filialen regelmäßig und systematisch überprüft. In einem bestimmten Zeitraum vor Erreichen des jeweiligen Haltbarkeitsdatums bieten wir die betreffenden Artikel zu einem deutlich reduzierten Preis an oder geben diese an die Tafeln ab.

 

Seit mehreren Jahren pflegen wir eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Tafeln. Bei den weitergegebenen Waren handelt es sich um Nahrungsmittel, die verzehrfähig und lebensmittelrechtlich unbedenklich sind. Es geht uns darum, dass noch verzehrfähige Lebensmittel nicht abgeschrieben und weggeworfen, sondern zur Linderung der Folgen von Armut abgegeben werden.

 

Mit Hilfe dieser Vorgehensweise sowie auf der Basis sehr guter Kalkulationen für den Warenbestand und den Abverkauf können wir größtenteils ausschließen, dass abgelaufene Ware übrig bleibt. Aus diesem Grunde ist die Warenmenge, die entsorgt werden muss, weil die Produkte beschädigt oder verdorben und daher für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet sind, bei Lidl sehr gering.

 

 

 

Wir hoffen, dass Ihnen diese Informationen hilfreich sind.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Mario Koehler

 

Pressestelle Lidl Deutschland

 

Telefon: +49 (0) 7132 - 30 60 90

 

e-mail: presse@lidl.de

 

Fax: +49 (0) 7132 - 30 54 83        

 

LIDL Dienstleistung GmbH & Co. KG, Rötelstraße 30, 74166 Neckarsulm

 

Sitz: Neckarsulm · Registergericht Stuttgart HRA 103756 · USt.-ldNr.: DE 812243627

 

 

 

 

 

 

 

NETTO (Edeka)

 

Als Discounter setzen wir auf Schnelldreher in unserem Sortiment und berücksichtigen bei unseren Bestellabläufen die tatsächliche Kundennachfrage je Artikel. Einige Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums reduzieren wir die Artikel deutlich im Preis, um weitere Abverkäufe zu realisieren.

 

Nicht verkaufte, noch haltbare Lebensmittel verschiedener Warensegmente wie z.B. Pasta, Backwaren, Molkereiprodukte, etc. leiten wir an die Tafeln weiter und unterstützen auf diese Weise Bedürftige in ganz Deutschland. Denn die Übernahme von sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung ist ein wesentlicher Bestanteil der Unternehmenskultur von Netto Marken-Discount. Durch dieses Vorgehen wird der Großteil unserer Lebensmittel verkauft bzw. an Bedürftige weitergegeben. Der Anteil an Lebensmitteln, den wir nach Ablauf des MHD-Datums entsorgen müssen, ist marginal.

 

Zudem bieten wir regelmäßig Obst- und Gemüseprodukte aus deutschem Anbau an, die von der Norm abweichen. Geschmacklich und qualitativ sind diese Lebensmittel identisch zu dem Standardsortiment. Damit möchte wir die Öffentlichkeit zum Thema Wertschätzung von Lebensmitteln sensibilisieren. Zugleich ergänzen wir auf diese Weise unser Angebot an deutschen Produkten um weitere Erzeugnisse aus der Heimat und bauen somit unsere Unterstützung der deutschen Landwirtschaft weiter aus.

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Netto Marken-Discount AG & Co. KG

 

Industriepark Ponholz 1

 

93142 Maxhütte-Haidhof

 

Christina Stylianou

 

Leiterin

 

Unternehmenskommunikation

 

___________________________________

 

Telefon: 09471 320-9 99

 

Telefax: 09471 320-69 99

 

E-Mail: christina.stylianou@netto-online.de

 

Internet: http://www.netto-online.de

 

Blog: www.netto-blog.de

 

Weitere Angaben zu unserem Unternehmen finden Sie unter:

 

http://www.netto-online.de/impressum

 

 

 

 

 

REWE

 

die REWE Group engagiert sich seit Jahrzehnten erfolgreich dafür, dass so wenig Lebensmittel wie möglich vernichtet werden müssen. Denn verantwortliches Handeln im Sinne der Gemeinschaft ist für die genossenschaftlich organisierte REWE Group integraler Bestandteil der Unternehmenskultur.

