Macher beim Open Flair - Alexander Feiertag

Er besteht zunächst eine Weile darauf, 1984 geboren zu sein, bevor er sein wahres Alter Preis gibt. Alexander Feiertag, Jahrgang 1964, ist der Geschäftsführer des Vereins Arbeitskreis Open Flair. Diesen Job macht er seit 1995. Der diplomierte Stadt- und Landschaftsplaner organisiert seit 1985 das Eschweger Festival federführend mit. Wie er gegenüber printzip-Mitarbeiter Timo Schadt betont, lebt der Kulturbetrieb in Eschwege vor allem von den ehrenamtlich Mitwirkenden. Obwohl inzwischen inklusive Praktikanten und Teilnehmern des Freiwilligen Sozialen Jahres neun Hauptamtliche am Start sind.
Vom 6. bis 10. August wird der Arbeitskreis 2014 wieder besonders aktiv sein. Dann nämlich verwandelt sich Eschwege in die Festival-Metropole Nordhessens. Auch in diesem Jahr werden um die 20.000 Besucher dem reichhaltigen Musik- und Kleinkunstprogramm folgen. Über 100 einzelne Veranstaltungspunkte sind geplant. Obgleich mit Acts wie Seeed, Die Fantastischen Vier und Anti-Flag bereits große Namen bekannt sind, wird noch an weiteren Zugpferden gebastelt.
Doch wer ist überhaupt Alexander Feiertag? Der Vater dreier Söhne ist verheiratet und koordiniert zusammen mit seinem Team 70 bis 80 Veranstaltungen im Jahr. Seit fünf Jahren belebt er das Kulturzentrum E-Werk und seit diesem Jahr betreibt der Arbeitskreis Open Flair die Stadthalle von Eschwege.

Warum jetzt auch noch die Stadthalle?
Wir nutzen hier Synergien, die sich zwischen E-Werk und Stadthalle und dem Festival ergeben. Es bringt uns weiter und ist sicher auch gut für Eschwege  und die Region. Allerdings ist manches für mich auch einfach nur ein Job: Veranstaltungen mit Volksmusik und Schlager zum Beispiel!

Welche Bedeutung hat für Dich Musik?
Musik hat eine große emotionale Bedeutung. Man bleibt ja normalerweise in der der Musik verhaftet, in der man seine Sturm- und Drangzeit verbracht hat. Dadurch, dass wir dieses Festival machen erlebe ich Musik täglich neu und bin oft überrascht und begeistert von vielen Songs.

Trifft das, was heutzutage das OF an Bands aufstellt, überhaupt Deinen musikalischen Geschmack?
Unbedingt, ja! Zwar nicht jede Band, aber das Festival ist wie ein bunter Blumenstrauß. Zu 50 Prozent kann ich damit etwas anfangen. Die Punksachen liegen mir schon mehr am Herzen als zum Beispiel Hip-Hop.

Womit kannst Du überhaupt nichts anfangen?
Mit Volksmusik und Schlager. Da rollen sich bei mir die Fußnägel hoch und durchschlagen das Leder.

Guildo Horn war vor ein paar Jahren auf dem OF.
Den verstehe ich eher als Persiflage auf Schlager. Der ist menschlich auch echt in Ordnung.

Welchen Einfluss hast Du auf die Auswahl von Acts?
Eigentlich kann ich darauf nicht kurz antworten. Natürlich werfen wir da seitens des Orga-Teams den Stein ins Wasser. Wir haben jedes Jahr eine große Liste. Man stellt aber beim Booking fest, dass es so viele Unwägbarkeiten gibt, dass anschließend ganz andere Künstler herauskommen, als man sich eigentlich gewünscht hat.

Da gibt es sicherlich bei den großen Namen die größten Probleme, oder?
Für Agenturen aus den Vereinigten Staaten stellt sich die Landkarte mit Blick auf Europa ganz anders dar als für uns. Da ist Deutschland ein kleiner Fleck im Europäischen Musikmarkt. Bekanntere Bands müssen dann auf ihrer Tour keine fünf Konzerte in Deutschland spielen. Die spielen dann fünf in Europa. Manche Konzertveranstalter kommen zudem mit einem Koffer Geld. Wir können dann mit unseren 20.000 Besuchern nicht mithalten, bei Konkurrenten, die 50.000 oder 100.000 Besucher haben.

