Investieren in Nachhaltigkeit

Was kann ich tun, wenn ich nicht möchte, dass mit meinem Geld Kinderarbeit, Waffenproduktion oder Kohle- und Atomkraft finanziert werden? Kann mein Geld auch etwas Gutes tun? Und muss ich dafür auf Rendite verzichten? Es ist durchaus möglich: Mit Geldanlagen lässt sich nicht nur Rendite erzielen, sondern auch Positives bewirken. Und genauso muss umgekehrt mit ethischen Kriterien nicht zwingend auf Rendite verzichtet werden.

Ob Girokonto, Tagesgeld oder Sparbuch: Zu jedem konventionellen Sparprodukt gibt es eine ethisch-ökologisch Variante. Genauso sind ethisch und ökologisch korrekte Fonds und unternehmerische Beteiligungen möglich. Jedoch kann die Marktlage auf den ersten Blick etwas unübersichtlich erscheinen, da bei der Geldanlage Begriffe wie „nachhaltig“ oder „klimafreundlich“ nicht geschützt sind und es keine Mindeststandards gibt.

Berhard Engl vom Forum nachhaltige Geldanlagen
Berhard Engl vom Forum nachhaltige Geldanlagen

Nachhaltigkeit -

ein Begriff, viele Bedeutungen

Was bedeutet Nachhaltigkeit? Nachhaltigkeit besteht aus drei Komponenten: ökologische und soziale Nachhaltigkeit; dazu kommt die ökonomische Nachhaltigkeit. Es muss sicher sein, dass beispielsweise das Unternehmen, in das investiert wird, nicht morgen bereits Pleite geht. Auch eine verantwortliche Unternehmensführung und Transparenz sollten zu diesem Punkt zählen. Nachhaltige Geldanlagen sind als Produkte zu verstehen, die in ihrem Anlageprozess und in ihrer Finanzanalyse ethische, ökologische und soziale Aspekte mit einbeziehen und eine Anlagestrategie mit klaren Grundsätzen formulieren.
Die meisten Menschen haben aber verschiedene persönliche Vorstellungen und Schwerpunktsetzungen zur Nachhaltigkeit - auch, wenn sie in diese investieren wollen. „Man muss sich vorher genau im Klaren sein, was man will“, erklärte Bernhard Engl, Mitglied im Vorstand des Forums nachhaltige Geldanlagen, während einer Veranstaltung im Rahmen der Fuldaer Energiesparwochen im Umweltzentrum Fulda Mitte November. Seine Organisation versteht sich als Netzwerker der nachhaltigen Finanzbranche. Laut Engl sollten Anleger*innen wissen, welche Bereiche sie ausschließen und welche sie besonders fördern wollen. Manch eine interessierte Person möchte vielleicht ihr Geld nicht in Glücksspiel oder Pornographie anlegen, während eine andere stärker in bestimmte Themenfelder wie Erneuerbare Energien oder fairen Handel investieren will.
Wie lässt sich messen, wie weit ethische und ökologische Kriterien bei der Geldanlage berücksichtigt werden? Ein Anbieter von Anlagen kann bestimmte Ausschlusskriterien aufstellen und auch gezielte (themenbasierte) Investitionen vornehmen. Außerdem lässt sich ein „Best-in-Class-Ansatz“ nutzen: Es wird in die Unternehmen investiert, die die höchsten Maßstäbe im Umweltschutz oder Sozialstandards in einer Branche haben. Schließlich kann der Finanzdienstleister durch eigenes Engagement versuchen, Verbesserungen in den Unternehmen, in die er investiert, durchzusetzen.

 

Nachhaltiges Girokonto

Wer können die Anbieter solcher Geldanlagen sein? Die Bankwechsel-Kampagne „Krötenwanderung“ von Attac hat verschiedene Banken unter die Lupe genommen. Kriterien waren dabei, ob sie beispielsweise an Nahrungsmittelspekulation beteiligt sind, in Rüstungs- und Atomindustrie investieren, in Schattenfinanzplätzen aktiv oder demokratisch und transparent sind. Am besten schneiden die vier Banken GLS Bank, EthikBank, Triodos Bank und Umweltbank ab. Außer der Umweltbank bieten sie alle auch Giro-Konten an. Eine Möglichkeit für christlich eingestellte Menschen sind auch Kirchenbanken. Sparkassen und Genossenschaftsbanken befinden sich im Mittelfeld. Sie unterscheiden sich aber lokal - hier lohnt sich also der genaue Blick hinter die Kulissen. Deutsche Bank oder Commerzbank erhalten dagegen eine negative Wertung. Neben ausführlichen Hintergrundinformationen liefert die Internetseite www.attac.de/kampagnen/bankwechsel praktische Tipps zum Bankwechsel.

 

Nachhaltige Fonds

Für wen lohnt es sich, sich über weitere Formen der Geldanlage über Girokonto, Tagesgeld oder Sparbuch hinaus Gedanken zu machen? Erst wenn die Liquidität gesichert, eine Altersvorsorge aufgebaut und alle Schulden abbezahlt sind, ist dies oft sinnvoll, rät Bernhard Engl. Die „klassischen“ Ziele der Geldanlage sind Sicherheit, Liquidität und Rendite. Auch wenn Ethik und Nachhaltigkeit dazu kommen, sollten diese drei Punkte gesichert sein.