 

Mittlerweile verkaufen die Supermärkte (REWE) und Discountfilialen (PENNY) im Jahresdurchschnitt bis zu 99 Prozent ihrer Lebensmittel. Das Gros des verbleibenden Prozents stellt die REWE bereits seit 1996 (PENNY seit 2007) kostenlos den bundesweit rund 900 lokalen Tafel-Initiativen zur Verfügung.

 

Das gilt für Lebensmittel, die nicht mehr verkauft, aber dennoch bedenkenlos verzehrt werden können. Das ist beispielsweise der Joghurt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum zeitnah abläuft, oder der Apfel mit einer Druckstelle. Grundsätzlich handelt es sich um frische und/oder unverpackte Lebensmittel wie Milch, Joghurt sowie Obst und Gemüse – Lebensmittel.

 

Nicht an die Tafeln abgegeben werden Lebensmittel, die verdorben sind, die ein Verbrauchsdatum haben (z.B. Frischfleisch oder -fisch) oder aber – aufgrund ihrer Kühlpflichtigkeit – nicht von den Tafeln angenommen werden können. Diese Lebensmittel müssen entsprechend der gesetzlichen und hygienischen Vorgaben sachgerecht entsorgt werden.

 

 

 

Moderne Technik und geschulte Mitarbeiter

 

Moderne Prognosesysteme – teilweise unter Berücksichtigung des Wettervorhersage – und automatisierte Bestellverfahren unterstützt durch die kaufmännische Erfahrung der Mitarbeiter ermöglichen schon heute eine sehr gute und bedarfsgerechte Versorgung der Märkte mit frischer Ware. Kurze Transportwege zwischen Lagerstandorten und den Märkten, eine lückenlose Kühlung von der Herstellung bis ins Regal, aber auch regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter, tragen dazu bei, die Verlustquoten auf ein Minimum zu reduzieren. Neben modernen Warenwirtschaftssystemen, kurzen Transportwegen oder lückenloser Kühlung setzt die REWE Group auch auf regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter. Die Mitarbeiter in Märkten kontrollieren nach marktindividuell festgelegten Intervallen täglich die Mindesthaltbarkeitsdaten der Produkte. Produkte (z.B. Frisch-Fleisch), die das Mindesthaltbarkeitsdatum in wenigen Tagen erreichen, werden bei REWE und PENNY bis zu 30 Prozent preisreduziert angeboten.

 

Es ist somit seit vielen Jahrzehnten Anspruch und gelebte Praxis der gesamten REWE Group, mit Lebensmitteln nachhaltig und verantwortungsvoll umzugehen.

 

 

 

Kunden sollten den Einkauf planen

 

Allerdings können auch Verbraucher einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Lebensmittelabfälle zu vermeiden. So kann ein gut geplanter Einkauf dazu beitragen, die Wegwerfquote von Lebensmitteln zu verringern. In ihren Märkten in Deutschland bieten die REWE Group den Kunden ein umfassendes und „jederzeit" verfügbares Angebot einwandfreier und sicherer Lebensmittel – dort wo es nachgefragt wird, auch noch bis in die Abendstunden. Diese Leistung garantiert den Kunden, sich jederzeit mit den Produkten ihrer Wahl versorgen zu können, ohne sich langfristig bevorraten zu müssen. Denn mit der Bevorratung steigt potenziell das Risiko des Verderbs im heimischen Kühlschrank. Damit Lebensmittel möglichst lange ihre Qualität bewahren, ist es wichtig, sie zu Hause korrekt zu lagern. Letztlich kann auch mit einer guten Resteverwertung nicht nur Müll vermieden, sondern auch Geld gespart werden. Fast noch wichtiger: Mit dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein Produkt nicht zwangsläufig verdorben. Kunden sollten zunächst immer ihre Sinne wie Sehen, Schmecken oder Riechen nutzen und dann entscheiden, ob sie – auch im Hinblick auf etwaige Vorerkrankungen oder den aktuellen Gesundheitszustand – das Produkt noch essen.

