Aus Buschmücken keine Tigermücke machen

Osthessen hat möglicherweise neue Einwohner: Tropische Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit laden diese ein. Direkt vor der printzip-Redaktion wurde scheinar die Asiatische Tigermücke (Stegomyia albopicta) oder die Asiatische Buschmücke (Hulecoeteomyia japonica) gesichtet und fotografiert. 
Die genaue Artzuordnung ist anhand eines Fotos nicht möglich. In Deutschland leben derzeit mindestens 49 Stechmückenarten, drei davon wurden erst nach 2007 in Deutschland gefunden, darunter die besagten Arten. Die neuen sommerlichen Plagegeister wurden erstmals in Süddeutschland nachgewiesen: Die Buschmücken 2008 und die Tigermücken 2012. Beiden Arten können tropische Krankheiten übertragen. Besondere Angst besteht gegenüber den agressiven Tigermücken. Diese werden bis zu zehn Milimeter groß und sind an auffälligen weißen Streifen an Körper und Beinen zu erkennen.

Der vom Monatsmagazin printzip angesprochene Prof. Dr. Thilo Schlott vom Fachbereich Pflege und Gesundheit der Fachhochschule Fulda warnt dennoch vor Panikmache. Ob es sich wirklich um die gefährlichen Asiaten handelt, könne nur anhand der Flügelstruktur unter dem Binokular sicher festgestellt werden. „Die Bestimmung von Stechmücken ist ein schwieriges Geschäft“, gibt Professor Schlott zu bedenken. Dafür muss mindestens ein Exemplar gefangen und dann eindeutig bestimmt werden. Hochschullehrer Thilo Schlott erläutert: „Die Asiatische Tigermücke kann mit der Buschmücke und anderen Mücken verwechselt werden, da sie sich ähnlich sind. Buschmücke: Antennen, die deutlich kürzer sind als der Kopf; Tigermücke: schwarz/weiß,  Buschmücke mittel- bis dunkelbraun/weiß. Die Buschmücke hat sich im Süden Deutschlands und in ganz Baden-Württemberg bis hin zum Schwarzwald etabliert.“

Wie von den heimischen Arten gewohnt, haben auch Tigermücken- und Buschmücken-Weibchen spezialisierte Mundwerkzeuge, einen stechenden, saugenden Rüssel. Diese können menschliche Haut durchbohren und Blut saugen. Die so aufgenommenen Proteine und Eisen werden für die Produktion der Eier benötigt. Wie die Gemeine Stechmücke (Culex pipiens) - die in Europa häufigste Art der Mücken-Familie - legen die Asiaten ihre Eier in stehenden Gewässern ab. Die Eier der Tigermücke werden aber an bis zu zehn unterschiedlichen Orten, auch in kleinen Feuchtigkeitsansammlungen wie Astgabeln oder auch Blattachseln von Pflanzen abgelegt. Mit im Freien gelagerte Altreifen – einem globalen Handelsgut – oder importierten tropischen Pflanzen wurde die Mückenart wahrscheinlich eingeschleppt. Die Verbreitung wird durch die guten Lebensbedingungen begünstigt. Da die Eier zudem monatelang trockenheitsresistent sind, ist dabei eine Bekämpfung fast unmöglich.
Ein weiterer Unterschied: Während die Gemeinen Stechmücken sich oft des Nachts an Schlafenden ausgiebig laben, sind die tagaktiven Asiaten meist einem wehrfähigen, wachen Gegenüber ausgesetzt. Das macht sie nicht nur besonders aggressiv. Ihre Blutmahlzeiten werden auf mehrere Wirte verteilt, was besonderes Gefahrenpotenzial mit sich bringt. So kann das ursprünglich in Afrika beheimatete Usutu-Virus, an dem auch in Deutschland Amseln verendeten, übertragen werden. Die Einwanderer haben außerdem - so fürchten Forscher - das Rifttal-Fieber-Virus oder das Japanische Enzephalitis-Virus im Gepäck. Die tropischen Viren waren in Deutschland bis vor einigen Jahren lediglich von Urlaubsreisenden bekannt. Nun können in Deutschland bisher nicht auftretende Krankheiten wie das West-Nil-Fieber, das Dengue-Fieber oder das Chikungunya-Fieber übertragen werden. Die Viren können für den Menschen sehr gefährlich werden. Bei West-Nil-Erkrankungen gab es in Griechenland mehrere menschliche Todesfälle.

Jedes Virus hat eine Temperaturspanne, unter denen es sich besonders gut entwickelt, daher waren die Tropenkrankheiten bisher lange Zeit in Deutschland kein Thema. Dank des Klimawandels und dem globalisierten Handel dringen nicht nur immer mehr Exoten-Mücken nach Mitteleuropa vor.
Anhaltende wärmere Temperaturen sorgen auch für die Verbreitung der bislang hier nicht bekannten Krankheitserreger über einheimische Mückenarten. Grundsätzlich helfen gegen die Zuwanderer die gleichen Mittel wie gegen heimische Arten. Am effektivsten sind schützende Sprays mit Icaridin oder Diethyltoluamid (DEET) als Wirkstoff. Mückenschutzgitter am Fenster und langärmlige Kleidung bieten den einfachsten Schutz.  
Text und Foto: Timo Schadt
in36.de
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