 

Wo erhalte ich Informationen über nachhaltige Fonds?

Das Forum nachhaltige Geldanlagen zertifiziert mit seinem FNG-Siegel Nachhaltigkeits-Fonds. Welche das sind,  findet sich unter www.fng-siegel.org. Die Fondanbieter müssen diese Zertifizierung jedoch beantragen und auch dafür zahlen - was erklärt, dass zur Zeit mit 35 Fonds verhältnismäßig wenige zertifiziert sind. Bei diesen kann man jedoch absolut sicher sein, dass die strenge Maßgaben erfüllen. Auf der Seite www.nachhaltiges-investment.org sind 410 Fonds im deutschsprachigen Raum verzeichnet, die nach bestimmten Kriterien (bspw. Negativ-Kriterien) gefiltert werden können. Das FNG-Siegel und diese Seite liefern ein detailliertes Profil über die Vereinbarkeit der jeweiligen Fonds mit Nachhaltigkeits-Kriterien. Noch recht vereinzelt gibt es neben Investment-Fonds auch ethisch-ökologische börsengehandelte Indexfonds (ETFs) und klassische Rentenversicherungen.

Lena Ribka Verbraucherzentrale Hessen
Lena Ribka vom Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen bei einem Vortrag im Umweltzentrum Fulda

Vorsicht vor dem „grau-grünen Kapitalmarkt“

Lena Ribka arbeitet als „Marktwächter Finanzen“ bei der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt. Sie empfahl im Rahmen der Fuldaer Veranstaltung, eher breit zu investieren, beispielsweise in Nachhaltigkeits-Fonds, statt direkt in nur ein einzelnes Unternehmen.
Es gäbe nämlich einige „graugrüne Kapitalanlagen“; Anlagen in nachhaltigen Themenfelder, die jedoch eher unseriös seien. Das bedeutet, dass sie unsicherer und risikoreicher sind. Generell lässt sich sagen: Tendenziell sind Sparanlagen (zum Beispiel Sparbücher, Tagesgeld, Festgeld) am sichersten. Dann kommen Investment-Fonds (Renten-, Aktien-und Mischfonds), dann Aktien und letztlich Unternehmensbeteiligungen und Direktinvestments (zum Beispiel Anleihen, Zertifikate, geschlossene Fonds, Genussrechte). Diese sind weniger als die vorherigen gesetzlich reguliert.
In einer Untersuchung der Verbraucherzentrale warben 40 von 91 Werbeanzeigen, die diesem „grauen Kapitalmarkt“ zuzuordnen sind ,mit Nachhaltigkeitsgedanken. Lena Ribka erläutert, woran diese zu erkennen sind und wo besondere Risiken bestehen: Bei Beteiligungen, direkten Investitionen in Unternehmen, droht ein Totalverlust des investierten Geldes bei einer Pleite. Oft sind hohe Mindestinvestitionen notwendig, die Laufzeiten sind lang, die Unternehmen haben eine geringe Liquidität, sind noch nicht lange auf dem Markt und intransparent. Als Beispiele nennt sie die Pleiten eines Windkraftunternehmens, eines Unternehmens, welches in bulgarisches Holz investiert hatte und eines deutschen Pellet-Herstellers. Versprechen wie Renditen von 8 Prozent pro Jahr seien beim derzeitigen Zinsniveau generell als eher unseriös zu verstehen. Hohe Rendite beinhaltet immer auch ein hohes Risiko.
Bei derartigen Angeboten sei laut Lena Ribka Vorsicht geboten - auch wenn die Verlockung groß sein kann. Es gelte vielmehr, die Ergebnisse des eigenen Investments deutlicher überschauen zu können als bei eher „unübersichtlichen“ Fonds mit gestreuten Anlagen. Außerdem sollten potenzielle Investor*innen so lange nachfragen, bis sie alles wirklich verstanden haben. Wenn Anbieter*innen bzw. Vermittler*innen auf Nachfragen der Kund*innen ungehalten reagieren, sei dies erfahrungsgemäß oft ein Zeichen, dass diese selber nicht komplett verstanden haben, was sie da verkaufen.

 

Weitere Informationen

Beratungen in den Verbraucherzentralen können helfen abzuwägen, ob eine Geldanlage zur persönlichen Situation passt . Wer sich weiter zu nachhaltiger Geldanlage informieren möchte, kann sich an ECO-Anlageberater*innen wenden, die eine Ausbildung zum Thema Nachhaltigkeit absolviert haben.
Auch sind im Internet unabhängige und seriöse Informationen zu finden. Die Verbraucherzentrale Bremen hat die Broschüre „Ethisch-ökologisch anlegen und Vorsorgen“ erstellt. Diese und weitere Informationen zum Thema finden sich unter www.verbraucherzentrale-bremen.de/ethisch-oekologische-geldanlage. Außerdem hat die Stiftung Warentest Ökofonds und ethische Banken getestet, zu finden auf www.test.de/thema/oekofond                     

 

Text und Fotos: Markus Weber

erschienen im printzip, Ausgabe 12/2016

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