 

 

 

Containern ist ein Risiko

 

Grundsätzlich gibt die REWE Group beim Thema „Containern“ zu bedenken, dass beispielsweise Lebensmittel, die verschimmelt sind oder Kontakt zu verschimmelter oder verdorbener Ware hatten, weder aus ethisch-moralischen noch aus juristischen Gründen abgeben können. Gerade Schimmel wird oft unterschätzt: Bei Obst mit einem hohen Flüssigkeitsanteil wie Erdbeeren bilden sich bedenkliche Schimmelsporen auch schon, obwohl man von  außen keine Schimmelbildung wahrnehmen kann. In solchen Fällen ist die REWE Group letztlich – auch aus juristischen Gründen - gezwungen, nicht nur eine einzelne Erdbeere auszusortieren, sondern die gesamte Schale. Auf solchen Produkten können sich sehr schnell und in großer Zahl Keime bilden, die Auslöser von Lebensmittelinfektionen und Lebensmittelvergiftungen sein können. Außerdem können sich in den Behältern Lebensmittelabfälle befinden, die aus Warenrückrufen stammen. Diese und andere „Gefahren“ kann der Mülltaucher nicht (er)kennen. Aus diesem Grund sind die Marktverantwortlichen angehalten, die Müllcontainer vor dem Zugriff Dritter zu sichern. Wie dies geschieht, ist Angelegenheit des jeweiligen Marktes.

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Andreas Krämer

 

REWE GROUP

 

Pressesprecher

 

Telefon: +49 221 149-1054

 

E-Mail: andreas.kraemer@rewe-group.com<mailto:andreas.kraemer@rewe-group.com>

 

Internet: www.rewe-group.com<http://www.rewe-group.com/>

 

REWE-ZENTRALFINANZ eG

 

Domstraße 20, 50668 Köln

 

Postfach: 50603 Köln

 

Vorstand: Alain Caparros (Vorsitzender), Manfred Esser, Jan Kunath, Dr. Christian Mielsch, Lionel Souque, Frank Wiemer

 

Aufsichtsratsvorsitzender: Erich Stockhausen

 

Registergericht: Amtsgericht Köln (43 GnR 631), Sitz der Gesellschaft: Köln

 

GLN: 43 88 800 00000 7

 

USt-Id-Nr.: DE 122 789 630

 

 

 

 

 

ALDI

 

vielen Dank für Ihre Anfrage.

 

Die Unternehmensgruppe ALDI SÜD betreibt Filialen in Süd- und Westdeutschland. Unsere Regionalgesellschaften Butzbach und Langenselbold betreiben Filialen zum Beispiel in Gießen oder Fulda. Bitte wenden Sie sich mit Ihren Fragen zur Situation in Ihrem nördlichen Verbreitungsgebiet zusätzlich an ALDI Nord.

 

Als eines der führenden deutschen Einzelhandelsunternehmen ist sich ALDI SÜD seiner besonderen Verantwortung bewusst. Unsere Verantwortung bezieht sich dabei nicht nur auf die Erfüllung eines umfassenden Qualitätsanspruchs, sondern umfasst ebenso die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und das Spenden an soziale Einrichtungen. Gerne berichten wir Ihnen dazu aus unserer Unternehmenspraxis.

 

Generell achten wir in den Filialen der Unternehmensgruppe ALDI SÜD darauf, die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln stets so gering wie möglich zu halten. Lebensmittelreste entstehen in unseren Filialen nur selten, weil ALDI SÜD als Discounter Produkte mit einer hohen Umschlagshäufigkeit verkauft. Bei diesen sogenannten Schnelldrehern haben die Waren im Sortiment sehr kurze Durchlaufzeiten. Durch eine genaue Planung und durch tägliche, von den Abverkäufen abhängige Bestellungen durch unsere Filialverantwortlichen, können wir die Lebensmittelreste auf ein Minimum reduzieren. Auch unsere Non-Food- und Aktionsartikel planen wir gewissenhaft unter Berücksichtigung aller uns zur Verfügung stehenden Informationen, beispielsweise den Erfahrungen aus vorangegangenen Aktionen.