Du begegnest hinter der Bühne einigen Künstlern. Du sprachst eben von Guildo Horn. Hast Du mit jemandem Freundschaft schließen können oder halten die generell lieber Abstand?
Man hat natürlich das eine oder andere Gespräch. Da haben sich auch Sympathien gebildet. Aber, dass man sich anschließend gegenseitig besucht und sich eine richtige Freundschaft entwickelt, findet eher nicht statt. Anders ist das mit Agenturen, Managements und Bookern. Mit denen hat man auch längerfristig zu tun.

Welche Künstler haben sich als besonders unsympathisch erwiesen?
Wenn ich als Künstler unterwegs bin, will ich nicht jeden Tag Pommes essen. Dafür muss man als Veranstalter Verständnis haben. Aber auch Künstler müssen Zugeständnisse machen. Ich kann ihm jetzt nicht den speziellen Rotwein besorgen, aber vielleicht ein Äquivalent. Es gibt leider Künstler – meistens Damen – die es genießen, Veranstalter springen zu lassen. Da sind unter unseren Künstlerbetreuern auch schon Tränen geflossen. Wir müssen dann auch mal deutlich werden: Entweder Du trittst auf oder Du trittst nicht auf. Es gilt eben zu kommunizieren und einen Kompromiss zu finden.

Lass mich raten, Namen willst Du keine nennen?
Ich möchte keine Künstler in die Pfanne hauen.

Mal anders gefragt: Welche Künstler möchtest Du definitiv nie wieder beim Open Flair haben?
Da fällt mir gar keiner ein.

Und wen möchtest Du unbedingt irgendwann einmal in Eschwege haben?
Jimmy Hendriks, Bob Marley, Rio Reiser natürlich.

Weißt Du eigentlich, dass die tot sind?
Echt? Für mich leben die noch!

Was ist Dein persönliches Highlight für 2014?
Da darf ich noch nicht drüber reden.

Unter uns, kannst Du doch einen Namen nennen…
Das geht leider nicht. Wir haben Stillschweigen vereinbart. Das wissen nicht einmal fünf Leute, inklusive der Agentur.

Kommt der große Name aus Deutschland?
Nein! Es sind vier Musiker/innen. Die Songs, der Sound und die Authentizität der Band gehören zum Besten was die gesellschaftskritische Kunst- und Rockwelt derzeit zu bieten hat!  Aber ich kann den Namen ruhig verraten:  „The Big Surprise“

Du findest aber sicherlich auch noch andere Auftritte spannend, oder?
Da gibt es Vieles, was mich interessiert. So etwas wie Liedfett oder auch Kapelle Petra.

Welchen Act schaust Du Dir auf gar keinen Fall an?
Da fällt mir gar nichts ein. Maxi Arland buchen wir nicht.

Kannst Du Dir vorstellen, mal ein Jahr lang nicht zum OF zu gehen?
Ne! Spontan Ne! Das Open Flair gehört zu meinem Leben.

Gibt es Momente, in denen Du am liebsten alles hinschmeißen würdest?
Es gibt Momente, in denen ich mir die Haare raus reiße, wenn man lange um etwas gekämpft hat und sich nun mit Alternativen arrangieren muss.

Gibt es für Dich ein Leben nach dem Open Flair?
Nein, das ist meine Ausgangsbasis. Ich mache noch viele Dinge neben dem Open Flair, aber ich kann mir ein Leben nicht ohne vorstellen. Da gehört neben der Auseinandersetzung mit der Musik auch der Personenkreis dazu.

Bei der von Euch gewählten Struktur könnte irgendwann doch mal jemand an Deinem Ast sägen!?
Meine Rolle ist so gewachsen und sie ist - denke ich jedenfalls - auch von allen so akzeptiert. Oft bin ich eher Moderator, auf keinen Fall Diktator. Es ist eher ein Austausch. Wir schließen unseren Grips zusammen und hadern so lange bis wir sicher sind zum besten Ergebnis zukommen. Ich glaube, es identifizieren sich alle mit der gemeinsamen Sache.

Aber es gibt doch sicherlich immer Mitarbeiter, die Dinge ankündigen, die sie nicht erledigen?
Auch die können sich einsortieren. Man weiß relativ schnell, wo man dran ist. Wir finden für alle etwas. Es läuft sehr harmonisch.

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