Dick dank Diät

Unaufhörlich konfrontieren die Medien mit vermeidlichen Siegern, aber auch Verlierern des Körperkults. Die einen sind vor laufenden Kameras gedemütigte schwergewichtige Loser, die anderen zeigen stolz grinsend die einstig proppere Figur als mies gelaunten Pappkamerad. Mit Verdauungspräparaten und selbstgeißelnder Enthaltsamkeit wollen sich deswegen nicht wenige den angefutterten Winterspeck vom Körper schaffen. Gegessen wird dann nicht mehr das, was schmeckt, sondern was vermeintlich die Speckröllchen minimiert.
Das gesellschaftliche Bild, in dem einst ein Bauchansatz für Wohlstand stand, hat sich komplett umgekehrt. Hagere sehnige Gestalten werden als Schönheiten verkauft. Dass diese ihr Erscheinungsbild häufigem Erbrechen und extensivem Zigarettenkonsum verdanken und nicht etwa Magerjogurt, Salat und Vollkornprodukten, verschweigen die Medien. Abgemagerte Ernährungsberater/innen warnen stattdessen im Fernsehen vor den dramatischen Folgen von Übergewicht und verordnen den vom Body-Mass-Index abweichenden Zuschauern die Nahrungsumstellung auf schlecht verdauliche Kost.

Beim Betrachten der vielen schönen, erfolgreichen Schlanken und hässlichen, meist dümmlich dargestellten Dicken weiß jede/r von uns, zu welcher Gruppe er lieber gehören möchte. Also wird brav das gemacht, was vermeintlich Allgemeinbildung ist: Fett wird gemieden, Rohkost ersetzt Gebratenes, Vollkornbratlinge das Steak…
Hunger ist nun ebenso ständiger Begleiter wie miese Gefühle über kleine Sünden, die sich trotzdem mal gegönnt werden. Kummer kommt auf, vor allem über den mangelnden Ergebnisse auf der Waage. Auf ihr stehend, zeigt sich alltäglich der Fortschritt der Diät oder leider allzu oft eben auch nicht. Versagensgefühle und Depressionen sind die Folge. Wo bleibt da noch Lebensfreude?
Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer, Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungsforschung e.V. (EU.L.E.), hat in zahlreichen Publikationen und Interviews eine einfache Erklärung formuliert: „Diäten machen Dicke dicker, fördern Osteoporose und Gallensteine und verkürzen das Leben.“ Wie er zu diesen Thesen kommt, sei nachfolgend dargelegt.

Menschen sind unterschiedlich, auch in ihrer Verdauung. Die Fähigkeit der Leber unerwünschte Stoffe abzubauen, ist bei jeder Person anders. Die genetische Disposition ist hier sehr ausschlaggebend. Das führt dazu, dass bei manchen Menschen eine Neigung zum Fettspeichern gegeben ist, bei anderen die Nährstoffverbrennung besser funktioniert. Letztere können fast alles essen, ohne dass der Körperansatz wächst. Die, bei welche die Veranlagung aufs „Speichern“ angelegt ist, können zwar durch radikalen Verzicht das Volumen reduzieren. Sobald allerdings die Ernährung auch nur normalisiert wird, werden die Speicher erneut gefüllt, bis eben das „Normalmaß“ wieder erreicht ist. Möglicherweise wird dann vom Körper sogar ein Zusatzvorrat angelegt, für nun, Dank Diät nun bekannte, schlechte Zeiten. Der Volksmund nennt dies Jojo-Effekt.
Unsere Ernährung ist geprägt von etlichen Irrtümern. Wer Diät-Margarine statt Butter kauft, tut einzig dem Handel und der Lebensmittelindustrie etwas Gutes. Die lassen sich nämlich billige Pflanzenfette mit leeren Gesundheitsversprechen teuer bezahlen. Diät-Limonade enthält aus der Tiermast bekannte Appetitanreger, die lediglich das Verlangen auslösen, endlich Nahrung zu bekommen. Zuviel Rohkost macht Magen- und Darmprobleme, da sie schlicht für den menschlichen Organismus nicht so bekömmlich ist wie erhitzte und verarbeitete Lebensmittel. Fettverzicht ist nicht nur für den Geschmack von Nahrung ein Desaster, es hemmt die Verdauung.

Aufgrund von Selbstgeißelung Unterernährte sind logischerweise anfälliger für Krankheiten. Krankhaft Fettleibige, die wir tagtäglich von den Medien zur Abschreckung und Belustigung vorgeführt bekommen, haben sicherlich ein erhöhtes Krankheitsrisiko. Wer aber von der angeblich so wichtigen BMI-Norm um ein paar Kilo nach oben abweicht, muss weder aus zu viel Kalorienkonsum resultierenden Krankheiten, geschweige denn den frühen Tod fürchten. Statistisch sind diese Behauptungen, laut Udo Pollmer, längst widerlegt. Er ist davon überzeugt: Dicke leben länger und „Fettpolster sind im Alter Lebensreserven“.

Körperliche Anstrengungen haben in Jahrhunderten in unseren Breiten per natürlicher Selektion eine auf Fettanlagerung ausgerichteten Menschentypus geschaffen, der mit den heute anstehenden „leichten Tätigkeiten“ schlicht unausgelastet ist. Wer sich daher regelmäßig, am besten in freier Natur zusätzlich bewegt und auf eine vielfältige, abwechslungsreiche Ernährung einlässt, das isst, was ganz persönlich gut tut, handelt nicht nur vernünftig, sondern beugt Krankheiten vor und fühlt sich dabei auch noch wohl. Abstinenzler hingegen sind nicht selten unglückliche und mies gelaunte Menschen. Standardisierte Lösungen sind bei individuellen körperlichen Begebenheiten nicht anwendbar.
Eine kritische Betrachtung der Behandlung des Themas in den Massenmedien erleichtert vielmehr, als unsinnige Diäten es je vermögen würden.   Timo Schadt

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