 

In unseren gesamten Filialen fördern wir zudem den Verkauf frischer Lebensmittel, indem wir Produkte aus den Bereichen Frischfleisch und Fisch aus der Kühltheke, die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen, zu einem reduzierten Preis anbieten. Der Preisnachlass beträgt 30 Prozent des Originalpreises. Zudem erfolgen Reduzierungen auf Obst- und Gemüseartikel, wenn diese einen bevorstehenden Verderb aufweisen.

 

Sollten in unseren Filialen dennoch Produkte übrig bleiben, werden die Waren in der Regel an soziale Einrichtungen wie beispielsweise die örtliche Tafel weitergegeben. Grundlage für die Abgabe von Lebensmitteln an soziale Einrichtungen ist selbstverständlich die Einhaltung aller relevanten gesetzlichen Vorschriften. Dies bedeutet, dass wir auch im Sinne unserer Sorgfaltspflicht und der Verantwortung für unsere Kunden gewährleisten müssen, dass lediglich zum Verzehr geeignete Lebensmittel abgegeben werden. Dabei spielen Kriterien wie beispielsweise die Einhaltung der Kühlkette eine Rolle. Lebensmittel, die nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet sind, können beispielsweise an zertifizierte Landwirte oder Einrichtungen wie Tierheime als Futtermittel weitergegeben werden.

 

Lebensmittel, die nicht mehr zum Verzehr geeignet sind, können sozialen Einrichtungen grundsätzlich nicht zur Verfügung gestellt werden. Sie werden als Abfall fachgerecht entsorgt. Eine anderweitige Weitergabe dieser Ware ist lebensmittelrechtlich grundsätzlich untersagt. Aus diesem Grund ist die Entnahme von Lebensmitteln aus unseren Abfallcontainern rechtswidrig und wird von der Unternehmensgruppe ALDI SÜD auch nicht geduldet.

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Lina Unterbörsch

 

Kommunikation

 

ALDI Einkauf GmbH & Co. oHG

 

Unternehmensgruppe ALDI SÜD

 

Burgstraße 37

 

45476 Mülheim an der Ruhr

 

Telefon  +49 208 9927-0

 

Telefax   +49 208 9927-2529

 

E-Mail    presse@aldi-sued.de<mailto:presse@aldi-sued.de>

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Statements zum Thema:

 

 

 

 

Der BUND rät (laut www.bund.net/service/ratgeber/lebensmittel)

 

Zehn Tipps wider die Verschwendung

 

Manche Aktivisten begegnen der Essensvernichtung durch "Containern": Sie durchforsten die Mülltonnen von Supermärkten nach noch genießbaren Waren. Andere unterstützen Einrichtungen wie die "Deutsche Tafel" e.V., die unverkaufte Lebensmittel sammelt und an Bedürftige verteilt. Doch wir alle können unseren Beitrag leisten:

 

  • Kaufen Sie nur wirklich benötigte Lebensmittel.
  • Vorsicht beim Kauf von Großpackungen, die zu einem (vermeintlichen) Schnäppchenpreis angeboten werden, aber Ihren Bedarf übersteigen.
  • Fragen Sie in Ihrem Supermarkt, wie viele Lebensmittel im Müll landen; und ob Reste für Bedürftige (und Leute, die »containern«) freigegeben werden.
  • Auch krumme Gurken gehören in den Einkaufskorb, optische Abweichungen mindern nicht den Geschmack.
  • Bestellen Sie eine Gemüse- oder Obstkiste beim Bioladen; der Händler kann so besser kalkulieren und Ware nach Bedarf ordern.
  • Kaufen Sie nach Möglichkeit direkt beim Bauern: Hofläden dürfen Produkte jenseits der Norm anbieten.
  • Oder schließen Sie sich (aus dem gleichen Grund) einer Einkaufsgemeinschaft mit Direktbezug an.
  • Erwerben Sie (preisreduzierte) Produkte, deren Mindesthaltbarkeit bald abgelaufen ist.
  • Ist ein Produkt wirklich verdorben? Prüfen Sie genau, bevor Sie etwas wegwerfen.
  • Verwerten Sie Reste: Alte Brötchen werden zu Semmelknödeln, zu viel Gekochtes lässt sich einfrieren

