Der Prozess

Willkürliche Verhaftungen; die Undurchsichtigkeit des Beamtenapparates; der kleine Bürger, der Justiz und  Anwälten hilf- und ahnungslos ausgeliefert ist; Verdächtigungen, die zu Wahrheiten werden: Zur Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele 2019 zeigte Joern Hinkel mit seiner Inszenierung die Aktualität von Franz Kafkas "Der Prozess".

Anders als Peer Gynt letztes Jahr ist „Der Prozess“ 2019 zurückhaltend, schlägt seine politische Botschaft nicht mit dem Holzhammer ein. Doch ist sie klar: Etwas wie Franz K. kann Menschen in manchen Staaten auch heute passieren. Dabei spielt die offizielle Anschuldigung im Endeffekt keine große Rolle (bei Kafka ist es ja bekanntlich so weit getrieben, dass Josef K. Bis zum Ende nicht weiß, wessen er bezichtigt wird). Deutlicher wurde Deniz Yücel, der in seiner Rede bei der Eröffnung Parallelen zu staatlichen Behörden in Deutschland zog und den Verfassungsschutz als „gefährlichste Behörde Deutschlands“ bezeichnete.

 

 

In seiner Fassung hat Hinkel einiges an dem Werk verändert, die Sprache verständlicher gemacht und Figuren ausgebaut. Ein paar Aktualisierungen kommen dazu, die aber nicht aufgesetzt sind: Der Maler ist zum Beispiel auch ein Fotograf.

Als Kulisse dienen große Aktenschränke, die Kostüme sind großenteils grau und Schwarz. Ein trister Eindruck, der perfekt zur Stimmung passt.

 

 

 

Die Rolle des Josef K. gibt viel her für einen Schauspieler, und Ronny Miersch macht keine Fehler, er strahlt aber auch nicht besonders. Dieter Laser dagegen spielt den Advokaten Huld wie eine Parodie auf auf eine Persiflage auf Overacting beim Spielen einer absurden übertriebenen Figur. Jürgen Hartmann spielt als stellvertretender Bankdirektor zwar auch etwas stark auf, doch immerhin ist seine – freilich auch überspitzte - Figur doch eine gut beobachtete.

 

Die Rollen von Marianne Sägebrecht und Ingrid Steeger sind so klein wie für die Handlung unwichtig. Doch als bekannte Fernsehgesichter , die auch manchen Nicht-Theater-Gängern ein Begriff sein dürften, wirken sie publicity-trächtig, wie die Medienberichterstattung zeigt. Und manch ältere Zuschauer mögen Anspielungen, . Sei es den Festspielen gegönnt, schaden tut es der Besetzung jedenfalls nicht.

 

 

Am Ende der Premiere blieb zwar eine beklemmende Stimmung, doch die Aufführung wurde mit großem Applaus und einigen stehenden Ovationen bedacht.

 

Text: Markus Weber

Fotos: Timo Schadt & Markus Weber

 

in36.de

 

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