Wasser lassen?

Wasser ist überlebenswichtig. Doch wie sauber ist unser Wasser? Gibt es gesundheitliche Gefahren? Welches Wasser sollten wir am besten trinken? Ist Mineralwasser besser als Leitungswasser?

147 Liter Mineralwasser trinkt jede*r Deutsche im Jahr. Dieses hat einen fast beispiellosen Boom hinter sich: 1970 waren es gerade mal 12,5 Liter. Auch der Konsum von stillem Mineralwasser nimmt zu: 21 Liter sind es inzwischen.
Mineralwasser muss, anders, als es der Name vermuten lässt, nicht unbedingt besonders mineralstoffreich sein. Ein Mindestgehalt für Mineralien wurde 1980 von der Europäischen Gemeinschaft gekippt. Es muss allerdings aus unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Quellen gefördert werden, die amtlich überwacht werden. Die Brunnenbetriebe dürfen aus dem Mineralwasser nur Eisen und Schwefel herausfiltern oder Kohlensäure entziehen und zusetzen. Im Gegensatz dazu wird Tafelwasser aus Leitungs- oder Mineralwasser und weiteren Zutaten wie Kochsalz oder Natursole hergestellt.
Leitungswasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Es gibt für dieses Grenzwerte, die bei Mineralwasser nicht bindend sind, beispielsweise für Pestizide, Keime und Nitrat. Außerdem ist es mit etwa 0,2 Cent (inklusive Abwasser­kosten 0,5 Cent) deutlich billiger als jedes Mineralwasser.


Die Stiftung Warentest hat in der August-Ausgabe ihres Magazins „test“ Trinkwasser aus 28 Städten und Gemeinden und 30 stille Mineralwässer getestet. Das Ergebnis: Mineralwasser ist überbewertet und nicht besser als Leitungswasser. Von den 30 getesteten Mineralwässern enthalten fast 50 Prozent wenig Mineralstoffe, nur acht enthalten mehr Mineralstoffe als das mineralstoffreichste Leitungswasser im Test. Im Schnitt enthält das getestete Leitungswasser 380 Milligramm Mineralstoffe pro Liter, das Mineralwasser 790 Milligramm. Ernährungsphysiologisch fällt dies jedoch kaum ins Gewicht, die richtige Ernährung kann da viel mehr ausmachen.
„Es gibt aber Fälle, in denen der Griff zum Mineralwasser sinnvoll ist“, erklärt Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung. „So kann kalziumreiches Mineralwasser laktoseintolerante Menschen und Milchmuffel mit Kalzium versorgen. Von viel Sulfat können Menschen mit Verstopfung profitieren. Wer in einer Gegend mit intensiver Landwirtschaft wohnt und Babynahrung zubereitet, sollte sich bei seinem Wasserversorger über die Nitratgehalte des Trinkwassers informieren und im Zweifel ein für die Zubereitung von Säuglingsnahrung ausgelobtes Mineralwasser verwenden.“


Die Nitratbelastung in Deutschland in der Tat bedenklich. Da zu viel gedüngt wird, sind die Pflanzen nicht in der Lage, Stoffe aus dem Dünger wie Nitrat aufzunehmen. Sie versickern im Boden und gelangen in Gewässer oder ins Grundwasser. Die Hälfte der Grundwasserbrunnen ist bereits nitratverseucht. Zu viel Nitrat kann Fische töten, sich in giftiges Nitrit und in krebserregende Nitrosamine umwandeln. Die EU hat wegen unzureichender Umsetzung ihrer Nitrat-Richtlinie bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Neben zu viel Nitrat seien auch Medikamenten-Rückstände aus der Gülle ein Problem, da Antibiotika wichtige Bodenorganismen abtöten und im Trinkwasser nichts zu suchen haben, informiert die Aktion Agrar. Sie setzt sich für eine strengere Düngeverordnung ein.
Ein weiteres Problem: In manchen Gegenden kann der Urangehalt im Trinkwasser für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich sein. Neben der radioaktiven Wirkung kann es durch seine chemische Giftigkeit die Nieren schädigen. Eine Begrenzung von 2 Mikrogramm pro Liter gilt nur für Mineralwasser, das explizit für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet ist. Für Leitungswasser gilt ein Grenzwert von 10 Mikrogramm. Laut Foodwatch ist dies jedoch zu hoch für Säuglinge und Kleinkinder.

 

Schließlich stellt sich noch die Frage, in welches Gefäß das Wasser der Wahl abgefüllt werden sollte. Ob PET-Flaschen eine gesundheitliche Gefahr darstellen oder unbedenklich sind, ist umstritten. Forscher der Uni Frankfurt wollen hormonell wirksame Substanzen in Wasser in PET-Flaschen gefunden haben. Das Bundesinstitut für Risikobewertung geht nicht davon aus, dass hormonähnliche Substanzen aus PET-Flaschen übergehen. Dennoch schmeckt Wasser als PET-Flaschen manchmal anders als solches aus Glasflaschen. Das liegt an der Substanz Acetaldehyd, die einen leicht süßlichen Geschmack verursacht, jedoch in den vorhandenen Konzentrationen gesundheitlich unbedenklich ist. Wer auf Nummer Sicher gehen will, nimmt eine Glasflasche - auch aus ökologischer Sicht haben diese einen kleinen Vorteil gegenüber Mehrwegflaschen aus Plastik.                                         

 

Markus Weber

erschienen in der printzip-Ausgabe August 2016

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