 

 

 

 

 

 

 

Aktion Agrar (Text von www.leeretonne.de/darum-gehts)

 

Die Bundesregierung zielt mit ihrer Kampagne “Zu gut für die Tonne” fast ausschließlich auf den VerbraucherInnen. Aber allein Appelle an den VerbraucherInnen reichen nicht aus, wenn die Regierung das selbst gesteckte Ziel erreichen will, in den nächsten fünf Jahren die skandalöse Lebensmittelverschwendung um die Hälfte zu reduzieren. Die Landwirtschaft, die Industrie, das Transportwesen und der Groß– und Einzelhandel müssen stärker und offensiv zu Veränderungen gebracht werden. Die Szupermärkte spielen eine zentrale Rolle bei der Verringerung der Lebensmittelverschwendung. Zum einen schmeißen sie selbst tonnenweiseessbare Lebensmittel weg, weil ein Mindesthaltbarkeitsdatum näher rückt oder eine braune Stelle ein Stück Obst oder Gemüse weniger ästhetisch erscheinen lässt. Zum anderen haben sie in der Geschichte des großen Wegwerfens eine Scharnierfunktion: Sie entscheiden durch ihre Beschaffungspraxis mit darüber, wie viel Gemüse als unverkäuflich auf den Äckern verbleibt. Durch ihre Werbung und Kaufanreize mittels Sonderangeboten und Großgebinden steuern sie, was und wieviel KonsumentInnen mehr nach Hause tragen, als sie eigentlich benötigen. Das führt zu einem Konsumrausch und verschärft die Überproduktionentlang der gesamten Produktionskette.

 

 

 

 

 

Die Mülltaucher (mit Internetseiten wie www.alltagsalternative.de.vu)

„Überquellender Container“, sagt Dirk, als er nach einer nächtlichen Tour mit einem vollen Fahrradhänger wieder den Ausgangspunkt erreichte. Gemüse, Obst, aber auch verarbeitete Lebensmittel fand er zuhauf. Eigentlich wollte er mehrere Supermärkte ansteuern. Aber nach einem Edeka und einem tegut war Schluss: „Es passte nichts mehr auf den Hänger.“ Dabei war der nicht besonders klein. Dirk lebt in Braunschweig, war jetzt aber in einer politisch aktiven Wohngemeinschaft in Hessen. Alle dort leben nur von dem, was in den umgebenden Läden weggeworfen wird. Sie können sogar ein kleines Tagungshaus mitversorgen und haben schon vor gut 12 Jahren unter www.alltagsalternative.de.vu eine Internetseite zum Thema erstellt. Die Angaben der Supermarktketten über ihren sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln können sie nicht teilen: „Wir finden immer etwas – meistens sehr viel.“ Dabei sind sie nicht die einzigen, die regelmäßig in den Mülltonnen suchen. Wenn sie erwischt werden, reden sie mit dem Personal oder sogar der Marktleitung. Deren Reaktionen fallen sehr unterschiedlich aus: „Manchmal werden wir verjagt, andere äußern Verständnis und lassen und wühlen.“ Ein großer Supermarkt in Innenstadtlage verteidigte in den vergangenen Wochen seine Mülltonnen regelrecht: „Einmal haben die sogar auf uns eingetreten, bis einer blutete. Im anderen Fall haben die sich auf ihre Mülltonnen gesetzt – so eine Art Sitzblockade, damit die Lebensmittel auch ja im Müll landeten.“ Die Containerer hatten da nur kurz reingucken können, bevor die Bediensteten die „Rettung“ der Lebensmittel verhinderten. Was sie sahen, machte sie doppelt traurig: Mehrere große Tonnen waren randvoll mit einwandfrei genießbarem Essen. Produktion und Entsorgung belasteten die Umwelt, und die verhinderten Containerer*innen mussten unverrichteter Dinge nach Hause radeln. „Immerhin besser als gleich verprügelt zu werden“, sagt einer von ihnen. Auch das hat er schon erlebt – Bedienstete, die für das Recht, Essen wegzuwerfen, sogar Hand anlegen.

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